Abo
  • Services:
Anzeige
Der Bundestag will erstmals einen Hauptausschuss Digitale Agenda einsetzen.
Der Bundestag will erstmals einen Hauptausschuss Digitale Agenda einsetzen. (Bild: Tobias Schwarz/Reuters)

Internetausschuss: Verspottet, aber ehrgeizig

Mit einiger Verzögerung geht der neue Ausschuss für Digitale Agenda an den Start. Die Erwartungen an das Gremium sind nicht besonders hoch. Dennoch wollen die Abgeordneten neue Akzente setzen.

Anzeige

Es gibt keine Statistik darüber, wie viele Abgeordnete im Zeitalter von Computern und Smartphones noch einen Federhalter benutzen. Die Mitglieder des neuen Hauptausschusses Digitale Agenda werden solch ein Schreibgerät aber nicht brauchen. Denn der neue Ausschuss soll bei den Themen Internet und Digitalisierung lediglich "mitberatend" und nicht "federführend" tätig werden, wie es in dem gemeinsamen Antrag aller Fraktionen heißt. Während die Opposition das neue Gremium deswegen als AOEZ (Ausschuss ohne echte Zuständigkeit) verspottet, setzen Union und SPD darauf, dass der Ausschuss dennoch die Digitale Agenda der Regierung koordinieren und voranbringen kann.

Die Aufgabe von Ausschüssen besteht laut Bundestag darin, "Gesetzesvorlagen inhaltlich zu beraten und Beschlüsse des Plenums vorzubereiten". Da die Koalition die Kompetenzen der Ministerien in Sachen Netzpolitik nicht gebündelt, sondern noch mehr zersplittert hat, soll der neue Ausschuss nun die Aufgabe übernehmen, diese Themen zusammenzuführen. Sowohl Union als auch SPD sehen die inhaltlichen Schwerpunkte des Ausschusses in den Themen Wirtschaft, Existenzgründungen, Industrie 4.0 und Breitbandausbau.

Ausschuss soll den Debatten voraus sein

Auf zwei Pressegesprächen der Fraktionen am Mittwoch in Berlin war viel davon die Rede, dass man inhaltliche Impulse setzen und fachliche Kompetenz bei den Themen einbringen wolle. Der netzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Thomas Jarzombek (CDU), sagte, der Ausschuss wolle der öffentlichen und parlamentarischen Diskussion "durchschnittlich drei Monate" voraus sein. Nach Angaben des designierten Ausschussvorsitzenden Jens Koeppen (CDU) will das Gremium eigene Schwerpunkte setzen, "die deutlich über das Tagesgeschäft hinausgehen und Perspektiven aufzeigen".

In dem Ausschuss sei "Musik drin", sagte SPD-Fraktionsvize Sören Bartol. Man könne wirksam in die Debatten eingreifen. Hochgesteckte Ziele nannte die stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Nadine Schön (CDU): "Wenn wir jetzt alles richtig machen, wird Deutschland 2017 vielleicht als erstes genannt werden bei der Frage, welches Land die Digitalisierung am besten verstanden und umgesetzt hat."

Mehr Transparenz und Beteiligung

Vorreiter im Bundestag könnte der Ausschuss in Sachen Transparenz und Beteiligung werden. Die SPD wolle mit der Union darüber reden, welche Modelle ausprobiert werden könnten, sagte der netzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Lars Klingbeil. Auch Koeppen kündigte an, dass sich der Ausschuss um neue Beteiligungsmöglichkeiten sowie eine eingeschränkte Öffnung für die Öffentlichkeit kümmern werde. Wie das konkret aussehen könnte, war aber noch unklar. Die Enquetekommission Internet und digitale Gesellschaft hatte in der vergangenen Legislaturperiode das Beteiligungstool Adhocracy genutzt. Allerdings war die Resonanz bescheiden, nur rund 3.500 Bürger machten mit und gaben knapp 500 Vorschläge ab.

Am Donnerstagnachmittag will der Bundestag den Ausschuss offiziell einsetzen. In der zuvor angesetzten Bundestagsdebatte wolle die Opposition ihre grundsätzliche Kritik am Vorgehen der Koalition äußern, sagte der Grünen-Politiker Konstantin von Notz. Notz hatte die fehlende Koordinierung der Netzpolitik als "Geburtsfehler des Ausschusses" bezeichnet. Dem neuen Gremium sollen 16 Mitglieder angehören, davon sieben von der Union, fünf von der SPD und jeweils zwei von Linke und Grünen. Stellvertretender Ausschussvorsitzender wird der SPD-Abgeordnete Gerold Reichenbach. Konstituieren wird sich der Ausschuss nach Angaben des Bundestags voraussichtlich am 19. Februar 2014.

Nachtrag vom 13. Februar 2014, 18:00 Uhr

Der Bundestag beschloss am Donnerstag einstimmig die Einsetzung des Ausschusses. In der vorangegangenen 40-minütigen Debatte sprach der SPD-Netzpolitiker Lars Klingbeil von einem "bedeutenden Tag" für das Parlament. Dass der Ausschuss nun starten könne, sei auch vielen Netzaktivisten zu verdanken, sagte Klingbeil. Der designierte Ausschussvorsitzende Jens Koeppen (CDU) räumte ein, dass der Ausschuss auch schon vor acht Jahren hätte gegründet werden können. Nach Ansicht von SPD-Fraktionsvize Sören Bartol verlässt die Netzpolitik nun den "Katzentisch des Parlaments".

Die Opposition wiederholte ihre Kritik an der Konzeption des Ausschusses. In der großen Koalition seien die Netzskeptiker in der Mehrheit, die keinen netzpolitischen Ausschuss mit Relevanz haben wollten, sagte der Grünen-Politiker Konstantin von Notz. Die Linke-Politikerin Halina Wawzyniak verwies darauf, dass der Ausschuss auf Beschluss des Bundestages bei einzelnen Themen federführend tätig sein könne. Sie wolle darauf drängen, dass diese Möglichkeit jeweils in Betracht gezogen werde.


eye home zur Startseite
martinboett 13. Feb 2014

+1 selbst das fernsehern ist schneller als die. und wenn im fernsehen über "aktuelle...

non_sense 13. Feb 2014

Nein, denn das wäre zu kompliziert, weil es eine Blacklist wäre. Einfacher wäre eine...

moppi 13. Feb 2014

das sagt doch alles "Musik drin" also sprich sie suchen noch den kosten losen client von...

kitingChris 13. Feb 2014

Mal ehrlich was können wir denn erwarten? Diese Leute haben bisher NICHTS sinnvolles in...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Cargill Texturizing Solutions Deutschland GmbH & Co. KG, Hamburg
  2. Horváth & Partners Management Consultants, Stuttgart
  3. Bosch Sensortec GmbH, Reutlingen
  4. Robert Bosch GmbH, Leonberg


Anzeige
Top-Angebote
  1. 229€ + 4,99€ Versand (Bestpreis!)
  2. 397€ + 4,99€ Versand oder Abholung im Markt
  3. 139,99€ (Bestpreis!)

Folgen Sie uns
       


  1. Linux

    Fedora will Konzept der Desktop-Distro aufbrechen

  2. Fusion

    Charter will Sprint nicht

  3. Sandbox-Leak

    Daten über die Antiviren-Cloud herausschmuggeln

  4. Elektroauto

    Tesla übergibt die ersten Model 3

  5. Arduino vs. Arduino

    Marke und Produktion wieder unter Kontrolle der Gründer

  6. IT-News der Woche

    Ein warmer Drohnenregen zur Sommerpause

  7. Certificate Transparency

    Webanwendungen hacken, bevor sie installiert sind

  8. Sony

    Online spielen auf der Playstation wird teurer

  9. Quartalszahlen

    Intel meldet Rekordumsatz für zweites Quartal 2017

  10. Deutsche Telekom

    Router-Hacker bekommt Bewährungsstrafe



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Poets One im Test: Kleiner Preamp, großer Sound
Poets One im Test
Kleiner Preamp, großer Sound
  1. Dunkirk Interstellar-Regisseur setzt weiter auf 70mm statt 4K
  2. Umfrage Viele wollen weg von DVB-T2
  3. DVB-T2 Freenet TV will wohl auch über Astra ausstrahlen

Ausprobiert: JPEGmini Pro komprimiert riesige JPEGs um bis zu 80 Prozent
Ausprobiert
JPEGmini Pro komprimiert riesige JPEGs um bis zu 80 Prozent
  1. Google KI erstellt professionelle Panoramen
  2. Bildbearbeitung Google gibt Nik Collection auf

Kryptowährungen: Bitcoin steht vor grundlegenden Änderungen
Kryptowährungen
Bitcoin steht vor grundlegenden Änderungen
  1. Geldwäsche Mutmaßlicher Betreiber von BTC-e angeklagt und festgenommen
  2. Linux-Distributionen Mehr als 90 Prozent der Debian-Pakete reproduzierbar
  3. Kryptowährung Bitcoin notiert auf neuem Rekordhoch

  1. Re: Warum so dicke Luft?

    Seitan-Sushi-Fan | 14:15

  2. Re: Erschwinglich?

    bobb | 14:15

  3. Re: Marketing

    divStar | 14:15

  4. Re: die neuen Skylake lassen grüßen

    DetlevCM | 14:10

  5. Re: Flatpacks

    Dadie | 14:04


  1. 13:25

  2. 13:06

  3. 12:10

  4. 11:27

  5. 10:59

  6. 10:31

  7. 00:56

  8. 16:55


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel