Internetsatelliten-Konkurrenz: Das Internet könnte bald aus der Stratosphäre kommen
Starlink und andere Megakonstellationen für Satelliteninternet könnten Konkurrenz von Höhenballons aus der Stratosphäre bekommen. Bisher konnten hoch gelegene Plattformstationen, auch Haps (High Altitude Pseudo Satellites) genannt, nicht genügend Strom erzeugen, um große Antennen für die Internetübertragung aus hohen Höhen zu betreiben. Jedoch möchte das Unternehmen World Mobile Stratospheric (WMS) dies mit einem neuen Konzept ändern, das genügend Strom für eine leistungsstarke Antenne liefern kann. Die Funktion des Systems soll zunächst an Bord eines Flugszeugs demonstriert werden(öffnet im neuen Fenster) .
Dafür hat WMS eine Partnerschaft mit dem britischen Flugzeughersteller Britten-Norman geschlossen. Mitte 2026 wird ein mit Phased-Array-Antennen ausgestattetes, modifiziertes BN2T-4S Islander-Flugzeug(öffnet im neuen Fenster) in die Luft gehen, um zu testen, ob eine einzige Plattform eine Echtzeit-5G-Abdeckung in einem Umkreis von 15 Quadratkilometern gewährleisten kann.
Stratosphären-Internet dank neuem Konzept
Danach sollen die Höhenballons folgen. Laut dem WMS-CEO Richard Deakin kann man mit ihrem Konzept genügend Strom erzeugen, um die stromhungrigen Antennen zur Übertragung von Internet mit hoher Bandbreite mit ausreichend Energie zu versorgen. Bisher getestete Höhenballons und Luftschiffe setzten zur Stromerzeugung auf Photovoltaik. Diese würden jedoch nur "ein paar Hundert Watt" erzeugen, teilt Deakin mit.
WMS entwirft dagegen ein autonomes Flugzeug namens Stratomast, das mit flüssigem Wasserstoff betrieben wird. Dieses kann sechs Tage lang in einer Höhe von 18 Kilometern schweben – die Stratosphäre selbst erstreckt sich in einem Bereich von zehn bis 50 Kilometern über der Erdoberfläche. Dort oben könnte man eine 3 x 3 Meter große Phased-Array-Antenne mit Strom versorgen. Dadurch könnten bis zu 500.000 Nutzer auf der Erde gleichzeitig mit dem Internet verbunden werden.
Abdeckung mit hoher Bandbreite und voraussichtlich günstigem Preis
Nach sechs Tagen würde ein neues Flugzeug eintreffen, um den Dienst zu übernehmen, während das erste zur Betankung zur Basis zurückkehrt. Dabei kann ein einziger Stratomast eine Fläche von 15.000 Quadratkilometern abdecken(öffnet im neuen Fenster) . Mit neun solcher Haps könnte man ganz Schottland mit Internet aus der Stratosphäre abdecken.
Das aus leichter Kohlefaser gebaute Luftschiff hat dabei eine Spannweite von ungefähr 56 Metern, was der einer 120 Tonnen schweren Boeing 787 Dreamliner entspricht. Dafür wiegt der Stratomast aber nur circa vier Tonnen.
World Mobile Stratospheric schätzt die Kosten für den Betrieb eines solchen Systems auf etwa 52 Millionen US-Dollar pro Jahr, wodurch das Unternehmen den 5,5 Millionen Einwohnern Schottlands eine Internetverbindung mit 200 MBit/s zu Kosten von etwa 79 Cent pro Person und Monat direkt auf ihren Smartphones anbieten könnte.
Gegenüber Starlink wäre das nicht nur günstigeres, sondern auch schnelleres Internet. Derzeit können die Starlink-Satelliten von Elon Musk ihre Internetnutzer mit 17 Mbit/s versorgen. Laut WMS würde das nur für Notfalltextnachrichten ausreichen. Selbst AST Spacemobile, das eine Konstellation riesiger Antennen im Orbit aufbaut, um Internet direkt auf Smartphones zu übertragen, kann nur etwa 21 Mbit/s aufrechterhalten.
Im Vergleich dazu kostet das günstigste Starlink-Abonnement, das nur Gebiete mit geringer Nachfrage abdeckt, derzeit 40 US-Dollar pro Monat. Obwohl die Downlink-Geschwindigkeiten von Starlink bis zu 250 Mbit/s erreichen, wird die Bandbreite mit steigender Nutzerzahl geringer. Zudem benötigen Nutzer spezielle Endgeräte.
"Wenn der Stratomast fliegt, werden all diese alten Satelliten in Museen landen" , teilt Deakin mit.
Erste Testflüge vermutlich ab 2026
Das Team von Deakin entwickelt Stratomast seit 2019 im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem deutschen Telekommunikationsanbieter Deutsche Telekom. Bei Tests in Deutschland und Saudi-Arabien demonstrierten sie die Funktionsweise ihrer neuartigen Antennentechnologie.
Anfang 2025 wurde das Unternehmen vom US-amerikanischen Telekommunikationsanbieter World Mobile übernommen. Vor Kurzem ging das Unternehmen eine Partnerschaft mit dem indonesischen Telekommunikationsanbieter Protelindo ein, um Stratomast auf den Weg zu bringen. Die Partner planen, im nächsten Sommer Flugtests mit ihrer Antenne in geringerer Höhe durchzuführen, und hoffen, 2027 mit Testflügen in der Stratosphäre beginnen zu können. Der Testflug mit dem Islander soll bereits 2026 erfolgen.
- Anzeige Hier geht es zur AVM Fritzbox 7590 AX bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



