Abo
  • Services:

Internetplattformen: Merkel will Googles Suchalgorithmus sehen

Für Bundeskanzlerin Merkel bedeutet die Macht der IT-Konzerne eine Gefahr für die Demokratie. Die Menschen sollten nicht in ihrer Filterblase leben und die Algorithmen von Plattformen wie Google und Facebook kennen.

Artikel veröffentlicht am , /dpa
Angela Merkel warnt vor der Macht der Algorithmen.
Angela Merkel warnt vor der Macht der Algorithmen. (Bild: Medientage München)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, die Algorithmen der großen Internetplattformen offenzulegen. Auf den Medientagen München forderte sie am Dienstag, "dass Algorithmen transparenter sein müssen, so dass interessierten Bürgern auch bewusst ist, was eigentlich mit ihrem Medienverhalten und dem anderer passiert". Merkel nannte in ihrer Rede die Namen von Firmen wie Google oder Facebook nicht direkt.

Stellenmarkt
  1. via 3C - Career Consulting Company GmbH, Frankfurt am Main
  2. über duerenhoff GmbH, Raum Mannheim, deutschlandweit

Stattdessen sprach sie stets von "großen Plattformen mit ihren Algorithmen". In Anspielung auf ihre frühere Arbeit als Physikerin sagte sie: "Algorithmen gewinnen sozusagen eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Früher hat man sich mit so etwas in Mathematik- und Physikstudien herumgeschlagen. Heute macht der Algorithmus die künstliche Intelligenz aus." Auf der einen Seite könnten Algorithmen hilfreich sein, sich in einer komplexen Welt zurechtzufinden, "aber auf der anderen Seite kann die Welt, wenn wir sie fast ausschließlich mit gewissen Einschränkungen sehen, in Wahrheit weit von der Realität entfernt sein."

Die Plattformen entwickelten sich mit ihren Algorithmen immer mehr "zum Nadelöhr für die Vielfalt der Anbieter", sagte Merkel. Dies könne "erhebliche wirtschaftliche Folgen haben, zumal sich der Zugang zu Werbeeinnahmen verengen kann. Da werden Existenzgrundlagen von Medien infrage gestellt". Zudem warnte die Kanzlerin davor, dass Menschen in den sozialen Medien nur noch das läsen, was ihre eigenen Auffassungen bestätige oder ihnen von Gleichgesinnten empfohlen werde: "Diese Entwicklung müssen wir genau beobachten." Dies bedrohe die für die Demokratie unerlässliche Fähigkeit, sich auch mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen. "Das heißt also, dass solche Mechanismen, wenn sie nicht transparent sind und wenn nicht klar ist, was passiert, zur Verzerrung der Wahrnehmung führen können. Sie verengen den Blickwinkel."

Lob für Oettinger

Merkel unterstützte in ihrer Rede die Pläne der EU-Kommission für einen einheitlichen digitalen Binnenmarkt in Europa. Dabei lobte sie ausdrücklich die Arbeit von EU-Digitalkommissar Günther Oettinger: "Es ist gut zu wissen, dass mit Günther Oettinger ein deutscher Kommissar daran arbeitet und dabei sehr enge Rückkoppelungen zu uns, aber auch in alle anderen europäischen Länder pflegt." Oettinger selbst hatte wiederum in der vergangenen Woche erklärt, dass er in der Debatte um ein europäisches Leistungsschutzrecht die Rückendeckung des Kanzleramts habe.

Die deutschen Verlage unterstützen ebenfalls die Pläne Oettingers. Sie befürchten, dass ihr Anteil am Werbemarkt noch weiter zugunsten großer Internetkonzerne wie Google und Facebook sinkt. "Spätestens nächstes oder übernächstes Jahr werden die Nettowerbeerlöse von Publikumszeitschriften unter die Eine-Milliarde-Euro-Grenze gefallen sein", sagte Burda-Manager Burda-Manager Philipp Welte. Kein Verlag schaffe es alleine, mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt zu halten. "Wir müssen unsere historischen Silos verlassen und lernen, vernetzt zu arbeiten", sagte Welte.

Digitalkiosk statt Instant Articles

Die geschäftsführende Gesellschafterin des Verlags Inspiring Network (emotion), Katarzyna Mol-Wolf, sagte: "Wichtig ist, dass wir unsere Inhalte nicht aufgeben." Die Verlage sollten sich zusammenschließen, um ihre Inhalte gemeinsam in einem Digitalkiosk kostenpflichtig anzubieten, statt sie als Instant Articles Facebook zur Verfügung zu stellen.

Unter dem Motto "Mobile & Me. Wie das Ich die Medien steuert" geht es bei den diesjährigen Medientagen um die Folgen technologischer Entwicklungen wie künstlicher Intelligenz und virtueller Realität. Zu den rund 90 Veranstaltungen werden bis Freitag 400 Referenten und mehr als 6.000 Besucher erwartet.

Nachtrag vom 26. Oktober 2016, 11:46 Uhr

Wir haben den Artikel im zweiten Absatz ergänzt und zum Wortlaut der Rede verlinkt.



Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 59,99€ mit Vorbesteller-Preisgarantie (Release 26.02.)
  2. 39,95€
  3. 2,99€

plutoniumsulfat 28. Okt 2016

Weil nicht jeder so plant wie du und du alleine schwer ein Auto verteidigen kannst ;) Ich...

Botschafter 27. Okt 2016

Die Dissertation wurde erst vor wenigen Wochen wieder zusammengebaut und auf help4you...

fg (Golem.de) 26. Okt 2016

Sorry, das war keine Absicht. Wir haben extra gewartet, bis der Link auch öffentlich...

FreiGeistler 26. Okt 2016

RicoBrassers schrieb:- OT: Suche mal mit google nach einer Tastatur mit spezifischen...

peace 26. Okt 2016

wer sich etwas mit SEO beschäftigt weiß, dass es "den einen Algorithmus" nicht gibt. es...


Folgen Sie uns
       


Google Nexus One in 2019 - Fazit

Das Google Nexus One ist zehn Jahre alt - und damit unbenutzbar, oder?

Google Nexus One in 2019 - Fazit Video aufrufen
Asana-Gründer im Gespräch: Die Konkurrenz wird es schwer haben, zu uns aufzuschließen
Asana-Gründer im Gespräch
"Die Konkurrenz wird es schwer haben, zu uns aufzuschließen"

Asana ist aktuell recht erfolgreich im Bereich Business-Software - zahlreiche große Unternehmen arbeiten mit der Organisationssuite. Für Mitgründer Justin Rosenstein geht es aber nicht nur ums Geld, sondern auch um die Unternehmenskultur - nicht nur bei Asana selbst.
Ein Interview von Tobias Költzsch


    Android-Smartphone: 10 Jahre in die Vergangenheit in 5 Tagen
    Android-Smartphone
    10 Jahre in die Vergangenheit in 5 Tagen

    Android ist erst zehn Jahre alt, doch die ersten Geräte damit sind schon Technikgeschichte. Wir haben uns mit einem Nexus One in die Zeit zurückversetzt, als Mobiltelefone noch Handys hießen und Nachrichten noch Bällchen zum Leuchten brachten.
    Ein Erfahrungsbericht von Martin Wolf

    1. Sicherheitspatches Android lässt sich per PNG-Datei übernehmen
    2. Google Auf dem Weg zu reinen 64-Bit-Android-Apps
    3. Sicherheitslücke Mit Skype Android-PIN umgehen

    Begriffe, Architekturen, Produkte: Große Datenmengen in Echtzeit analysieren
    Begriffe, Architekturen, Produkte
    Große Datenmengen in Echtzeit analysieren

    Wer sich auch nur oberflächlich mit Big-Data und Echtzeit-Analyse beschäftigt, stößt schnell auf Begriffe und Lösungen, die sich nicht sofort erschließen. Warum brauche ich eine Nachrichten-Queue und was unterscheidet Apache Hadoop von Kafka? Welche Rolle spielt das in einer Kappa-Architektur?
    Von George Anadiotis


        •  /