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Tomb Raider: "Heute werden selbst feinste Gesichtsausdrücke erfasst"

Summer Game Fest 2026
Lara-Croft-Schauspielerin Alix Wilton Regan spricht über Performance Capture, körperliches Training und die Arbeit der Animatoren.
/ Peter Steinlechner
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Alix Wilton Regan beim Interview mit Golem (Bild: Peter Steinlechner / Golem)
Alix Wilton Regan beim Interview mit Golem Bild: Peter Steinlechner / Golem
Inhalt
  1. Tomb Raider: "Heute werden selbst feinste Gesichtsausdrücke erfasst"

Die britische Schauspielerin Alix Wilton Regan ist vor allem durch ihre Arbeit in Computerspielen bekannt. Geradezu gefeiert wurde sie für die Sprachausgabe der weiblichen Inquisitorin in Dragon Age Inquisition.

Ebenfalls vertont hat sie Samantha Traynor in Mass Effect 3, Aya in Assassin's Creed Origins, Sebille in Divinity – Original Sin 2 sowie Alt Cunningham in Cyberpunk 2077.

Für die kommenden Tomb-Raider-Spiele übernimmt Regan die Rolle von Lara Croft. Die Darstellerin arbeitet seit vielen Jahren mit Performance Capture und Motion Capture und gehört zu den erfahrensten Schauspielerinnen in diesem Bereich.

Im Gespräch mit Golem während des Summer Game Fests 2026 spricht sie über den aufwendigen Castingprozess, körperliches Training für Lara Croft, moderne Performance-Capture-Technik und ihren Einfluss auf die Darstellung der berühmten Abenteurerin.

Golem: Bist du mit Tomb Raider aufgewachsen? Und was hat Lara Croft für dich bedeutet, bevor du selbst Teil der Reihe geworden bist?

Regan: Lara Croft ist in Großbritannien eine kulturelle Ikone. Wenn man dort aufwächst, kennt man Lara Croft ungefähr so selbstverständlich wie die Beatles oder Kate Moss.

Meine erste Erinnerung an Tomb Raider ist, dass ich als sehr junges Mädchen jemandem beim Spielen zugesehen habe – viel zu jung, um selbst zu spielen. Was mir damals sofort aufgefallen ist: Da lief eine Frau über den Bildschirm.

Das war etwas Besonderes. Es war nicht Mario oder Donkey Kong. Weibliche Hauptfiguren waren damals einfach deutlich seltener. Deshalb ist mir Lara Croft im Gedächtnis geblieben.

Gespielt habe ich die Reihe allerdings erst später. Unsere erste Konsole war ein Game Boy, lange bevor wir eine Playstation hatten.

Golem: Wie lief das Casting für Lara Croft ab? War das ein klassisches Vorsprechen?

Regan: Das Casting begann, als ich gerade im Urlaub in Italien war. Ich bekam die Anfrage und habe ein erstes Vorsprechen aufgenommen. Danach folgten noch vier weitere Castingrunden über einen Zeitraum von etwa acht Monaten.

Der Prozess begann im August 2022 und endete im Februar 2023, als ich schließlich das Angebot bekam. Die Aufnahmen starteten im April 2023. Es war ein langer Weg, aber jede einzelne Runde war es wert.

Golem: Unterscheidet sich ein Performance-Capture-Casting von einem klassischen Schauspielcasting?

Regan: Ich beschreibe Performance Capture oft als eine Mischung aus Theater und Film. Das Team war über die ganze Welt verteilt, deshalb fanden die Castings über Zoom statt.

Ich habe jedes Mal mein komplettes Wohnzimmer umgeräumt, Möbel verschoben und große Scheinwerfer aufgebaut, damit genug Platz für die Performance vorhanden war. Zum Glück hat sich der Aufwand gelohnt.

Golem: Lara Croft ist eine extrem körperliche Figur. Musstest du dich speziell auf die Rolle vorbereiten?

Regan: Vorgeschrieben wurde mir nichts. Die Produzenten haben lediglich gesagt: "Wenn du etwas machen möchtest, nur zu."

Ich habe daraufhin mein Krafttraining auf drei bis vier Einheiten pro Woche erhöht. Laufen gehörte ohnehin schon zu meinem Alltag. Außerdem bin ich zum Boxen zurückgekehrt. Als Teenager und in meinen Zwanzigern habe ich intensiv geboxt. Damals hatte ich sogar den Spitznamen "Venom".

Für Lara wollte ich wieder an diese Seite von mir anknüpfen. Auf der Performance-Capture-Bühne habe ich außerdem viel Training mit Waffen absolviert, insbesondere mit den Doppelpistolen. Dazu kommen Stürze, Rollen, Grappling-Techniken und einige Wrestling-ähnliche Bewegungen.

Für die wirklich spektakulären Dinge habe ich allerdings fantastische Stunt-Doubles. Die übernehmen die Backflips, Handstände und andere akrobatische Höchstleistungen.

Golem: Performance Capture hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Was hat sich aus deiner Sicht am meisten verändert?

Regan: Ich glaube, dass die Branche heute viel besser versteht, was Performance Capture eigentlich ist.

Produzenten kennen die Anforderungen inzwischen deutlich besser. Wenn man heute beispielsweise eine intime Szene dreht, gibt es häufig einen Intimacy Coordinator. Auch im Stuntbereich sind Sicherheitsstandards und Arbeitsbedingungen deutlich besser geworden.

Außerdem versteht inzwischen auch die Öffentlichkeit, was wir tun. Filme wie Avatar haben dazu beigetragen. Wenn mich heute jemand fragt, was ich eigentlich mache, sage ich meist: "Kennst du Andy Serkis als Gollum? Das ist im Grunde mein Job."

Golem: Wie viel von Laras Bewegungen stammt tatsächlich von dir und wie viel wird später von Animatoren ergänzt?

Regan: Alles, was man in den Zwischensequenzen sieht, stammt zunächst einmal von mir.

Natürlich verfeinern die Animatoren manche Bewegungen später noch. Ein gutes Beispiel sind die Doppelpistolen. Ich habe dafür Training bekommen, aber kein wochenlanges Bootcamp absolviert.

Ich spiele die Szene also so gut wie möglich. Danach können die Animatoren bestimmte Bewegungen noch etwas bereinigen. Manchmal bewege ich mich schließlich mit der Eleganz eines gerade erst geborenen Elefanten. Aber die Grundlage und die gesamte körperliche Performance stammen von mir.

Golem:: Wie läuft der Produktionsprozess ab? Werden zuerst die Stimmen aufgenommen oder zuerst die Bewegungen?

Regan: Zuerst entsteht die komplette Performance-Capture-Aufnahme. Die gesamte Szene wird körperlich gespielt und aufgezeichnet.

Anschließend folgen gegebenenfalls ADR-Aufnahmen, also nachträgliche Dialogaufnahmen wie in Film und Fernsehen. Wenn eine Zeile nicht perfekt funktioniert hat oder später ergänzt werden muss, wird sie erneut aufgenommen.

Daneben gibt es klassische Sprachaufnahmen für Gameplay-Elemente. Wenn Lara beispielsweise einen Hinweis bei einem Rätsel gibt oder auf etwas in der Umgebung reagiert, wird das oft separat aufgenommen. Die filmischen Szenen entstehen aber zuerst auf der Performance-Capture-Bühne.

Golem: Nimmt Tomb Raider aktuell den Großteil deiner Arbeitszeit ein?

Regan: Wir arbeiten mit voller Kraft an der Produktion von Tomb Raider – Legacy of Atlantis und Tomb Raider – Catalyst. Das bedeutet viele Stunden im Studio. Ich bin mindestens zwei- bis dreimal pro Woche bei Aufnahmen.

Golem: Durchgehend?

Regan: Ja. Wir entwickeln schließlich zwei Spiele gleichzeitig. Entsprechend hoch ist das Arbeitsaufkommen. Die Performance-Capture-Aufnahmen finden in Los Angeles statt. Die meisten Sprachaufnahmen entstehen in London, wo ich lebe. Wenn ich allerdings ohnehin für Performance Capture in Los Angeles bin, kombinieren wir das häufig mit zusätzlichen Aufnahmen vor Ort.

Golem: Wie viel Einfluss hast du als Schauspielerin auf die Darstellung von Lara Croft?

Regan: Das Team hatte eine sehr klare Vorstellung davon, wen es für Lara Croft besetzen wollte. Viele der Entwickler sind selbst Spieler und kannten meine Arbeit aus anderen Spielen bereits sehr gut.

Sie wollten mich aber nicht nur wegen meiner bisherigen Rollen. Sie wollten auch meine Ideen, Interpretationen und Vorschläge. Deshalb gab es viele kreative Besprechungen, in denen wir gemeinsam an der Figur gearbeitet haben.

Das könnte das kollaborativste Videospiel sein, an dem ich jemals gearbeitet habe. Die Zusammenarbeit zieht sich durch alle Abteilungen. Wenn man mit Menschen arbeitet, die offen für Ideen sind, verbessert das die Qualität des Endprodukts immer. Ohne Ausnahme.

Golem: Was überrascht Menschen am meisten, die noch nie Performance Capture in Aktion gesehen haben?

Regan: Wie präzise die Technik mittlerweile ist. Viele Menschen glauben, dass die Figur später stark verändert wird. Dabei werden heute selbst kleinste Gesichtsausdrücke und Mikroreaktionen erfasst.

Was man später auf dem Bildschirm sieht, entspricht oft sehr genau der Leistung, die ich auf der Bühne erbracht habe. Die Leute unterschätzen manchmal, wie viel davon tatsächlich direkt vom Schauspieler stammt. Backflips und Handstände überlasse ich allerdings den Stunt-Doubles. Das konnte ich schon als Kind nicht.

Golem: Hast du eigentlich schon einmal eine deiner berühmten Vorgängerinnen getroffen? Zum Beispiel Angelina Jolie?

Regan: Angelina Jolie habe ich leider noch nie getroffen. Das würde ich aber sehr gerne. Mit Sophie Turner habe ich Kontakt. Wir kennen uns privat und haben uns bereits ein paar Nachrichten zu dem Thema geschrieben.


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