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Atari macht das Rennen

Der US-Konzern hatte nicht nur Zugriff auf eine wesentlich prestigeträchtigere Bibliothek an Spielen, sondern auch ein höheres Marketingbudget, einen weltweiten Vertrieb und einen spielhallenbekannten Namen. Interton hingegen orientierte sich(öffnet im neuen Fenster) mit wenig Erfolg auf die europäischen Absatzmärkte wie Österreich, Spanien und Frankreich.

Eine weitere Einnahmequelle sollten Sublizenzen für das System werden. Für Grundig entwarf man eine Superplay Computer getaufte Konsole. Sie funktionierte ausschließlich an Fernsehern des deutschen Herstellers und war voll kompatibel zum VC 4000. Der kurz vor der Insolvenz stehende Radiohersteller Körting(öffnet im neuen Fenster) brachte auch noch ein VC 4000 unter eigenem Namen heraus.

Interton schlingerte mit lediglich elf exklusiv für das System entwickelten Spielen in die 1980er Jahre. Auch der Rest der Bibliothek war mit insgesamt unter 40 Titeln nicht mehr konkurrenzfähig.

Interton zieht den Stecker

So klang es ein bisschen wie das Pfeifen im Walde, als Hellmuth Türk, Gründer und Firmenchef von Interton, in einem Gespräch mit der Videospielzeitschrift Telematch im Frühjahr 1983 optimistisch anmerkte, dass ein Nachfolger bereits fertiggestellt sei und man in Zukunft auch selbst Spiele für andere Systeme entwickeln wolle.

Beides passierte nie. Was hingegen geschah, war der Produktionsstopp der Spielekonsolen und eine Konzentration auf das Kerngeschäft mit den Hörgeräten.

Im Herbst 1983 schrieb Telematch: "Traurige Nachricht für Interton-Freunde: Die Kölner haben Schluß gemacht. Konkurs auf gut Deutsch. Der Ausverkauf des VC 4000 läuft."

Es war die Zeit der evolutionären Auslese auf dem Konsolenmarkt. Wer nicht mit Innovation und hochqualitativen Spielen punkten konnte, verlor gegen die immer populäreren und preiswerteren Heimcomputer.

In den folgenden Jahrzehnten geriet die Interton-Story in Vergessenheit, Tausende alte Spielekonsolen landeten auf bundesdeutschen Dachböden. Erst mit der aufkommenden Retro-Welle ab den 2000er Jahren interessierten sich alte und neue Fans wieder für dieses Stück deutscher Videospielgeschichte.

Interton VC 4000 – Golem retro_
Interton VC 4000 – Golem retro_ (09:10)

Inzwischen sind einige Homebrew-Titel erschienen. Der Programmierer Simon Augustin(öffnet im neuen Fenster) hat Flappy Bird, Canabalt, Kaboom und Tetris umgesetzt. Außerdem gibt es eine Demo(öffnet im neuen Fenster) , die eindrucksvoll zeigt, was man aus den 37 Byte RAM herausholen kann.

Die meisten Originalspiele sind wie auch die Konsole sehr preiswert auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich, es existiert inzwischen aber auch ein MultiROM-Modul(öffnet im neuen Fenster) , von dem sich sämtliche Software per SD-Karte laden lässt.

Auf Windows-PC, Amiga, Smartphone und sogar dem Gameboy Advance kann die Konsole emuliert werden(öffnet im neuen Fenster) . Eine Übersicht über alle Titel der miteinander verwandten Signetics-basierten Systeme ist auf der Webseite von Amigan Software(öffnet im neuen Fenster) zu finden.

Das VC 4000 wird wohl für immer eine Randnotiz der zweiten Videospielegeneration bleiben, aber es ist auch Zeuge der aufregenden Frühzeit des Mediums, als alles möglich schien – sogar, dass ein deutscher Hörgerätehersteller Atari die Stirn bietet.

Noch ein Wort zum Abschluss: Wir haben mit Simon Augustin eine Podcast-Folge zum VC 4000 gemacht. Der Golem-Podcast Besser Wissen kommt wöchentlich und ist auf den üblichen Plattformen zu finden(öffnet im neuen Fenster) .


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