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Internet of Things: Qualcomm zeigt Bastelrechner und Musikstreaming-Lösung

Qualcomm will seinen Anteil am Internet of Things. Dafür wird nicht nur neue Hardware entwickelt, sondern auch umfassende APIs. Bastler könnte eine neue, leistungsfähige Entwicklerplatine interessieren, Musikfans sollten künftig auf das Allplay-Feature achten.
/ Alexander Merz
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Dragonboard 410c (Bild: Alexander Merz/Golem.de)
Dragonboard 410c Bild: Alexander Merz/Golem.de

Viele dürften Qualcomm als Chipproduzenten kennen, das Unternehmen steht etwa hinter der Snapdragon-Prozessor-Serie, die in einer Reihe von Smartphone und Tablets steckt. Doch Qualcomm ist längst kein reiner Hardwarehersteller mehr, wie das Unternehmen auf einer Veranstaltung in San Francisco betonte. Zunehmend werde versucht, umfassende Lösungen für die Vernetzung möglichst vieler Geräte anzubieten. Diese sollen durch entsprechende Anbieter, zum Beispiel von Haushaltselektronik, Medizintechnik und Autos, implementiert werden. Dem Endbenutzer wird der Name Qualcomm also auch weiterhin kaum begegnen. Eine Ausnahme gibt es lediglich für Bastler.

Leistungsfähiges Dragonboard 410c für Bastler

Bereits im März dieses Jahres wurde das Dragonboard 410c(öffnet im neuen Fenster) angekündigt; der Bastelrechner wird auf der Maker Faire Bay Area vom 15. bis 17. Mai bereits öffentlich beworben. Er besitzt einen Snapdragon-400-Prozessor. Dieser besteht aus vier ARM-A53-Kernen, die mit je 1,2 GHz takten. Um die Grafikausgabe per HDMI kümmert sich die Adreno-306-GPU von Qualcomm. Der RAM umfasst 1 GByte, der Flashspeicher ist 8 GByte groß. Verbindung nach außen kann per WLAN (nach 802.11a/b/g/n) und Bluetooth 4.0 erfolgen. Dazu kommt ein GPS-Empfänger. Peripherie kann über zwei USB-Schnittstellen angeschlossen werden.

Diverse GPIO-Funktionen und Bussysteme können über GPIO-Leisten genutzt werden, dafür ist aber unter Umständen ein zusätzliches Breakout-Board notwendig. Zusätzliche Audioausgänge werden ebenfalls per Steckerleiste bereitgestellt. Android 5.1 und Linaro-Linux sollen direkt unterstützt werden, daneben Ubuntu und Windows 10 IoT. Der Preis soll bei 75 US-Dollar liegen.

Auf der Maker Faire zeigte sich auch, dass es bereits zwei Varianten des Boards gibt. Der Unterschied soll aber rein optisch sein und hat keine Auswirkungen auf die Funktionen. Der konkrete Erscheinungstermin ist der 15. Juni, wie Golem.de erfuhr. Der Preis soll 75 US-Dollar betragen.

Synchrone Musik in allen Räumen

Ein Software-Stack von Qualcomm steht hinter Allplay(öffnet im neuen Fenster) . Er ermöglicht es, eine Audioquelle über verschiedene Wiedergabegeräte gleichzeitig abzuspielen und die Wiedergabe über eine Vielzahl von Geräten zu steuern. Die Wiedergabegeräte, in erster Linie Lautsprecher, müssen dafür über WLAN erreichbar sein.

Der Allplay-Stack kümmert sich dabei um die Verteilung des Audiostreams zwischen den Geräten. Mindestens eines der Geräte muss dabei die Rolle eines Hosts übernehmen. Wenn dieser Bluetooth unterstützt, ist die Steuerung der Wiedergabe auch darüber möglich. Der Host muss sich nicht allein um die Verteilung des Audiostreams kümmern, jedes beteiligte Gerät soll den Stream gleichfalls an verbundene Geräte weiterleiten können.

Mit dem System soll sich eine Reihe von Szenarien umsetzen lassen. Neben der Funktion, Musik zum Beispiel von einem MP3-Player in alle Räume einer Wohnung zu übertragen, sollen sich auch mehrere Lautsprecher innerhalb einer sogenannten Zone zu einem Stereobetrieb zusammenstellen lassen. Qualcomm weist darauf hin, dass es gelungen sei, bei der aktuellen Version Latenzprobleme weitgehend zu unterbinden, die Verzögerung soll nicht mehr als 5 ms betragen.

Von Qualcomm selbst wird es keine fertigen Produkte mit dieser Technik geben, nur von Herstellern, die diese Technik implementieren. In Deutschland wird diese Technik zum Beispiel von Medion(öffnet im neuen Fenster) bereits angeboten, eine ältere Variante von Allplay wird von Panasonic(öffnet im neuen Fenster) benutzt.

Allplay setzt auf Alljoyn(öffnet im neuen Fenster) auf, einem Open-Source-Software-Framework für das Internet of Things. Zum einem soll das die Integration mit anderen Alljoyn-basierten Anwendungen und Oberflächen erlauben, zum anderen verhindert das laut Qualcomm herstellerspezifische Alleingänge bei der Umsetzung von Audio-Streaming-Funktionen. Alljoyn stammt ebenfalls ursprünglich von Qualcomm, wird aber mittlerweile von der Allseen Alliance betreut.

Medizindaten in der Cloud

Mit 2net(öffnet im neuen Fenster) adressiert Qualcomm explizit den Medizinsektor. Dabei handelt es sich um eine Cloud-Lösung, bei der durch drahtlose Untersuchungsgeräte (Wearables) ermittelte Biowerte des Patienten zum behandelnden Arzt übertragen werden können. Qualcomm bietet hierfür nicht nur die entsprechenden Hardwarechips an, sondern will ebenfalls die notwendigen Cloud-Kapazitäten bereithalten.

Dabei geht es weniger darum, die Kabel im Untersuchungszimmer des Arztes abzuschaffen, sondern den Patienten überwachen zu können, wenn er nicht unter unmittelbarer medizinischer Aufsicht steht. Der Unterschied zum Fitnessarmband, das seine Daten zu Facebook überträgt, besteht dabei nicht unbedingt in der verwendeten Technik, sondern vor allem in der versprochenen durchgängigen Verschlüsselung der Daten zwischen den Beteiligten und der Einhaltung gesetzlicher Regularien für medizinische Geräte sowie den Datenschutz. Darum will Qualcomm 2net vorerst nur in Nordamerika und Europa anbieten.


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