Schutz vor Hacks, Schutz vor Abstürzen der Drohnen

Golem.de: Was war Ihr schönster, was Ihr schlimmster Tag als CTO?

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Hesselbarth: Der schönste Tag als CTO war in Vanuatu, einer abgelegenen Inselgruppe in der Südsee, als wir unsere erste BVLOS-Erlaubnis für ein mehrmonatiges Impfstoff-Lieferprojekt mit Unicef bekommen haben. Der schlimmste Tag war wohl der ein paar Tage davor, als technische Probleme das ganze Projekt in Frage stellten. Zum Glück haben wir sie rechtzeitig gelöst bekommen.

Golem.de: Was bedeutet BVLOS?

Hesselbarth: BVLOS steht für "Beyond Visual Line Of Sight", auf Deutsch "außerhalb der Sichtweite". Da man die Drohne nicht sieht, ist die Herausforderung, trotzdem sicherzustellen, dass sie zu keiner Zeit jemanden gefährdet, weder in der Luft noch am Boden. Vieles kann man über die Operations abdecken und zum Beispiel Lufträume sperren oder auch Routen über unbebautes Gebiet wählen.

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Allerdings sind dies keine Lösungen für regelmäßige Flüge. Daher arbeiten wir aktiv an unseren KI-Lösungen für Hinderniserkennung in der Luft sowie am Boden. Hier sehen wir klar den Schlüssel für einen sicheren Betrieb von Drohnen auch außerhalb der Sichtweite.

Golem.de: Ihre Drohnen sind laut Webseite in erster Linie für die Lieferung von Medizinprodukten in schwer zugängliche Gebiete gedacht. Was ist die technische Herausforderung dabei - etwa, wenn man an lange Strecken, Hitze und Sicherheit denkt?

Hesselbarth: Die größte Herausforderung ist, das System für alle möglichen Bedingungen wie starken Wind, Regen, hohe Temperaturen oder geringe Luftdichte bei gleichzeitig hoher Zuladung genau auszulegen und dann auch die Grenzen inklusive aller Sicherheitsfaktoren klar zu definieren. Wetter verhält sich nicht immer wie erwartet, und es beruhigt, wenn man weiß, dass selbst bei einer unerwarteten Sturmfront das System dank der ausgelegten Sicherheitsreserven noch sicher nach Hause kommt.

Golem.de: Wie sind Sie diesen Herausforderungen technisch begegnet?

Hesselbarth: Dadurch, dass wir über Jahre unser System weltweit an den unterschiedlichsten Orten eingesetzt haben, haben wir sehr viel dazugelernt. Seien es salzige Luft, die ICs (integrierte Schaltkreise) auf Platinen angreift, Minustemperaturen in der Arktis, die nur durch unterschiedliche Wärmeausdehnungskoeffizienten Gelenke verklemmen lässt, oder Staub in Dubai - so etwas lässt sich nicht simulieren.

DJI Mavic 3 - Camera Drone

Golem.de: Da muss man also noch viel Hand anlegen und situationsbedingt optimieren - arbeiten Sie noch selbst direkt an den Drohnen?

Hesselbarth: Früher habe ich auch selbst den Code für die Drohne auf Open-Source-Software basierend angepasst. Es ist schon eine Weile her, dass ich zuletzt eine Zeile programmiert habe. Solange ich beim Beschreiben der Zusammenhänge von Software-Features oder bei einer Fehlersuche helfen kann, vermisse ich es auch nicht. Mittlerweile haben wir ein großes Team, das sich die Arbeiten aufteilt. Und dann gibt es natürlich viele Testflug-Szenarien.

Wenn die Drohne abstürzt

Golem.de: Wie sieht so ein Testflug-Szenario aus?

Hesselbarth: Wir testen verschiedenste Dinge. Manchmal neue Software-Features oder Verbesserungen in der Flugregelung, manchmal neue Payload- oder Hardware-Komponenten. Hierfür werden Test Carts vorbereitet, die beschreiben, was wie genau getestet werden soll. Zusammen mit unserem Flight-Testing-Team werden dann die Tests durchgeführt. Je nachdem, was ansteht, sind auch oft mehrere Teams gleichzeitig am Fliegen. Den Flight-Teams stehen verschiedene Felder und Modellflugplätze im Umkreis von Darmstadt zur Verfügung, so dass wir so effizient wie möglich parallel arbeiten können.

Besonders spannend finde ich aktuell, dass in unserem neuen Wingcopter alle Komponenten miteinander mindestens über CAN (Controller Area Network) verbunden sind und wir dadurch unterschiedlichste Messwerte von allen Komponenten aufzeichnen. Die hierdurch immer wieder neuen Erkenntnisse über Zusammenhänge und Eigenschaften in einem komplett neuen Luftfahrtbereich zu sammeln, macht mir besonders Spaß.

Golem.de: Wie ist es, eine der Drohnen bei Tests abstürzen zu sehen? Blutet einem nicht das Herz bei all der teuren Technik?

Hesselbarth: Tatsächlich ist es bei mir schon eine Weile her, dass vor meinen Augen ein Wingcopter abgestürzt ist - einmal auf Holz klopfen! Früher hat definitiv der finanzielle Schaden am meisten wehgetan. Heute habe ich mehr Angst vor einem Fehler, den man nicht so schnell findet und der dadurch das ganze Testprogramm aufhalten kann. Der finanzielle Verlust durch Verzögerungen in der Entwicklung ist deutlich höher als der Materialwert einer einzelnen Drohne.

  • Jonathan Hesselbarth und der Wingcopter 178 (Bild: Wingcopter)
  • Es ist schon eine Weile her, dass Hesselbarth selbst programmiert hat. Solange er beim Beschreiben der Zusammenhänge von Software-Features oder bei einer Fehlersuche helfen könne, vermisst er es aber nicht, sagt er. (Bild: Wingcopter)
Jonathan Hesselbarth und der Wingcopter 178 (Bild: Wingcopter)

Golem.de: Was passiert, wenn eine der Drohnen nicht beim Testflug, sondern in freier Wildbahn abstürzt oder abgeschossen wird?

Hesselbarth: Ich hoffe mal nicht, dass unsere Drohne, die dringend benötigte Güter transportiert, jemanden so arg stört, dass er sie abschießen will. Im extrem unwahrscheinlichen Fall eines Absturzes wissen wir dank unserer redundanten Telemetrie (LTE/5G und Satellitenkommunikation) immer sehr genau, wo die Drohne zuletzt gewesen sein muss. So könnte sie sehr schnell gefunden und geborgen werden. Für uns ist es bei einem Unfall sehr wichtig, alles im Detail zu untersuchen, um so die genaue Unfallursache identifizieren zu können.

Golem.de: Wie sieht es mit Diebstahlschutz aus?

Hesselbarth: Den gibt es natürlich, aber den verrate ich hier lieber nicht!

Golem.de: Wie gehen Sie die Sicherheit technisch an - zum Beispiel den Schutz vor Hacks, die selbstfliegende Drohnen zu Waffen machen können?

Hesselbarth: Unsere Kommunikation ist komplett verschlüsselt. Gleichzeitig haben wir in der Drohne selbst auch mehrere Sicherheitsmechanismen, sollte doch jemand mal die Drohne irgendwie beeinflussen können.

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 CTO von Wingcopter: "Die perfekte Drohne würde mich per Sprachfunktion fliegen"Unterschiede zu Spielzeugdrohnen und autonomem Fahren 
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ElMario 17. Mär 2022

*kwT*

Elpe 15. Mär 2022

Spracheingabe ist langsamer, unpräziser (Dialekt, Akzente, Hintergrundlärm etc.) und der...

spitfire_ch 04. Mär 2022

What could possibly go wrong ;) Siehe auch Michael Crichtons "Prey".

.02 Cents 04. Mär 2022

an all das Gerede, was diese Drohnen nicht alles können sollten? Vor gar nicht so vielen...



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