Interview auf Youtube: Merkel verteidigt Ziel von 1 Million Elektroautos bis 2020

Trotz schleppender Verkäufe hält es Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht für ausgeschlossen, dass bis 2020 eine Million Elektroautos in Deutschland angemeldet sein werden. Auf die Frage des Youtubers Alexander Böhm (Alexibexi), ob Merkel diese Ankündigung zurückgezogen habe, sagte die Kanzlerin am Mittwoch: "Die habe ich nicht zurückgezogen. Ich habe nur gesagt, wir müssen mehr tun. Die werden wir so einfach nicht schaffen." Mitte Mai dieses Jahres soll Merkel jedoch gesagt haben : "So, wie es im Moment aussieht, werden wir dieses Ziel nicht erreichen."
Bereits am vergangenen Freitag hatte Regierungssprecher Steffen Seibert sich ähnlich geäußert und gesagt(öffnet im neuen Fenster) : "Die Bundesregierung steht zu diesem Ziel. Sie wird alle Kraft dafür einsetzen, um die Akzeptanz der Elektromobilität noch weiter zu stärken. Wie wir vorhin schon gesagt haben, wird es auch noch weiterer kräftiger Anstrengungen der Industrie bedürfen."
Treffen mit Kommunen am 4. September
Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes(öffnet im neuen Fenster) waren zu Jahresbeginn etwa 34.000 vollelektrische und 165.405 Hybridautos registriert. Der damalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte im Januar 2017 das Ziel ebenfalls als unrealistisch bezeichnet und gesagt: "Wenn wir nicht noch die Fahrräder dazuzählen, werden wir nicht mal auf die Hälfte kommen. Ich rate zu ein bisschen mehr Realismus."
In dem Interview kündigt Merkel an, sich am 4. September 2017 mit Vertretern von Kommunen zu treffen, die besonders stark von hoher Stickstoffbelastung betroffen seien. Sie werde mit den Städten darüber reden, "wie man aus denen, die heute Umweltprobleme haben, vielleicht die Städte macht, die die besten sein werden" . Dazu könne man die Ladeinfrastruktur beispielsweise in Parkhäusern und beim Arbeitgeber verbessern. Viele Menschen hätten Angst, "dass sie zwar von zu Hause wegkommen, aber nicht wieder zurück" . Die Politik müsse nun sehr viel Druck machen, dass die deutsche Autoindustrie in diesem Bereich besser werde.
Programmieren als Grundfähigkeit
In diesem Zusammenhang könne sie kein kostenloses Aufladen von Elektroautos versprechen, sagte Merkel. Eine Quote für Elektroautos, wie sie SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz gefordert hatte , lehnte sie ein weiteres Mal ab. "Wie soll man das exekutieren?" , fragte die Kanzlerin. Schließlich könne niemandem der Kauf eines Verbrennerautos verboten werden, wenn die Quote nicht erreicht würde. Allerdings versprach Merkel, die angepeilte Quote von zehn Prozent Elektroautos im Fuhrpark des Bundes mit mehr Nachdruck umzusetzen. "Wir können nicht für die Öffentlichkeit Vorgaben machen und sie selber nicht einhalten" , sagte die Kanzlerin, die aus Mangel an gepanzerten Elektroautos selbst nicht auf einen emissionsfreien Antrieb umsteigen kann.
Neben Böhm hatten drei weitere Youtuber Gelegenheit(öffnet im neuen Fenster) , eine Viertelstunde lang Fragen an die Regierungschefin und CDU-Spitzenkandidatin zu stellen. Dabei fragte die Kölnerin Lisa Sophie alias ItsColeslaw, welche drei Dinge Jugendliche nach Ansicht Merkels nach der Schule auf jeden Fall können sollten. Die Antwort der Kanzlerin: "Da würde ich erstmal sagen: Rechnen, schreiben, lesen und inzwischen vielleicht auch programmieren." Das Wichtigste sei aber, dass man sich selbst auch etwas erarbeiten könne.
Auf die Frage nach ihrem Lieblings-Emoji antwortete Merkel ebenfalls nicht besonders originell: "Smiley, und wenn's gut kommt, noch ein kleines Herzchen dran. Und wenn mal etwas nicht so Gutes war, kann man auch die Schnute geben." Für Letzteres dürfte es nach der einstündigen Befragung durch die Youtuber sicher keinen Grund gegeben haben.



