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Internetinfrastruktur: Chinas Digitale Seidenstraße

China baut weltweit Internetinfrastruktur und Datenzentren. Nicht nur für die Freiheit im Internet und Unternehmen aus Europa und den USA könnte das zur Bedrohung werden.

Eine Analyse von Gerd Mischler veröffentlicht am
Früher waren es reale Waren, heute sind es digitale. (Bild: Pixabay / Montage: Golem.de)

Keine Straße ist zu lang an der Seite eines Freundes, besagt ein chinesisches Sprichwort. Die Kommunistische Partei (KP) der Volksrepublik könnte sich diese Weisheit als Motto für den Bau einer sogenannten digitalen Seidenstraße - auf Englisch Digital Silk Road (DSR) - gewählt haben. Denn mit gewaltiger finanzieller Unterstützung ihrer Regierung errichten chinesische Unternehmen in befreundeten Staaten überall auf der Welt Infrastruktur für das Internet, installieren in Städten Überwachungstechnik und rollen chinesische Online-Zahlungssysteme aus.

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So sichern sie sich mit Hilfe der KP den Zugang zu Märkten, die ihnen andernfalls durch die geopolitische Auseinandersetzung der Volksrepublik mit den USA verloren gehen könnten. Zugleich verbreitet die KP Chinas über die Digitale Seidenstraße ihre Vorstellung davon, wie das Internet reguliert werden sollte, und setzt Standards für dessen technischen Aufbau.

Langfristig könnte diese Politik westliche Anbieter von Netzwerktechnik und Webdienste von vielen Märkten verdrängen oder sie zwingen, chinesische Regeln zu befolgen. Das Internet selbst könnte in unterschiedliche Räume zerfallen. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Volksrepublik über die von ihr gebaute und kontrollierte Internetinfrastruktur Daten stiehlt, Wirtschaftsspionage betreibt oder sich in geopolitischen Konflikten einen Vorteil verschafft.

Wie Chinas Außenminister Wang Yi im November 2020 in einer Rede (PDF) feststellte, ist die Digitale Seidenstraße mittlerweile das Kernstück des seit 2015 von der Volksrepublik unter dem Titel Belt and Road Initiative betriebenen Aufbaus eines weltumspannenden Netzwerkes chinafreundlicher Staaten.

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Diesem hatten sich bis 2021 wenigstens 140 Nationen durch die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding (PDF) mit der Volksrepublik angeschlossen. Unter ihren Freunden finden sich auch (PDF) Ägypten, die Türkei, Österreich, Ungarn, Tschechien, Estland, Großbritannien, Neuseeland, Israel, Chile, Peru, Brasilien, Indonesien, Japan, Kenia, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Sie haben sich mit China explizit auf eine Zusammenarbeit beim Auf- und Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur verständigt.

China beherrscht den Weltmarkt für den grenzüberschreitenden Datenverkehr

Unternehmen wie Huawei Marine Networks haben im Rahmen der DSR inzwischen gut 60.000 Kilometer Glasfaserkabel im Pazifik, im Indischen Ozean und im Atlantik verlegt. Am grenzüberschreitenden Datenverkehr haben Unternehmen aus der Volksrepublik Zahlen von Germany Trade and Invest (GTAI) zufolge daher inzwischen mit 23 Prozent einen größeren Marktanteil als Unternehmen aus jedem anderen Land der Welt. In Afrika kontrollieren sie sogar mehr als 70 Prozent der digitalen Infrastruktur.

Zugleich betreiben chinesische Netzwerkausrüster wie ZTE und Huawei sowie Telekommunikationsgesellschaften wie China Mobile, China Unicom oder China Telecom derzeit jedes fünfte Projekt für den Bau neuer Internetkabel. So verlegt China Mobile gemeinsam mit Meta sowie den britischen und französischen Mobilfunkanbietern Vodafone und Orange die Leitung 2Africa. Sie wird 37.000 Kilometer rund um den afrikanischen Kontinent führen und damit das längste Seekabel der Welt sein. Bis 2024 schließen China Mobile und seine Partner 26 afrikanische Länder sowie die Seychellen und Komoren an die Leitung an.

  1. Glasfaserkabel, Datenzentren und Überwachungstechnik in der Digitalen Seidenstraße
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