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Brückenbauen, Übersetzen, Vermitteln

Golem: Und wo genau kommt da die Rolle des CTO ins Spiel?

Wienholtz: Wie vorhin bereits angesprochen: Das Brückenbauen, Übersetzen, Vermitteln, Pattern erkennen, präzise Schlussfolgerungen ableiten und dann Roadblocks aus dem Weg räumen – das ist de facto der Job aller Manager. Ob CEO, COO, CTO oder C(xyz)O: Es geht im Kern immer darum, Menschen zu motivieren und unternehmerisch zu denken.

Ich mag die Vorstellung von Humboldts "Universalgenie" – der Anspruch, sich im Wissen breit aufzustellen und Muster zu erkennen, um abstrakt auch neue, unbekannte Dinge schnell erschließen zu können. Dazu kommen die strategischen und wirtschaftlichen Ziele des Unternehmens. Deshalb ist es für CTOs von großer Bedeutung sich in "artfremde" Themen wie Finanzen, Support und andere Bereiche einzuarbeiten und nicht "inselbegabt" im technischen Umfeld zu verharren.

In einem kleinen Start-up ist das noch anders, da kann und will man sich als CTO natürlich überall einbringen ("it's my baby ..."), aber je mehr das wächst, desto wichtiger wird das Delegieren – man muss loslassen können.

Wie zuvor schon gesagt: Je größer die Organisation wird, desto kleiner ist der Raum, den die Technik im Alltag des CTO einnimmt, desto wichtiger wird es aber, in diese Vermittler- und Übersetzerrolle zu kommen und so für alle im Unternehmen das Beste umzusetzen.

Golem: Humboldt schaffte es ja auch, viele Menschen zu faszinieren, seine Berichte und Vorlesungen waren sehr populär ... wie wichtig ist das Storytelling?

Wienholtz: Richtig, neben den angesprochenen Teambuilding-Soft-Skills und einer breiten Aufstellung zum Wissen aus allen Unternehmensbereichen ist diese mehrheitlich vernachlässigte Fähigkeit wichtig. Storys, die man plakativ und spannend kommuniziert, bleiben besser im Gedächtnis – und damit auch die Botschaften, die man vermitteln möchte.

Falls das einige aktuelle und ehemalige Kolleginnen und Kollegen hier lesen, werden sie vermutlich schmunzeln und an die eine oder andere Anekdote denken, die ich mal aufgetischt habe.

Ein weiterer, sehr, sehr wichtiger Skill ist es, möglichst genau einschätzen zu können, was einem Freude bringt im beruflichen Kontext. Wie bei vielen CTO-Kolleginnen und -Kollegen war schon quasi aus meinem Kinderzimmer heraus klar, dass ich eine Zukunft im Bereich der Technik und Informatik anstreben würde.

Als Jugendlicher wurde mir dann bewusst, dass ich viel Spaß daran habe, zu organisieren und menschenzentriert zu arbeiten. Also etwas zu unternehmen im Kontext von Informatik und Organisation. Bringt man beides zusammen, dann liegt die Idee, in Richtung Management zu gehen, quasi auf der Hand.

Was mir aber in dem Kontext fehlte, war der betriebswirtschaftliche Hintergrund, und um da beide Welten zusammenzubringen, habe ich Wirtschaftsinformatik studiert.


Ich lese Chefs von Devs tatsächlich regelmäßig, gerade weil es kompakt ist. Alle zwei Wochen ist für mich genau richtig, mehr würde in meinem Kalender einfach untergehen. Am meisten mag ich den Blick über den eigenen Tellerrand. Ich stecke beruflich tief im Open-Source- und Public-Sector-Bereich, da tut es gut, auch mal CTOs aus ganz anderen Branchen zuzuhören. Das bringt mir mehr als die zehnte Analyse aus der eigenen Blase. Der virtuelle Blumenstrauß geht raus, allein schon dafür, dass ihr seit 2022 an einem Format festhaltet, das IT-Chefs ernst nimmt, ohne sie zu belehren.
David Walter @ ownCloud – A Kiteworks Company


Golem: Vielen Dank, Herr Wienholtz! Haben Sie für unsere Leser noch zwei, drei Buch- oder Audio-Book- oder Podcast-Empfehlungen?

Wienholtz: Das klingt jetzt vielleicht zurückgeblieben, aber ich habe kaum Zeit, Audiobooks oder Podcasts zu hören. Meine Freizeit verbringe ich mit Jogging (irgendwo müssen die hart erarbeiteten Kalorien ja hin) oder mit meinem anderen großen Hobby. Ich bin seit Mitte der 90er Jahre Musikproduzent für "technologisch orientierte Tanzmusik", so dass ich zu meiner Entspannung gern in meinem Studio vor Tausend LEDs und Reglern sitze und musiziere. Das nimmt neben der Arbeit viel zeitlichen Raum bei mir ein und so bleibt wenig Zeit für die Casts oder auch erkleckliche Lektüre.


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