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"Hacken" ist das oberste Gebot bei Facebook und als Schriftzug im zentralen Hof des Campus eingelassen.
"Hacken" ist das oberste Gebot bei Facebook und als Schriftzug im zentralen Hof des Campus eingelassen. (Bild: Google Earth)

Ist die Gesellschaft stabil genug für Facebook?

Hannes Grassegger: So hat das schon Benjamin Franklin gemacht. Jede Woche eine Aufgabe zur Charakterbildung.

García Martínez : Zuckerberg ist okay. Er führt offensichtlich eine gute Ehe, ist seit über zehn Jahren mit derselben Frau zusammen. Was mich störte, waren seine Freunde. Wir nannten sie FoZ - Friends of Zuck. Sie waren wie der Adel. Furchtbar arrogant.

Hannes Grassegger: Was hat Zuckerberg eigentlich vor?

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García Martínez : Dieses Unternehmen wird noch lange existieren. Die haben eine große Vision. Ich glaube, dass die EU zum Beispiel langfristig gegen Facebook kapitulieren muss.

Hannes Grassegger: Warum?

García Martínez : Als die Spanier beispielsweise Google besteuern wollten, haben sie damit einfach nur ihre Newsplattformen ruiniert. Vielleicht bin ich ein arroganter Amerikaner, aber ich finde es lustig, dass die Europäer das Internet regulieren wollen, ohne selber eine einzige globale Internetplattform hervorgebracht zu haben. Sie sollten sich eher darauf konzentrieren.

Hannes Grassegger: Kommt bestimmt. Berlin ist ja jetzt auch ein Silicon Valley.

García Martínez : Berlin ist wirklich hübsch! Ich hab da drei Monate gelebt und im Betahaus an meinem Buch geschrieben. Dort hab ich viele supertalentierte Leute gesehen und verstanden warum das Silicon Valley nicht kopiert werden kann. In Berlin fehlt es wie in allen anderen Möchtegern-Valleys erstens an Geld um ein Startup aufzubauen, und zweitens an Geld um ein Startup aufzukaufen. In den USA finanzieren die, die in der ersten Dotcom-Welle Geld gemacht haben Startups. Und nachher werden die dann von großen Unternehmen teuer eingekauft. Wann hat denn die deutsche Telekom zuletzt ein Drei-Leute-Startup eingekauft, so wie mich damals Facebook reinholte?

Hannes Grassegger: Worum geht es Facebook eigentlich?

García Martínez : Ich habe viel drüber nachgedacht, was Facebook eigentlich ist. Dem ganzen Silicon Valley geht es eigentlich darum, etwas Vorhandenes durch etwas Eigenes zu ersetzen. Ein System zu hacken. Uber sagt: Wir brauchen keine Taxis mehr. Airbnb sagt: Wir brauchen keine Hotels mehr. Einen Teil meines Buches hab ich in Barcelona geschrieben. Ganze Teile Barcelonas sind nur noch Airbnb-Territorium. Die Silicon-Valley-Firmen ziehen irgendeiner Branche, die sie für reif halten, einfach mal den Stecker und schauen dann, was passiert.

Hannes Grassegger: Was halten Sie davon?

García Martínez : Ich weiß nicht, ob die Gesellschaft stabil genug ist, um das zu ertragen.

Hannes Grassegger: Und im Fall von Facebook?

García Martínez : Ich glaube, bei Facebook geht es darum, wie wir leben. Es ist ein Ersatz für Gemeinschaften. Für Stämme.

Hannes Grassegger: Wie meinen Sie das?

García Martínez : Es gibt diese eine Zahl, sie heißt Dunbar-Zahl. Die besagt, dass Menschen, egal in welcher Epoche und an welchem Ort, eigentlich immer nur mit etwa 150 Leuten echte Beziehungen pflegten. Das war Ihre Dorfgemeinschaft. Ihr Metzger, Ihr Freund, Ihr Berater. In unserer Zeit, wo man nicht mehr dort lebt, wo man geboren wurde, gibt es dieses kleine Ding in unserer Hosentasche, die Facebook-App, die einen genau mit diesen Leuten verknüpft, ganz unabhängig davon, wo man ist.

Hannes Grassegger: Noch mal: Wenn Airbnb bedeutet, keine Hotels mehr, was bedeutet dann Facebook?

García Martínez : Eigentlich ist Facebook ein Hack des Staates. Der Gemeinschaft an sich.

Hannes Grassegger: In Europa und auch im US-Wahlkampf wird gerade diskutiert, ob Facebook die politische Entwicklung beeinflusst.

García Martínez : Natürlich, man sieht das, wenn man in eine Bar geht. Das ist ja ein Ort, an dem man mit Freunden und Fremden ins Gespräch kommt, auch über politische Themen. Wenn Sie aber heute in eine Bar gehen, sehen Sie nur Leute, die auf Facebook-Screens starren. Diese Menschen sind verbunden mit einer anderen Gemeinschaft.

Hannes Grassegger: Sie meinen also, dass Facebook die Politik nicht nur dadurch beeinflusst, dass es bestimmte Themen nach oben bringt und andere Themen gar nicht - sondern Sie glauben, dass diese neue Art der Gesellschaftsbildung unser politisches Verhalten verändern kann. Ist Zuckerberg denn eher Demokrat oder Republikaner?

García Martínez : Das weiß ich nicht. Facebook geht es nicht darum, dich dazu bewegen, Demokraten oder Republikaner zu wählen.

Hannes Grassegger: Welche Änderung an Facebook würden Sie Zuckerberg vorschlagen, damit er einfach neutral wäre, also keinen Einfluss mehr auf die Demokratie nimmt?

García Martínez : Schwierig. Zuckerberg hat natürlich eine Menge Möglichkeiten, auf den Wahlkampf Einfluss zu nehmen. Die Facebook-Timeline funktioniert so, dass du die Sachen siehst, die dir statistisch gefallen - und damit bestätigen sie dich in deiner Meinung, anstatt sie herauszufordern. Es ist vermutlich so, dass diese Echokammer ein starker Grund ist für die politische Polarisierung in Europa und in den USA.

Hannes Grassegger: Könnte man die Echokammer umbauen?

García Martínez : Ja, sicher. Man könnte beispielsweise die Meinung deines am wenigsten geliebten Freundes anzeigen. Aber ich glaube, die Menschen würden das als Manipulation empfinden. Ich sehe wenig, was Facebook ändern könnte am eigenen Einfluss.

Hannes Grassegger: Sie wurden 2013, nach zwei Jahren, bei Facebook gefeuert. Was war der Grund?

García Martínez : Sie hatten sich gegen meine und für eine konkurrierende Produktstrategie entschieden. Dann musste ich halt gehen. Ganz normal im Valley.

Hannes Grassegger: Was macht man nach Facebook? Wo bewirbt man sich?

García Martínez : Ich bin erst mal mit meinen drei Kindern aufs Land gezogen und habe das Buch geschrieben. Jetzt muss ich schauen, wie es weitergeht. Ich habe keine gute neue Geschäftsidee.

Hannes Grassegger: Sie wissen viel mehr über die fortschreitende Digitalisierung als die meisten anderen Menschen. Welche Schlüsse haben Sie gezogen?

García Martínez : Was die Zukunft meiner Kinder angeht: Ich werde sie nicht auf Facebook lassen. Ich werde versuchen, sie von der Technologie abzuschirmen. Ich werde sie davor schützen, soweit ich es kann. Sie sollen in der Realität einer kleinen Gemeinschaft aufwachsen, nicht in einer Simulation davon.

Antonio García Martínez: "Chaos Monkeys: Obscene Fortune and Random Failure in Silicon Valley", HarperCollins

 Google muss zerstört werden

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suchender 30. Sep 2016

Hallo, ich sehe das sehr ähnlich wie sie und mache mir darüber schon länger Sorgen...

Moe479 18. Sep 2016

nein das ist unsinn, es sei denn du verpasst dem trabbi ein anderes fahrwerk, womit er...

plutoniumsulfat 15. Sep 2016

Nein, das IST dann so.

My1 15. Sep 2016

und hier wird sich nicht mit fremdem federn geschmückt wie es bei der zeit nach wie vor...

deinkeks 15. Sep 2016

Deine Bekannten und Verwandten sind bei FB, bzw. laden Fotos..irgendwas hoch? Tja...



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