Internetdienste: Was 2013 eingestellt wurde

Manche Internetdienste wie die Microsoft Tags sind von vornherein nicht erfolgreich. Andere wie der Medienplayer Winamp waren es, sind aber nicht mehr zeitgemäß. Es gibt viele Gründe, warum Dienste aufgegeben und eingestellt werden. Über viele dieser Programme und Firmen haben wir 2013 berichtet. Eine Übersicht.
Aus für Winamp
Kaum noch genutzt, aber unvergessen: Der Winamp-Player zum Abspielen von MP3-Dateien wurde am 20. Dezember eingestellt. Nach 15 Jahren Support und Weiterentwicklung kann die Software zwar weiter heruntergeladen werden, Updates werde es aber nicht mehr geben, teilten AOL und Nullsoft im November 2013 mit . Winamp war lange Zeit der meistgenutzte Medienplayer.
Laut Medieninformationen hatte Microsoft im November mit AOL über einen Verkauf des Medienplayers verhandelt. Ergebnisse gibt es bisher nicht. Vielleicht kehrt Winamp wieder zurück. Totgesagte leben bekanntlich länger.
Zumindest beim Musikstreaming-Dienst Spotify lebt der Player weiter. Das Unternehmen hat mit dem Spotiamp(öffnet im neuen Fenster) einen kleinen Musik-Player im Design von Winamp veröffentlicht, mit dem Premium-Nutzer ihre Playlists hören können. Die Bedienung stimmt mit dem Original überein, auch die Winamp-Visualisierungs-Plugins können genutzt werden.
Feeds ohne den Google Reader
Am 1. Juli hatte Google seinen Google Reader eingestellt. Die Ankündigung kam im März . Die Nutzer waren nicht begeistert und starteten eine Onlinepetition zum Erhalt des Dienstes. Laut Google hatte der Reader zuletzt wenige Nutzer. Trotzdem hatten viele den Dienst genutzt, um Feeds mit anderen Reader-Apps auf mobilen Geräten zu synchronisieren. Der Vorteil war, dass die Feeds auf mehreren Geräten gelesen werden konnten und alle den gleichen Lese- und Favoritenstatus hatten.

Google hatte seinen Dienst 2005 im Testbetrieb gestartet und zwei Jahre später offiziell in sein Google-Universum überführt. Mittlerweile gibt es viele Alternativen wie Feedly(öffnet im neuen Fenster) oder in das Betriebssystem integrierte News-Aggregatoren.
Lavabit, Silent Circle und die NSA
Weil Lavabit-Gründer Ladar Levinson die Sicherheit seiner Nutzer schützen wollte, hatte er den Dienst geschlossen . Der US-Regierung gewährleistete er nicht schnell genug den Zugang zu seinem E-Mail-Dienst. Er sollte für jeden Tag, den er im Verzug war, 5.000 US-Dollar Strafe zahlen. Der verschlüsselte E-Mail-Dienst, den auch US-Whistleblower Edward Snowden nutzte, sollte komplett für den Zugriff geöffnet werden. Die privaten SSL-Schlüssel sollten an die US-Regierung übergeben werden.
Dem Verschlüsselungsdienst Silent Circle erging es ähnlich. Dessen Chef, Mike Janke, sagte der New York Times, dass alle Nutzerdaten vernichtet worden seien - allerdings vorsorglich. Einen Behördenbeschluss habe man nicht abwarten wollen. Auch Janke wollte seine Nutzer nicht gefährden.

Kurz darauf einigten sich die beiden Anbieter darauf, eine Open-Source-Architektur für verschlüsselte E-Mails zu entwickeln. Dark Mail wurde Anfang Dezember erfolgreich per Crowdfunding finanziert und soll als F/OSS veröffentlicht werden. Geplant sind Clients für die Desktopbetriebssysteme Windows, Mac OS X und Linux und für die mobilen Plattformen iOS und Android.
Groklaw will nicht überwacht werden
Auch die Website Groklaw, die juristische Fragen rund um Open-Source-Software beleuchtete, schloss aufgrund der NSA-Affäre und der möglichen Überwachung der E-Mail-Kommunikation durch den US-Geheimdienst.
Groklaw wurde durch die Berichterstattung über den Rechtsstreit SCO gegen Linux bekannt. Mitte Mai 2011 sollte Groklaw schon einmal eingestellt werden, wurde dann aber von Mark Webbink fortgeführt, der vorher Chefjurist bei Red Hat war. Damals gab es aber andere Gründe als im August dieses Jahres.
Streaming ohne Germany's Gold
Im September erklärte der WDR, dass Germany's Gold eingestellt werde . Das Streaming-Projekt von ARD und ZDF könne in der ursprünglich geplanten Form nicht umgesetzt werden, hieß es. Eine Kartellamtsprüfung hatte kritisiert, dass beide Programmanbieter als Unternehmer und Wettbewerber auf dem Markt für Video-on-Demand auftreten und ihre Produkte deshalb auch wie andere Unternehmen unabhängig voneinander vermarkten müssten.
Die Germany's Gold GmbH war im April 2012 gegründet worden. Als Anfangsinvestition wurde ein niedriger zweistelliger Millionen-Euro-Betrag eingesetzt.
Das Ende von HackFwd
Der Startup-Inkubator von Xing-Gründer Lars Hinrichs war eines von vielen jungen Unternehmen, die 2013 schließen mussten . HackFwd wollte Entwickler zu Unternehmern machen und bot ihnen einen einfachen und transparenten Deal an: eine einjährige Finanzierung in Höhe des aktuellen Jahresgehalts, um an ihrer Idee zu arbeiten. HackFwd wollte dafür rund 30 Prozent am Unternehmen.

Das Modell hat nicht funktioniert. HackFWD habe zwar viel Aufmerksamkeit erregt und einige tolle Unternehmen hervorgebracht, aber eines fehle: ein Exit, also ein Verkauf oder Börsengang eines der von HackFWD geförderten Unternehmen, sagte Hinrichs. Nach drei Jahren schloss HackFWD .
Die QR-Codes setzen sich gegen die Microsoft Tags durch
Eine bunte Alternative zu den schwarz-weißen QR-Codes(öffnet im neuen Fenster) sollten sie werden: Microsoft teilte im August dieses Jahres mit , dass es seine Anfang 2009 vorgestellten Tags nicht mehr weiterentwickeln will. Zu gering sei das Interesse daran gewesen.
Microsoft hatte das Format mit eigenen Onlinediensten und Apps unterstützt. Ende 2011 konnten auch herkömmliche Barcodes und QR-Codes damit gelesen werden. Bis 2015 sollen die Onlinedienste zumindest noch weiterbetrieben werden.
Aus für Games for Windows Live
Ein weiterer Dienst, den Microsoft dieses Jahr geschlossen hat , ist Games for Windows Live. Die Konkurrenz zu Valves Steam wurde im August eingestellt. Der Dienst sei unbeliebt, schwierig zu nutzen und habe eine fürchterliche Onlineunterstützung, schrieben die Initiatoren einer Petition kurz zuvor. Das führte dazu, dass das Rollenspiel Dark Souls nicht über Games for Windows Live, sondern per Steam vertrieben wurde.

Warum Microsoft den Dienst geschlossen hat, ist nicht bekannt. Die verärgerten Spieler dürften aber dazu beigetragen haben.
Das Traditionsunternehmen Lucas Arts wird geschlossen
"Game over" hieß es im April für Lucas Arts . Rund 200 Mitarbeiter hatten ihren Arbeitsplatz verloren, einige konnten zu Disney Interactive wechseln. Der Medienkonzern Disney hatte die Spielesoftwarefirma zuvor übernommen.

Seine größte Zeit hatte Lucas Arts in den 80er und 90er Jahren. Damals erschienen Point-and-Click-Spiele wie ZackMcKracken, Maniac Mansion oder Monkey Island. Die Titel entstanden vor allem um ein Team auch heute noch tätiger Entwickler wie Tim Schafer und Ron Gilbert.
Suchen ohne Altavista
Eine der ersten Volltextsuchmaschinen wurde am 8. Juli dieses Jahres abgeschaltet . Eigentümer Yahoo hatte Altavista 10 Jahre zuvor gekauft, das lange Zeit die führende Suchmaschine war, bis Google sich durchsetzen konnte.
Gegründet wurde Altavista von dem Hardwarehersteller Digital Equipment Corporation (DEC) und ging im Dezember 1995 ans Netz. Anfangs war die Suchmaschine noch unter dessen Subdomain Altavista.digital.com erreichbar. Erst später wurde die Domain Altavista.com eingerichtet.
Surfen ohne Camino
Langjährige Mac-OS-Nutzer dürften den Browser Camino kennen, der nach zehn Jahren Entwicklung im Mai dieses Jahres eingestellt wurde . Der Browser erschien ursprünglich unter dem Namen Chimera und wurde später in Camino umbenannt.
Das noch unter dem Dach von Netscape gestartete Projekt kombinierte Netscapes Rendering-Engine mit einem nativen Cocoa-Interface, womit ein recht schlanker Browser entstand. Beteiligt an der Entwicklung war unter anderem Dave Hyatt, der zuvor Firefox entwickelt hatte und später bei Apple für Safari mitverantwortlich war.
Bezahlen ohne Google Checkout
Die Paypal-Alternative Google Checkout wurde im November dieses Jahres eingestellt. Deren Nachfolger ist die digitale Brieftasche Google Wallet. Den wenigen Kunden von Google Checkout war es nach einer Mitteilung noch möglich, sechs Monate lang Zahlungen über den Dienst vorzunehmen.

Die meisten Anbieter von Google-Play-Apps sollten einfach auf das Wallet Merchant Center umsteigen können.
Adobe Creative Suite wird zur Creative Cloud
Keine neuen Funktionen mehr für Adobes Creative Suite, hieß es im Mai dieses Jahres . Adobe wolle sich künftig auf seine Creative Cloud konzentrieren. Der wesentliche Unterschied zwischen den Versionen: Bei der Cloud-basierten Variante gibt es ein Abomodell, das häufiger aktualisiert wird als die herkömmliche Suite.
Im Juni hatte Adobe die Applikationen der Creative Cloud umbenannt. Alle Programme erhielten ein "CC" am Ende. Der Nachfolger von Photoshop CS6 heißt jetzt Photoshop CC.
Im März hatte Adobe mitgeteilt , dass es den Verkauf von Softwareschachteln einstellen und stattdessen nur noch Downloads seiner Programme anbieten wolle.
Myspace 1.0
Ein Ende ist immer auch ein Anfang, heißt es. Für Nutzer des sozialen Netzwerks Myspace bedeutete das Anfang des Jahres: Das alte Myspace sollte durch ein neues ersetzt werden. Zwar war der Zugang zum klassischen Layout noch eine Weile verfügbar, wurde aber im Laufe des Jahres eingestellt. Der alte Myspace-Account konnte in das neue Myspace-Netzwerk überführt werden.

Myspace hatte sich immer mehr zu einem Netzwerk für Musik entwickelt, darum stehen Künstler und Songs mehr als vorher im Vordergrund.
Im Sommer 2011 hatte Specific Media zusammen mit Popstar Justin Timberlake das Netzwerk gekauft. Das neue Myspace erschien im Januar dieses Jahres gleichzeitig mit einer neuen Single des Künstlers.
Rundfunkbeitrag ersetzt GEZ
Zum 1. Januar 2013 wurde die GEZ-Gebühr abgeschafft. Stattdessen wurde der neue Rundfunkbeitrag eingeführt . Mit dem Beitrag von monatlich 17,98 Euro sollte die Nutzung von Fernsehen, Hörfunk, Telemedien, Computer und Autoradio der Haushaltsmitglieder abgedeckt sein.
Die GEZ hatte die Rundfunkgebühren der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eingezogen. Sie war eine Gemeinschaftseinrichtung von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Ab 2007 waren auch die Gebühren für PCs angefallen. Mit dem neuen Rundfunkbeitrag sollten alle Geräte mit einer einheitlichen Gebühr abgedeckt sein. Im Dezember wurde bekannt, dass Mehreinnahmen erstmals zu einer Senkung der Beiträge führten. Die monatliche Abgabe verringerte sich um 73 Cent.
Telekom will die Flatrate abschaffen
Im April dieses Jahres verkündete die Deutsche Telekom , ihre Flatrate-Produkte nicht mehr für Neukunden anbieten zu wollen. Nach Erreichen einer Volumengrenze sollte die Surfgeschwindigkeit reduziert werden. Andere Anbieter wie Vodafone ziehen nach.
Mit den Reaktionen darauf hatten sie nicht gerechnet. Neben einer Petition gegen die Drosselungspläne der Telekom, an der sich Hunderttausende beteiligten, und einer Straßendemo schalteten sich auch Politiker in die Diskussion ein. Sie befürchten ein Ende der Netzneutralität, weil die Telekom eigene Dienste von der Drosselung ausnimmt.
Andere sahen eine Täuschung der Kunden, weil die gedrosselten Tarife trotzdem noch den Zusatz "Flatrate" tragen. Nach einer Klage der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kam es im November zu einem Gerichtsurteil. Die Telekom setzte das Urteil um und hob die Drosselung in ihren DSL-Flatrate-Verträgen wieder auf. Ihre gedrosselten Tarife wollte sie umbenennen und frühestens wieder 2015 anbieten.
Die Diskussionen um die Telekom-Drossel werden auch im kommenden Jahr weitergehen, während Dienste und Programme anderer Unternehmen eingestellt werden. Wir werden darüber berichten.



