Gatekeeper und das Digitale-Märkte-Gesetz

Grundlage für die Interoperabilität sollen die besagten Gatekeeper sein, die der DMA einführen will. Als Gatekeeper sollen Kerndienste im Internet verstanden werden, die besonders weite Verbreitung haben und an die deshalb besonders ausgeprägte Anforderungen zu Wettbewerbspraktiken gestellt werden sollen.

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Eine Anforderung an die Gatekeeper ist, dass sie ihre Dienste für Mitbewerber öffnen sollen - auf Antrag muss ein Gatekeeper eine Schnittstelle zur Verfügung stellen, damit die Mitbewerber den Dienst des Gatekeepers mitnutzen können. Der Umfang dieser Schnittstellen muss komplett sein, alle Dienste müssen verfügbar sein. Und zwar egal, ob sie den Austausch von Texten, Bildern, Videos oder sonstigen Dateien bieten, egal ob es um in Echtzeit aufgenommenes oder archiviertes Material geht.

Wer im einzelnen Gatekeeper werden soll, wurde noch nicht ausgearbeitet. Ein Kriterium ist aber: 6,5 Milliarden Euro Umsatz in den vergangenen Jahren im Europäischen Wirtschaftsraum oder eine Marktkapitalisierung von 65 Milliarden Euro. Dazu sollen es 45 Millionen monatlich aktive Nutzer und 10.000 Geschäftskunden sein. Das Parlament hat diese Anforderungen erhöht, so dass weniger IT-Konzerne betroffen wären. Meta/Facebook und Google erfüllen aber auch diese erhöhten Anforderungen spielend.

Eine Vielzahl von Problemen

Dass dieses Gatekeeper-Konzept eine Vielzahl von Problemen in ganz unterschiedliche Richtungen aufwirft, ist offensichtlich. Zum einen wird die Interoperabilität gleich wieder eingeschränkt. Für Instant Messenger bedeutet das nämlich, dass der Gatekeeper den vollen Funktionsumfang Mitbewerbern zur Verfügung stellen muss - nicht jedoch, dass Mitbewerber Funktionen beim Gatekeeper einfordern dürfen.

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Wenn zum Beispiel Whatsapp der Gatekeeper ist, müsste die dort übliche Verschlüsselung von Nachrichten zwar zur Verfügung gestellt werden, Signal hätte jedoch keinen Anspruch darauf, dass die bereitgestellte Verschlüsselung Qualität oder Funktionalität der Signal-Verschlüsselung erreicht. Da bei Whatsapp eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung üblich ist, würde dies bedeuten, dass Signal-Clients Whatsapp-Kryptographie (und damit auch automatisch Whatsapp-Addressierung, da ohne den Empfänger zu kennen auch keine Verschlüsselung für genau diesen zu machen ist) beherrschen müssen. Nur so könnten Nachrichten zwischen einem Signal- und einem Whatsapp-Client Ende-zu-Ende-verschlüsselt ausgetauscht werden.

Technisch gesehen bedeutet das, ein Signal-Client müsste außerdem ein ausgewachsener Whatsapp-Client sein. Die einzige Alternative wäre, dass Whatsapp Ende-zu-Ende-Verschlüsselung so definieren darf, dass ein Ende entweder ein Whatsapp-Nutzer ist oder ein Gateway-Server in ein anderes Instant-Messenger-Netz. Dort würden dann die Daten entschlüsselt und gegebenenfalls für das Fremdnetz neu verschlüsselt - oder umgekehrt. Aber wenn mehr als ein Netz beteiligt ist, wäre dies das sprichwörtliche Ende der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Befürchtet wird außerdem eine Feature-Blockade. Wenn ein Gatekeeper-Dienst den kompletten Funktionsumfang zur Verfügung stellen muss, gibt es für den Gatekeeper keinen Grund, neue, vielleicht revolutionäre Erweiterungen zu entwickeln und einzubauen. Denn diese könnten nicht lange Alleinstellungsmerkmal bleiben, schließlich müssten sie komplett mit den Mitbewerbern geteilt werden - definitiv ein Entwicklungshemmnis. Mitbewerber könnten solche neuen Features zwar entwickeln, aber eben nur innerhalb des eigenen Netzes nutzen.

Hinzu kommt, dass der zum Gatekeeper gewordene Marktführer auch noch gestärkt wird, weil er sich durch das Konzept zum Hub entwickelt. Denn den vollen Funktionsumfang zur Verfügung zu stellen bedeutet auch, Schnittstellen zu anderen Messenger-Diensten zur Verfügung zu stellen - von Signal über Facebook eine Nachricht an Threema schreiben, oder so ähnlich. Am besten zwischen zwei Nutzern, die Facebook eigentlich absichtlich meiden.

Auf der organisatorischen Seite gibt es also eine ganze Reihe von Problemen. Von der technischen Seite gesehen ist Interoperabilität bei Instant Messengern hingegen - bis auf die Sache mit der Verschlüsselung - gar kein Problem.

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 Interoperabilität bei Messengern: Habt euch doch bitte alle lieb!Technisch ist Interoperabilität kein Problem 
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Vogel22 21. Dez 2021 / Themenstart

So etwas nennt man auch Standard. Sollen sich die Marktgrößen an einen Tisch setzen, ein...

janoP 16. Dez 2021 / Themenstart

Anspruch auf die Implementierung von Features Es sei ein Problem, dass die Konkurrenz...

traxanos 14. Dez 2021 / Themenstart

korrekt smpp kommt aus dem sms umfeld wenn man mit smsc spricht.

Chipman 14. Dez 2021 / Themenstart

Da sind doch die ganzen Bösen Mächte die wirklich schlimme dinge tun!!11!! ach ne sind...

Kai2 13. Dez 2021 / Themenstart

Das riecht doch nach einem Aufwärmen von RCS/Joyn, welche bei den Netzbetreibern gefloppt...

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