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''Wollt ihr wirklich, dass ich das entscheide?''

Golem: Motivation ist aber doch nicht alles?

Wienholtz: Es braucht darüber hinaus eine sinnvolle Fehlerkultur und damit einhergehend maximale Transparenz und smartes Delegieren. Sicher ist für moderne CTOs das Verständnis für Technologie ein Kernwert. Gerade aber bei Unternehmungen, die aus der frühen Start-up-Phase hinauswachsen, ist man nicht mehr überwiegend technisch unterwegs, sondern muss Menschen zusammenbringen, Brücken bauen, Hindernisse aus dem Weg räumen und begeistern.

Je größer die Organisation ist, die man als Manager leitet, desto weniger technisches Fachwissen und desto mehr soziologisches und psychologisches Gespür braucht es in der täglichen Arbeit.

Ich habe das schon häufiger erlebt: Es gibt im Team widerstreitende Ansichten, wie etwas umgesetzt werden soll, und man kann sich nicht einigen. Dann soll ich gegebenenfalls entscheiden, ob das eine oder das andere gemacht werden soll.

Ich sage dann gern: "Wollt ihr wirklich, dass ich das entscheide? Ich kann das natürlich tun, aber wenn ich das übernehme, dann entscheidet das die Person mit dem geringsten Fachwissen am Tisch." Besser ist doch, wenn diese Einigung für einen Weg von den Expertinnen und Experten selbst kommt und mir lediglich zur Reflexion dargelegt wird.

Bei der Fehlerkultur ist es wichtig, transparent und offen über Fehler zu reden und insbesondere: daraus zu lernen. Fehler sind immer auch eine reiche Quelle für Weiterentwicklung und Anpassung. Das alles sind keine neuen Erkenntnisse, viel vom kreativen Umgang mit notwendigen Änderungen findet sich auch in agilen Methoden. Unsere Welt wird immer komplexer und es wäre töricht anzunehmen, dass wir starr Jahre vorausplanen können, keine Fehler und Anpassungen machen und beim initialen Plan bleiben. Der Umgang damit muss menschlich und individuell bleiben.­

Golem: Wie meinen Sie das?

Wienholtz: Selbstwirksamkeit ist etwas, das uns alle an- und umtreibt. Das AMP-Schema besteht aus Autonomie ("Ich kann so arbeiten, wie ich das für richtig halte"), Mastery ("Ich lerne etwas dabei") und Purpose ("Was ich mache, dient einem Zweck und hilft anderen"). Wer das bei seiner Arbeit erfährt, hat gute Chancen, glücklich zu werden.

Und dafür spielt das Management eine wichtige Rolle, auch die oder der CTO. Wem das gelingt, dass die Mitarbeitenden Spaß bei der Arbeit und der Interaktion im Team haben, der ist einen guten Schritt weiter.


"Ich mag den Chefs-von-Devs-Newsletter. Für mich waren Heise und Golem Ende der 90er, Anfang der 2000er, essenziell dafür verantwortlich, dass ich in die IT-Welt eingetaucht und schlussendlich bei einem Open-Source-Dienstleister gelandet bin."
Nicolas Christener, Chief Executive Officer bei Adfinis


Denn was wem wann Vergnügen bereitet, wofür die/der Einzelne "brennt" und unter welchen Umständen Mitarbeitende kreativ werden, das ist total unterschiedlich. Manche erleben das nur zu Hause, andere nur draußen, wieder andere im stillen Kämmerchen oder auf Konferenzen. Es gibt auch Menschen, die das im Büro, an der Kaffeemaschine oder am Kicker mit den Kollegen erfahren.


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