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Internet of Toilets: Hacken am stillen Örtchen

Nichts ist so perfekt, als dass es sich nicht noch verbessern ließe. Das gilt auch für das stille Örtchen, dachten sich wohl einige und hackten Toiletten, Urinale und Spülkästen.

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An der perfekten Toilette wird auch im Internetzeitalter noch gefeilt.
An der perfekten Toilette wird auch im Internetzeitalter noch gefeilt. (Bild: Gemeinfrei)

Das Internet der Toiletten nennt Tobias Preuss seinen Vortrag auf dem 31C3 in Hamburg und warnt gleich vorab, es gehe um menschliche Ausscheidungen. Nun ja, nicht ganz, es geht um den Ort, an dem sie entsorgt werden. Die digitale Revolution macht auch vor dem Klosett nicht halt. Inzwischen gibt es weitgehend automatisierte Toiletten zu kaufen. Sie reinigen sich selbst, haben eine Heizung, einen Geruchsfilter, ein Bidet und lassen sich per Bluetooth steuern. Hacker in aller Welt haben sich aber weitere Funktionen ausgedacht, die sie am stillen Örtchen vermissen. Preuss hat einige davon gesammelt.

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Am MIT ärgerten sich einige Studenten, dass sie aufs Klo gehen wollten, nur um dann festzustellen, dass es bereits besetzt war und sich die anderen Örtlichkeiten am anderen Ende des Saals befanden. Jetzt war eine schwierige Entscheidung fällig: hier warten oder durch den riesigen Lesesaal laufen und möglicherweise wieder vor einer besetzten Kabine stehen? Um das Problem zu umgehen, installierten die gestressten Studenten bereits 2001 ein System, das die Kabinenbelegung im Netz anzeigte. Auf dem Random Hall Bathroom Server lässt sie sich immer noch abrufen.

Verbesserungswürdige Belegungssensoren

Drucksensoren an den Türen registrieren, ob diese offen oder geschlossen sind. Das führte zwar auch häufig zu False Positives, im Großen und Ganzen funktioniert das aber immer noch. Darüber hinaus haben die Studenten noch ein weiteres Bedürfnis vereinfacht. Auf dem gleichen Server lassen sich Webcams abrufen, die die Waschmaschinen auf dem Campus überwachen.

Die am MIT installierte Klosettüberwachung funktioniert, wie erwähnt, nicht einwandfrei, denn wird die Tür versehentlich beim Verlassen geschlossen, meldet das System eine leere Kabine als besetzt. Der von brasilianischen Hackern 2009 entwickelte Infrarotsensor ist da genauer. Er registriert eine Wärmequelle in der Nasszelle. Kernstück des Projekts mit dem bezeichnenden Namen Shithappens ist ein Arduino.

Der Wasserverbrauch der Klospülung

Das Mitteilungsbedürfnis von Toilettenüberwachungen steigerten Nerds 2009 in einem Hackerspace in Toronto: Ein Sensor registrierte, wenn die Klospülung betätigt wurde, und setzte daraufhin einen Tweet ab. Inzwischen twittert die Toilette aber nicht mehr. Im gleichen Jahr kam Mike Newell auf eine ähnliche Idee. Er installierte aber statt eines Sensors einen Bewegungsmelder in seinem Badezimmer. So konnte er auch ohne Überwachungskamera feststellen, ob jemand den Abort benutzt hatte. Bei Toilettenbenutzung setzte das verwendete Arduino ebenfalls einen Tweet ab. Anhand der Zählung und der Kapazität des Klospülbehälters errechnete Newell auch seinen Wasserverbrauch. Ob er sein Skript so erweiterte, dass es auch meldete, wenn sich jemand nach der Klosettbenutzung die Hände nicht gewaschen hat, ist nicht bekannt.

Apropos Wasserverbrauch: Warum nicht das Wasser zum Händewaschen gleich wieder recyceln? Auf diese Idee kam Gregory Lavoie und baute das Waschbecken gleich in den Spülkasten ein. Wird die Klospülung betätigt, fließt Wasser aus dem Hahn und durch den Abfluss wieder in den Spülkasten. In seinem Blog postete Lavoie 2007 eine detaillierte Bauanleitung. Er wurde sogleich darauf hingewiesen, dass es bereits zahlreiche kommerzielle Alternativen gibt.

Twitternde Aborte

Im September 2014 wurde Thomas Ruecker aus Finnland arbeitslos. Als Vorzeigeprojekt für einen potenziellen neuen Arbeitgeber entwickelte er das Projekt Iotoilet, das den Wasserverbrauch seiner Klospülungen misst. Ein Schwimmer aus Styropor, gekoppelt an einen Servomotor samt Potentiometer, registriert den Wasserpegel, eine über Bluetooth angeschlossene Beaglebone-Platine errechnet daraus, wie viel Liter bei einer Spülung im Orkus landen. Das Ergebnis wird per Twitter mitgeteilt - was auch gleichzeitig die täglichen Gänge auf die Toilette verrät.

"Too much Information", mag sich dabei so mancher denken. Und in der Tat gab es zu den Twitter-Projekten diverse kritische Stimmen, etwa in den Kommentaren dazu. Zuschauer berichteten nach dem Vortrag von Fällen, in denen Arbeitgeber anhand der Toilettengänge weiblicher Angestellter deren Schwangerschaft entdeckten und ihnen kündigten, bevor sie ihren Schwangerschaftsurlaub offiziell beantragen konnten.

Zielgenauigkeit spielend verbessern

Ein Hacker-Projekt aus dem Jahr 2002 hat uns besonders gut gefallen: You're in Control. Spricht man den Satz im Englischen aus, klingt er wie Urin Control. Abgesehen von dem schlechten Wortspiel ist auch das Projekt eher kindlich. Per Gamification soll Jungen das gezielte Pullern im Stehen beigebracht werden. Sensoren in einem Pissoir registrieren, wo der Strahl gerade auftrifft und übertragen die Daten an eine Spiele-App in einem Bildschirm an der Wand. Es gilt, einen virtuellen Hamster zu treffen. Dan Maynes-Aminzade und Hayes Solos Raffle haben darauf ein Patent.



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Nasenbaer 31. Dez 2014

Du wolltest es ja wissen: 2.500¤ bis 4.400¤ für die reine Anmeldung, wenn man einen...

oakmann 31. Dez 2014

Er hat nicht ganz unrecht, für ein MIT könnte man schon mehr erwarten, das zu mindestens...

Schattenwerk 30. Dez 2014

Sollte lustig sein oder? Aber ich denke mal, du weißt, dass hacken eigentlich eine...


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