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Interview Ancestors: "Ein Speedrun unserer Evolution dauert 5 Stunden"

Der Spielentwickler Patrice Désilets gilt als ein Erfinder der Serie Assassin's Creed, jetzt arbeitet er an Ancestors: The Humankind Odyssey. Golem.de hat mit ihm über das Spiel und die Evolution gesprochen - und über den Epic Games Store.

Artikel veröffentlicht am ,
Patrice Désilets beim Interview während der E3 2019 in Los Angeles
Patrice Désilets beim Interview während der E3 2019 in Los Angeles (Bild: Peter Steinlechner/Golem.de)

Der aus Kanada stammende Spielentwickler Patrice Désilets hat lange bei Ubisoft gearbeitet. Dort war er unter anderem an der Produktion von Rainbow Six 3 und an Prince of Persia beteiligt, vor allem aber gilt er als einer der Erfinder der Reihe Assassin's Creed. Im Jahr 2011 hatte Désilets bei Ubisoft gekündigt, es folgte ein längerer Rechtsstreit - über den weder der Entwickler noch Ubisoft heute sprechen. Seit 2014 arbeitet Désilets mit seinem eigenen Studio Panache Digital Games in Montreal an Ancestors: The Humankind Odyssey, das Ende August 2019 für Windows-PC, Xbox One und Playstation 4 erscheinen soll.

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Golem.de: Interessieren Sie sich besonders für die Evolutionsgeschichte, oder woher kam die Idee für Ancestors?

Patrice Désilets: Eine meiner ersten Kindheitserinnerungen ist, wie ich im Fernsehen eine Dokumentation über Höhlenmenschen angeschaut habe, auf einem Schwarz-Weiß-TV. Ich muss vier oder fünf Jahre alt gewesen sein, und bin darüber eingeschlafen. Seitdem hat mich das immer ein bisschen begleitet.

Aber die eigentliche Idee für Ancestors war schlicht, dass wir nach der Gründung von Panache Digital Games eine Idee für unser erstes Werk gebraucht haben. Mir war klar, dass ich ein Action-Adventure in einer offenen Welt mit Third-Person-Perspektive machen möchte. Dafür braucht man eine Hauptfigur, die mit der Welt interagieren kann. Zuerst war mir das Szenario gar nicht so wichtig, aber im Gespräch mit Investoren habe ich schnell zu hören bekommen: "Hey, du bist doch der Geschichtstyp". Die wollten eine Epoche wie in einem Assassin's Creed, und ich sollte eine aussuchen.

Ich habe dann überlegt und mir gesagt, nimmst du halt ein prähistorisches Szenario, dann ist das relativ gesehen einfacher, weil ich eine Hauptfigur und eine Welt habe, aber keine Städte und Zivilisationen, keine Waffen und Schiffe benötige. Erst etwas später ist mir dann aufgefallen, dass ich Afrika nachbauen muss.

Außerdem habe ich mir gesagt, dass ich nicht so ein Ding mit 10.000 Jahren vor Christus oder so machen möchte, sondern ganz an den Anfang gehe. Das hat noch niemand probiert. Als Film wäre das nicht so spannend, aber als Spiel ist es klasse, weil sich die Struktur eines Spiels und die Struktur der Evolution gleichen - so verrückt das auch klingen mag. Unser Anfang ist jetzt der Moment, in dem ein Affe vom Baum klettert und aufsteht.

Golem.de: Mussten Sie sich bei der Produktion von Ancesters entscheiden, ob der Affe immer ein Tier bleibt? Oder gibt es diesen magischen Moment wie in Stanley Kubricks 2001, in dem er so etwas wie ein höheres Wesen wird?

Désilets: Man spielt verschiedene Spezies, aber primär das sogenannte Missing Link. Also, extrem vereinfacht, das fehlende Bindeglied zwischen Primat und Mensch - für das es bislang keine Fossilienfunde gibt. Dann entwickelt man sich allmählich hin zu den ganz frühen Formen der Vorläufer von Menschen. Am Ende spielt man dann Verwandte von Lucy, also die rund 3,2 Millionen Jahre alten Vormenschen.

Einen konkreten Moment, an dem die Hauptfigur zu so etwas wie einem Menschen wird, habe ich bewusst nicht ausgewählt. Diese Entscheidung überlasse ich dem Spieler.

Golem.de: Als Gamedesigner haben Sie durch solche Entscheidungen - auch durch das Weglassen - unter Umständen ganz schön starken Einfluss, etwa auf jüngere Spieler, deren Weltbild dadurch mitgeprägt werden könnte. Nehmen Sie das so wahr, als Verantwortung?

Désilets: Was das mit der Verantwortung angeht, bin ich mir nicht sicher. Für mich ist klar, dass wir Tiere sind, möglicherweise spezielle. Ich finde es auch erstaunlich, dass viele frühe Evolutionsstufen beispielsweise ein kleines Gehirn hatten, aber schon Ansätze von Zivilisation und Kultur. Ich stelle dem Homo Sapiens, also dem Spieler, aber nur die Frage: Bist du so schlau wie dein Vorgänger und überlebst?

Golem.de: Haben Sie sich für die Recherche mit Affen beschäftigt?

Désilets: Nicht unbedingt. Ich war mal in Paris im Zoo und habe die Tiere ein paar Stunden lang beobachtet. Das ist faszinierend, nur geht es in Ancestors ja gar nicht so sehr um Affen, sondern eben um das fehlende Bindeglied. Außerdem habe ich Bücher gelesen und mir jeden Film zum Thema angeschaut.

Nur ist dieser wissenschaftliche Ansatz auch ein bisschen langweilig, und meine wahre Verantwortung ist es, für Spaß zu sorgen. Deshalb habe ich all das angehäufte Wissen vergessen, sobald wir mit der Entwicklung richtig begonnen hatten. Dann ging es darum, dass der Spieler seinen eigenen Weg gehen kann und das spannend findet, statt nur meinem Wissen zu folgen.

Wir haben uns auch ein paar Freiheiten genommen. Wie man inzwischen annimmt, ist die echte Lucy gestorben, nachdem sie von einem Baum gefallen oder gestolpert ist. Das ist nicht besonders aufregend, leider.

Golem.de: Ancestors soll sehr viel Umfang bieten, 40 bis 50 Stunden. Müssen Spiele heutzutage so lang sein?

Désilets: Das Schöne ist, dass Ancestors gleichzeitig sehr lang und nicht sehr lang ist. Einer unserer Tester hat es in fünf Stunden durchgespielt. Ein Speedrun unserer Evolution dauert also nur kurz, wenn man sich extrem beeilt. Aber wenn man ein normales Tempo anlegt und wenn man sich ein bisschen in der Welt verliert, dann geht es auch gar nicht so sehr um das Erreichen des Finales.

Das alles ist noch ein bisschen komplexer, wir haben etwa keine klassischen "Bringe oder hole dies oder das"-Missionen. Dafür haben wir enorm viel Wert darauf gelegt, dass das schlichte Bewegen durch die Welt so viel Spaß macht wie nur möglich.

Golem.de: Aus der Spielerszene gab es Kritik, weil die PC-Version von Ancestors zeitexklusiv im Epic Games Store erscheint. Trifft Sie das?

Désilets: Ich hoffe sehr, dass wir keinen neuen Konsolenkrieg in dieser Art bekommen. Bei unserem Spiel gab es zum Glück keine Proteste, weil wir noch keine Community haben. Ich habe nur eine einzige Nachricht von einem Gamer bekommen, der sich auf Steam beschwert hat - aber spielen will er Ancestors trotzdem.

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Peter Brülls 30. Sep 2019

Dann schreib doch Dein eigenes Spiel. Ich habe allmählich keinen Bock mehr auf das...

XTF 26. Jun 2019

Steam Mehrwert bezahlen, ja. Epic Fail Store hat mich zum nachdenken gebracht, ja. Weil...

slemme 25. Jun 2019

Kein so tolles Argument, Speedrunning and stuff. Sobald du weißt was genau du zu tun...

slemme 25. Jun 2019

Inwiefern hat Steam denn bitteschön DRM etabliert? DRM gibt es in verschiedenen Formen...

xxsblack 25. Jun 2019

Es gibt Preview Let's Plays, schaue dir davon eines an und dann wirst du dennoch bei...


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