Interview mit Grünen-Rekordspender: "Das Bitcoin-Ökosystem gehört zerstört"

Ein Software-Entwickler hat viel Geld mit Bitcoin verdient und eine Million Euro davon an die Grünen gespendet. Im Golem.de-Interview erzählt er, warum.

Ein Interview von veröffentlicht am
Darf eine Öko-Partei Geld aus einer energieintensiven Kryptowährung annehmen?
Darf eine Öko-Partei Geld aus einer energieintensiven Kryptowährung annehmen? (Bild: Pixabay / Montage: Golem.de)

Dass Großspenden an Parteien nicht anonym überwiesen werden dürfen, finde er gut, sagt Moritz Schmidt aus Greifswald, der den Grünen soeben eine Million Euro aus Bitcoin-Gewinnen gespendet hat. Im Interview mit Golem.de erläutert der Software-Entwickler die Hintergründe der Spende und warum er inzwischen Bitcoin als Kryptowährung ablehnt.

Inhalt:
  1. Interview mit Grünen-Rekordspender: "Das Bitcoin-Ökosystem gehört zerstört"
  2. "Als Währung schaffen sie mehr Probleme, als sie lösen"

Golem.de: Herr Schmidt, wie viel Geld haben Sie mit Bitcoin verdient?

Moritz Schmidt: Etwa zwei Millionen Euro.

Golem.de: Bei welchem Kurs sind Sie eingestiegen?

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Schmidt: Im ersten Hype, 2011 meine ich... Der Kurs lag um die 10 bis 20 US-Dollar pro Bitcoin. Bitcoin war neu und technisch spannend. Das war eine große Spielwiese, da haben unter den Kollegen viele mal die Finger oder etwas Spielgeld reingesteckt und geguckt wie das so geht. Energieverbrauch war damals noch kein Thema, die Leute haben ihre CPUs und später Grafikkarten benutzt und individuell Mining betrieben.

Golem.de: Haben Sie auch selbst Bitcoins geschürft?

Schmidt: Nein.

Golem.de: Was ist die Motivation für die hohe Spende an die Grünen gewesen?

Schmidt: Ich wünsche mir einen Politikwechsel, auch wenn das ein abgedroschenes Wort ist. Ich könnte jetzt wie Rezo meinen ganzen Ärger rauslassen, versuche aber, mich kurz zu fassen: SPD und Union sind einfach fertig, vor allem letztere. Jeder Blick in die Zukunft wird vertont zu den Klängen von "HALT STOP DAS BLEIBT ALLES SO, WIES HIER IST", und nach 16 Regierungsjahren sind Minister und Lobbyisten ein und dasselbe. Dazu ein Haufen Korruptionsskandale im Bundestag, ohne die exorbitanten "Nebeneinkünfte" mitzuzählen - aber auf anderen Ebenen auch.

Ein Wolf im Konfirmandenpelz lässt sich mit Aktienoptionen für politische Kontakte schmieren, zur Belohnung stellt ihn der Landesverband als Spitzenkandidaten auf. Haben die denn keine anständigen Leute mehr? Und schlimmer noch: keine Selbstachtung?

Ich wünsche mir eine Politik, die den Klimaschutz als Menschheitsaufgabe anerkennt, sozial denkt, internationale Kooperation sucht und für Demokratie und Menschenrechte einsteht. Die sich in einer sich rasend schnell verändernden Welt der Zukunft annimmt, statt auf Krampf am Status quo zu kleben. Ich möchte Parteien, die bei ihren Mandatsträgern hohe Ansprüche an persönliche Integrität stellen, um gemeinwohlorientiert Politik machen zu können.

Da finde ich mich bei den Grünen wieder. Ich bin nicht doof: Was im Getöse der Realität am Ende umsetzbar ist, ist immer eine andere Frage, aber ich erwarte, dass darauf ernsthaft gezielt wird.

Golem.de: War Ihnen klar, dass Sie die bislang höchste Einzelspende für die Grünen abgeben würden?

Schmidt: Ja.

Golem.de: Haben Sie auch Geld für andere Projekte gespendet?

Schmidt: Nicht in der Größenordnung.

Golem.de: Ist es für die Grünen moralisch vertretbar, Geld aus Bitcoin-Spekulationen anzunehmen?

Schmidt: Was wäre denn eine bessere Alternative gewesen? Auf das Spendenangebot zu antworten mit "Nee, kauf dir dafür mal lieber 'ne Villa und 'nen Ferrari?" Damit wäre auch keinem geholfen.

Natürlich kann es in Ordnung sein, Nutzen aus einem System zu ziehen, selbst wenn man es kritisch sieht oder sogar abschaffen möchte. Alltagsbeispiel: Menschen, die viel lieber einen ÖPNV nutzen würden, wenn es ihn vor Ort gäbe, können ohne schlechtes Gewissen das System Straße/Auto nutzen.

Ich halte es zudem auch für kontraproduktiv, eine moralische Frage daraus zu machen. Es handelt sich um ein politisches Problem, und auf der politischen Ebene gehört es auch gelöst. Oder anders: Moral (und ihr säkularer Bruder, die individuelle Verantwortung) werden zu oft als Nebelkerze eingesetzt, um ein politisches Problem zu begraben.

Golem.de: Wie sehen Sie die Zukunft von Krypto-Währungen?

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"Als Währung schaffen sie mehr Probleme, als sie lösen" 
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quineloe 22. Apr 2021

lol wie seine Filterblase so krass ausgebaut ist dass er den Link nicht mal gesehen hat...

Valknutr 22. Apr 2021

Selektive Wahrnehmung? Solar- wie Windbranche sterben in Deutschland. Zehntausende Jobs...

Flobee 22. Apr 2021

Wie wäre es, statt auf die grüne Werbung hereinzufallen: einfach mal mit Politik...

smonkey 21. Apr 2021

Dann denke gleich noch mal über Deine vorherige Aussage nach: Dann fällt Dir bestimmt...

BlindSeer 21. Apr 2021

Nette suggestive Formulierung, die ganz subtil das eine als gut und das andere als...



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