Internetknoten: DE-CIX reagiert auf Wunsch nach digitaler Souveränität

Der DE-CIX Betreiber reagiert auf die neue geopolitische Lage mit einem weltweiten Ausbau. Das teilte Chief Technologie Officer Thomas King auf Anfrage Golem mit. "Die zunehmenden geopolitischen Spannungen verstärken weltweit das Bedürfnis nach digitaler Souveränität und sicheren, kontrollierbaren Datenwegen. Dadurch gewinnen lokale und regionale Interconnection-Ökosysteme an Bedeutung."
Deshalb baue man die Präsenz weltweit weiter aus, in Europa, Nord- und Südamerika, Afrika, dem Mittleren Osten und Asien. Die geografische Verteilung mache das Gesamtsystem widerstandsfähiger gegenüber regionalen Krisen. Heute betreibe DE-CIX weltweit rund 60 Internetknoten und wolle kontinuierlich weiter wachsen. "Darüber hinaus gibt es starke wirtschaftliche Interessen an einem leistungsfähigen Internet, insbesondere in den USA. Viele große amerikanische Technologieunternehmen – also ein immens wichtiger Wirtschaftssektor – sind auf ein stabil funktionierendes Internet und somit Peering weltweit angewiesen" , erklärte King.
Cloud und KI definierten global das Peering neu, in einem Markt, der sich konsolidiert. King betonte: "Daher entwickeln wir unsere Interconnection-Dienste ständig weiter und richten unser Portfolio stärker auf den Cloud- und KI-Bedarf unserer Kunden aus."
Vodafones Rückzug am DE-CIX offenbar verkraftet
Im November 2025 hatte Vodafone begonnen, alle Internet Exchanges und die meisten seiner direkten Peerings zu kündigen , um die für das bisherige Peering notwendige Kapazität am DE-CIX, AMS-IX und NL-IX und allen anderen Exchanges zu reduzieren. "Vodafone Deutschland wird für Public Peering nicht mehr zur Verfügung stehen. Private Peering, vor allem mit Hyperscalern, macht Vodafone weiter" , erfuhr Golem aus informierten Kreisen.
King erklärte dazu: "Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu individuellen Kunden oder Vertragsinhalten. Generell beobachten wir eine Marktentwicklung, bei der sich das Internet zur Plattform für Cloud und KI entwickelt. Vor diesem Hintergrund passen große Access-Provider ihre Peering-Strategien an." Aus technischer Sicht sei die DE-CIX-Plattform unabhängig vom Verhalten einzelner Anbieter. Man verzeichne weiterhin ein Engagement von rund 1.000 verschiedenen Internet Service Providern, Cloud-Anbietern, Netzwerkbetreibern und Organisationen, die das deutsche und europäische Internet trügen. "Öffentliches Peering an neutralen Internetknoten ist und bleibt ein zentrales Element der weltweiten Internet-Infrastruktur" , sagte King.
Hinweis in eigener Sache: Golem organisiert eine neue Konferenz zu IT-Souveränität! Die Rack & Stack(öffnet im neuen Fenster) findet im April statt – bis Ende Januar gelten noch günstigere Ticket-Preise.