Interoperabilität bei Messengern: Habt euch doch bitte alle lieb!

Das Europaparlament will die Interoperabilität von Instant Messaging einfordern. Klingt erstmal gut - zumindest, bis technische Hintergründe ins Spiel kommen.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Aus Nutzersicht ist es unschön, dass für jeden Dienst eine eigene App benötigt wird.
Aus Nutzersicht ist es unschön, dass für jeden Dienst eine eigene App benötigt wird. (Bild: Pixabay/Montage: Golem.de)

Neu ist die Idee zwar nicht, aber nun will das EU-Parlament sie einfordern: die Interoperabilität von Internet-Diensten wie dem Instant Messaging. Aus reiner Nutzersicht ist dieser Wunsch nachvollziehbar. Argumentiert wird meist mit einem Vergleich zur SMS und der Frage, was Nutzer wohl sagen würden, wenn sie SMS nur an Nutzer des gleichen Handy-Netzes verschicken könnten, nicht jedoch an Freunde und Bekannte, die einen anderen Anbieter haben.

Wer sich jedoch mit der Historie von SMS und deren technischen Hintergründen auskennt weiß, dass der Vergleich hinkt - und das auch noch mit beiden Beinen. Dass SMS über Netzgrenzen hinweg funktionieren, ist - zumindest historisch gesehen - genauso wenig selbstverständlich wie es offensichtlich ist, dass Instant Messaging sehr viel mehr beinhaltet als die unverschlüsselte Übertragung von zeichenbegrenzten kurzen Texten.

Aus Nutzersicht ist es dennoch unschön, dass für das Instant Messaging für jeden Dienst eine eigene App benötigt wird. Ein Dienst genügt meist nicht, weil verschiedene Gruppenchats - sei es für die Elternrunde der Schulklasse des Kindes, den Fußballverein, die Spiele-Runde, die alte Schulklasse oder die Arbeitskollegen - auf sämtliche Anbieter verteilt sind. Selbst auf die, deren AGB man eigentlich lieber nicht akzeptieren würde.

Folglich muss vor jeder Kontaktaufnahme überlegt werden, welcher der Dienste am besten oder vielleicht sogar exklusiv für eine bestimmte Person in Frage komme. Bei Bekannten, mit denen man eher selten schreibt, kann das auch mal zum Durchsuchen der Kontaktlisten mehrerer Messenger führen, bevor einer gefunden wird, der nicht erstmal eine Einladung für den Dienst verschicken will.

Nummernunabhängige zwischenmenschliche Kommunikationsdienste

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Auf politischer Ebene wird die Interoperabilität von Diensten im Internet etwas verklausuliert in den Diskussionen und Beschlüssen zum Digitale-Märkte-Gesetz (engl. Digital Markets Act/DMA) gefordert. In einer Presseerklärung zum Thema heißt es: "Die Abgeordneten haben zusätzliche Anforderungen gestellt an die (...) Interoperabilität von Diensten, z.B. nummernunabhängige zwischenmenschliche Kommunikationsdienste und Dienste sozialer Netze."

In Artikel 6 des Parlamentsvorschlags, der am Dienstag im Plenum diskutiert und über den am Mittwoch abgestimmt werden soll, heißt es zunächst, dass sich alle Anbieter nummernunabhängiger Kommunikationsdienste auf Anfrage und kostenlos mit den entsprechenden Diensten der sogenannten Torwächter (Gatekeeper) verbinden können sollen.

Die gleichen Funktionen für die Konkurrenz

Konkret wird verlangt: "Die Verbindung erfolgt unter objektiv gleichen Bedingungen und in der gleichen Qualität, wie sie dem Torwächter, seinen Tochtergesellschaften oder seinen Partnern zur Verfügung stehen oder genutzt werden, so dass eine funktionale Interaktion mit diesen Diensten möglich ist und gleichzeitig ein hohes Maß an Sicherheit und Schutz personenbezogener Daten gewährleistet wird."

Dazu muss man wissen, dass "nummernunabhängige Kommunikationsdienste" im European Electronic Communications Code (EECC) definiert sind. Im EECC werden Kommunikationsdienste in solche Dienste unterteilt, für die Nutzer offiziell eine Telefonnummer zugewiesen bekommen und solche, in denen die bereits für einen anderen Dienst zugewiesene Nummer entweder bloß benutzt oder schlichtweg ignoriert wird.

Aus diesem Grund sind Instant Messenger grundsätzlich nummernunabhängig, auch wenn viele von ihnen eine Handynummer als identifizierendes Merkmal einsetzen. Die Tatsache, dass in elektronischen Netzen so ziemlich jegliche Adressierung letztlich nummernbasiert ist (Ausnahme sind ein paar wenige alphanumerische Identifier), spielt dafür keine Rolle.

Die Forderung nach der Interoperabilität ist also Teil des DMA-Vorschlags.

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Gatekeeper und das Digitale-Märkte-Gesetz 
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Vogel22 21. Dez 2021 / Themenstart

So etwas nennt man auch Standard. Sollen sich die Marktgrößen an einen Tisch setzen, ein...

janoP 16. Dez 2021 / Themenstart

Anspruch auf die Implementierung von Features Es sei ein Problem, dass die Konkurrenz...

traxanos 14. Dez 2021 / Themenstart

korrekt smpp kommt aus dem sms umfeld wenn man mit smsc spricht.

Chipman 14. Dez 2021 / Themenstart

Da sind doch die ganzen Bösen Mächte die wirklich schlimme dinge tun!!11!! ach ne sind...

Kai2 13. Dez 2021 / Themenstart

Das riecht doch nach einem Aufwärmen von RCS/Joyn, welche bei den Netzbetreibern gefloppt...

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