Intuitive Machines: Odysseus will auf dem Mond landen

Nach etlichen Verzögerungen wollte das kommerzielle US-Unternehmen Intuitive Machines am Valentinstag (14. Februar 2024) zum Mond aufbrechen. Der Launch sollte um 6:57 Uhr (MEZ) vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral (Florida, USA) erfolgen - wurde jedoch kurzfristig auf den 15. Februar, um 7:05 Uhr (MEZ), verschoben(öffnet im neuen Fenster) . Mit einer Falcon-9-Trägerrakete von SpaceX soll die Mondlandefähre Odysseus in der Erdumlaufbahn ausgesetzt werden.
Bereits nach etwa sechs Tagen soll die Landefähre zur Mondlandung ansetzen - der ersten kommerziellen. Bereits zwei Firmen starteten diesen Versuch. Beide scheiterten.
Bei der Peregrine-Mission von Astrobotic kam es kurz nach dem Start zu einem Treibstoffleck und die Landefähre musste nach einigen Tagen im All in der Erdatmosphäre zum Absturz gebracht werden. Das japanische Unternehmen Ispace hatte es im letzten Jahr zumindest bis zum Mond geschafft, war aber wegen eines Softwarefehlers am Landeanflug gescheitert.
Die erste kommerzielle Mondlandung?
Wenn Intuitive Machines tatsächlich eine sanfte Landung absolvieren kann, würde das Unternehmen Weltraumgeschichte schreiben. Damit dies gelingt, arbeitete die Firma eng mit der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa zusammen.
Die Landefähre ist 4,30 Meter hoch. Ihr sechseckiger Rumpf misst 1,60 Meter. Die Instrumente für die Landung und Entfernungsmessung wurden von der Nasa entwickelt. Wie bei den Apollo-Missionen werden Laser-Reflektoren die genaue Entfernung zwischen Erde und Mond messen.
Für eine sanfte und sichere Landung steuert die Nasa zudem einen Geschwindigkeits- und Entfernungsmesser für den Abstieg bei: den Lidar-Sensor (Light Detection and Ranging; dt.: Lichtdetektion und Entfernungsmessung).
Die Schwierigkeit bei einer Mondlandung
Die Stereokamera Scalpss (Stereo Cameras for Lunar Plume Surface Studies; dt.: Stereokameras für Oberflächenstudien auf dem Mond) soll die Abgasfahne beim Landeanflug genau beobachten. Durch sie wird Mondstaub aufgewirbelt, der die Sicht beim senkrechten Sinkflug beeinträchtigen kann.
Die Staubdecke kann zu einem gefährlichen Brown-out-Effekt führen, erklärte ein unabhängiges Forschungsteam im April 2023 in ihrer Studie(öffnet im neuen Fenster) . Dieser Effekt schränkt die Sicht der für die Landung wichtigen Instrumente ein. Beim Brown-out kommt es zur Abschaltung einzelner Systeme. Die Schubdüsen können somit zu früh oder zu spät abschalten. Das wiederum kann zum Scheitern der Mission führen.
Die vier Stereokameras sollen einen Bereich von etwa 14 Quadratmetern unterhalb des Landers erfassen. Damit der Landeanflug sicher verlauft, werden die Kameras 30 Sekunden vor dem Aufsetzen auf der Mondoberfläche eingeschaltet.
Außerdem fliegt ein kommerzieller Kleinsatellit mit. Die Eagle-Cam soll die Mondlandung aus der Beobachterperspektive von der Mondumlaufbahn aus filmen. Statt reiner simulierter Computersimulationen wird es - wenn alles nach Plan verläuft - auch Echtzeitaufnahmen (abgesehen von der Übertragungsverzögerung) vom Landeanflug geben.
"Wenn wir sanft landen, ist das ein Touchdown. Das wäre ein toller Erfolg" , erklärt Steve Altemus, CEO von Intuitive Machines. "Aber jeder Schritt, den wir vom Abheben von der Startrampe, dem Flug in die Nähe des Mondes und dem Erreichen seiner Umlaufbahn näher kommen, ist ein Erfolg für sich."
Intuitive Machines und die Erforschung des Mondes
Als Zielort hat das Unternehmen den Rand des Kraters Malapert A auserkoren. Ein 24 bis 33 Kilometer im Durchmesser umfassender Einschlagskrater an der uns zugewandten Mondseite. Er befindet sich in der Südpolregion. Dort werden auch wissenschaftliche Untersuchungen erfolgen.
Neben den Instrumenten zur Landung befindet sich noch das Funkempfängersystem Rolses (Plasma and Low-frequency Radio Observations for the Near Side Lunar Surface) der Nasa an Bord der Landefähre.
Rolses misst die ionisierten Teilchen, die durch die kosmische Strahlung aus dem Weltraum in der Umgebung der Landestelle erzeugt werden. Mit dieser Messung kann bestimmt werden, wie viel Zeit zukünftige Raumfahrer auf der Mondoberfläche verbringen dürfen. Je mehr Strahlung sie ausgesetzt sind, desto höher ist das Risiko einer möglichen Krebserkrankung.
Als kommerzielle Fracht wird ein kleines Observatorium namens Ilo-X(öffnet im neuen Fenster) (International Lunar Observatory) auf die Mondoberfläche gebracht. Bereitgestellt wird es vom internationalen Mondobservatorium Ilo auf Hawaii. Ilo-X ist ein miniaturisiertes Mondabbildungssystem mit zwei Kameras. Vom Trabanten aus sollen Bilder vom Zentrum unserer Milchstraße aufgenommen werden. Weitere Beobachtungen des Himmels, der lokalen Mondumgebung und der Erde sind mit dem Observatorium ebenfalls geplant.
Zwar soll die wissenschaftliche Mission nur 14 Tage andauern - also einen vollen Tag auf dem Mond. Jedoch könnte das Observatorium auch länger in Betrieb bleiben. Zumindest erhofft sich das Team auf Hawaii das. Ob Ilo-X die kalte Mondnacht überstehen wird, muss sich erst noch zeigen.
Die erste Werbeübertragung vom Mond
Neben der Eagle-Cam, die den Landeanflug von Außen filmen soll, fliegt ein weiterer Kleinsatellit namens Doge-1 mit. Er ist mit Sensoren und Kameras ausgestattet, um Bilder und Daten von der Mondoberfläche zu erfassen. Diese sollen das Wissen um die potenziellen Ressourcen des Mondes, seine Umwelt und Geologie erweitern.
Der Hauptzweck der kommerziellen Nutzlast ist jedoch ein ganz anderer. Doge-1 ist quasi die Werbeagentur fürs Weltall. Auf einem Bildschirm lässt sich Werbung oder sonstige Botschaften abspielen, die mit einer Auslegerkamera (Kamera auf einem Selfiestick) abfotografiert werden. Schließlich werden die Bilder zur Erde geschickt. Auf den Plattformen Twitch und Youtube soll die Liveübertragung gestreamt werden. Bezahlt wurde der Satellit komplett mit der Kryptowährung Dogecoin.
Über eine weitere Nutzlast berichtete Golem.de bereits : Das Unternehmen Lonestar plant nach der Mondlandung einen Up- und Download von Kundendokumenten. Damit will es die Fähigkeiten eines möglichen Rechenzentrums auf dem Trabanten demonstrieren. In Zukunft könnten Rechenzentren in den Lavaröhren des Mondes entstehen. Ein Ort, in dem auch Wohneinrichtungen für künftige Mondbewohner und -bewohnerinnen entstehen könnten.
Doch zuerst muss die Odysseus starten und auch sicher landen. Der Launch kann im Live-Stream auf YouTube(öffnet im neuen Fenster) mitverfolgt werden.
Update vom 14. Februar 2024, 12:23 Uhr
Die Uhrzeit des Launches hat sich geändert. Wir haben die neue Uhrzeit nachträglich angepasst und den Link zum Stream eingefügt.



