Unterschiede zu Spielzeugdrohnen und autonomem Fahren

Golem.de: Welche Software-Komponenten machen eine Wingcopter-Drohne aus und wie unterscheidet sie sich technisch zum Beispiel von Spielzeugdrohnen?

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Hesselbarth: In unserem Wingcopter haben wir viele unterschiedliche Software-Komponenten, etwa welche, die vorwiegend die Sensoren ansteuern, dann welche, die aus den Messdaten Abschätzungen der Lage im Raum machen, und welche, die die Drohne im Raum regeln oder sogar aktiv steuern. Zusätzlich gibt es viel Kommunikationssoftware zwischen den Komponenten sowie hin zum Operator. Von Spielzeugdrohnen unterscheidet sich ein Wingcopter vor allem dadurch, dass jede flugkritische Komponente mindestens doppelt ausgeführt ist.

Golem.de: Fliegen eigentlich alle Ihre Drohnen autonom?

Hesselbarth: Autonom heißt nicht gleich autonom. Im Prinzip fliegen unsere Drohnen aktuell einfach vorprogrammierte Routen ab, die der Pilot vorgibt. Sollte etwas Unvorhersehbares auftreten, übernimmt der Pilot und steuert die Drohne direkt, etwa für ein Ausweichmanöver. Dies soll in Zukunft von der Drohne vollautonom selbst gemacht werden, so dass der eigentliche Pilot nicht mehr eingreifen muss. An dieser Form der Autonomie arbeiten wir gerade.

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Golem.de: Wie unterscheidet sich die Technik hinter selbstfliegenden Drohnen von der Technik des autonomen Fahrens?

Hesselbarth: Tatsächlich nicht wesentlich. Ich würde sagen, der Hauptunterschied ist der, dass in der Luft aktuell noch deutlich weniger los ist.

Golem.de: Wenn die Drohnen von selbst ausweichen sollen: Wie gehen Sie bei der Entwicklung von Hindernis-Detection mit KI-Kameras vor und was sind die Hürden?

Hesselbarth: Die Schlüssel zu einer funktionierenden KI-Kamera-Hinderniserkennung sind einmal viele gute Trainingsdaten sowie das richtige künstliche neuronale Netz zum maschinellen Lernen und Verarbeiten dieser Trainingsdaten. Eine Hürde ist sicherlich, dass es für Drohnen noch nicht so viele Datasets gibt, mit denen man die KI trainieren könnte. Daher liegt unser Schwerpunkt aktuell auf der Trainingsdatenerstellung.

Golem.de: Wie stellt die Drohne noch sicher, dass es keine Zusammenstöße mit anderen Flugobjekten gibt?

Hesselbarth: Aktuell noch dadurch, dass wir mit den Kontrollbehörden sehr eng zusammenarbeiten und wir die Positionen der Drohne mit den Positionen der anderen Luftraumteilnehmer austauschen. So wissen andere, wo unsere Drohnen fliegen, und wir wissen, wo sich aktuell andere Luftraumteilnehmer befinden, welche wir dann auch aktiv umfliegen können. Langfristig wird unser Sense-and-Avoid-Modul diese Funktion des Austauschens eigener sowie anderer Positionen inklusive des Erkennens dieser übernehmen und dann auch selbständig Ausweichmanöver durchführen.

Golem.de: Erzählen Sie bitte etwas mehr über die Technik hinter dieser Datensammel- und Mapping-Funktion der Wingcopter.

Hesselbarth: Der Wingcopter erfasst zum einen in jeder Komponente viele Daten, aber auch von seiner Umgebung. Die Daten der Komponenten werden zukünftig vor allem für prädiktive Instandhaltung oder im Falle von bereits eingetretenen Problemen zur Fehleruntersuchung verwendet. Die Daten der Umgebung hingegen können mit Hilfe bestimmter Software-Tools zu zentimetergenauen Karten zusammengefügt werden. Dabei achten wir penibel auf Datenschutz und Privatsphäre.

DJI Mavic 3 - Camera Drone

Golem.de: Was ist die größte technische Herausforderung im Drohnen-Bereich 2022?

Hesselbarth: Wir streben gerade die Zertifizierung unserer Drohne in den USA an, in der es um den Nachweis geht, dass sie absolut sicher im kommerziellen BVLOS-Bereich eingesetzt werden kann.

Golem.de: Wingcopter hat vergangenes Jahr unter anderem zu diesem Zweck 18 Millionen Euro Finanzierung erhalten. Welche technischen Hürden können damit angegangen werden?

Hesselbarth: Das Investment hat uns enorm geholfen, unser Software- und AI-Team auszubauen, um das Thema Detect-and-Avoid schneller vorantreiben zu können. Außerdem konnten wir mit den finanziellen Mitteln ein innovatives Produktionsverfahren mit Prepreg, also vorimprägnierten Fasern, für besonders leichte Konstruktionen inklusive Teilautomatisierung durch einen Kuka-Roboter in unserer Produktionsstätte in Weiterstadt umsetzen.

Golem.de: Seien Sie einmal ganz verrückt: Wie sieht die perfekte Drohne im Jahr 2080 aus?

Hesselbarth: Die perfekte Drohne in 2080 würde mich überall, wo ich gerade hin möchte, per Sprachfunktion autonom hinfliegen.

  • Jonathan Hesselbarth und der Wingcopter 178 (Bild: Wingcopter)
  • Es ist schon eine Weile her, dass Hesselbarth selbst programmiert hat. Solange er beim Beschreiben der Zusammenhänge von Software-Features oder bei einer Fehlersuche helfen könne, vermisst er es aber nicht, sagt er. (Bild: Wingcopter)
Es ist schon eine Weile her, dass Hesselbarth selbst programmiert hat. Solange er beim Beschreiben der Zusammenhänge von Software-Features oder bei einer Fehlersuche helfen könne, vermisst er es aber nicht, sagt er. (Bild: Wingcopter)

Golem.de: Sie suchen laut Webseite gerade Verstärkung im Team. Unter unseren Lesern sind Top-Programmierer und IT-Spezialisten. Wie können Sie sie für sich gewinnen? Was zeichnet Ihr Entwicklungsteam aus?

Hesselbarth: Ich glaube, als Unternehmen überzeugen wir durch unsere Vision, mit unserer Technologie Leben weltweit zu verbessern und zu retten. Unser Entwicklungsteam zeichnet vor allem der Wille aus, die Luftfahrt zu revolutionieren und dabei gleichzeitig Gutes in der Welt zu bewirken.

Golem.de: Müssen die Mitarbeiter vor Ort sein oder bieten Sie Remote-Arbeit an?

Hesselbarth: Offiziell haben wir im Engineering die Regel, dass man pro Monat mindestens drei Tage im Office sein sollte. Darüber hinaus kann jeder selbst entscheiden, ob er oder sie lieber im Büro oder von zu Hause aus arbeitet.

Golem.de: Könnten Sie mal ein typisches IT-Bewerbungsgespräch bei Wingcopter beschreiben? Gibt es zum Beispiel Live-Coding?

Hesselbarth: Wir haben Coding-Aufgaben, ja. In der Regel gibt es zwei bis drei Runden. Beim Kennenlernen der Bewerber mag ich spontane Fragen, auf die man nicht unbedingt vorbereitet ist. So kann man gut ein Gefühl dafür bekommen, wie jemand mit Neuem, Unerwartetem umgeht.

Golem.de: Wie wichtig ist Ihnen bei Bewerbern der Abschluss? Muss es ein Master sein oder ist ein Kandidat mit Bachelor oder ohne Abschluss auch geeignet, wenn das Know-how stimmt?

Hesselbarth: Der Abschluss ist gar nicht wichtig. Wir haben super Entwickler, die keinen Abschluss haben und welche mit Bachelor, Master oder Ph.D. Ich habe bisher auch noch nie ein Zeugnis angesehen. Viel spannender finde ich, was jemand bisher schon gemacht hat, ob beruflich oder nebenher, wie er Probleme löst und wie tief sein Verständnis der Materie ist.

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 Schutz vor Hacks, Schutz vor Abstürzen der DrohnenWas ist Wingcopter bei Bewerbern wichtig? 
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ElMario 17. Mär 2022

*kwT*

Elpe 15. Mär 2022

Spracheingabe ist langsamer, unpräziser (Dialekt, Akzente, Hintergrundlärm etc.) und der...

spitfire_ch 04. Mär 2022

What could possibly go wrong ;) Siehe auch Michael Crichtons "Prey".

.02 Cents 04. Mär 2022

an all das Gerede, was diese Drohnen nicht alles können sollten? Vor gar nicht so vielen...



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