Internet: Lädt noch

Der Bund fördert mit Milliarden das Internet auf dem Land. Doch wo der Staat nicht einspringt, versagt der Markt. Zu Besuch in Schlamberg, wo es fast kein Internet gibt.

Artikel veröffentlicht am
Fast kein Netz im Schlamberg
Fast kein Netz im Schlamberg (Bild: Martin Wolf/Golem.de (Montage))

An einem Samstagnachmittag Ende Mai setzen sich Hubert und Birgit Heinrich an ihren Computer, um nachzuschauen, wie abgehängt sie von der digitalen Welt sind. Hubert Heinrich, 34 Jahre alt, Prozessentwickler bei einem Autozulieferer, kurze dunkelblonde Haare, tippt die Adresse der Computer Bild in den Browser. Dort gibt es eine Service-Seite, auf der man messen kann, wie langsam das eigene Internet läuft.

Inhalt:
  1. Internet: Lädt noch
  2. Die Macht liegt bei den Unternehmen

Nach einigen Sekunden meldet die Seite das Ergebnis: extrem langsam. Von 105.912 Personen in Deutschland, die in dieser Woche den Test gemacht haben, landet Heinrichs Internetanschluss auf Platz 100.984. Birgit Heinrich fragt: "Wie kann das sein, in einem Land wie Deutschland?"

Sieben Stunden für drei Gigabyte

Immerhin 40 Euro zahlen die Heinrichs im Monat für ihren Internetanschluss. 16.000 KBit schnell sollte das Netz sein - was ohnehin nicht viel ist. Tatsächlich sind es jedoch nur 1.400 bis 1.800. Für Mails und Onlinebestellungen reicht das noch aus. Wenn Hubert Heinrich aber Youtube-Filme schauen will, lädt der Film meist so oft nach, dass Heinrich entnervt den Laptop zuklappt. Auch Serien auf Netflix oder die Mediatheken der Fernsehsender laufen zu langsam. Kürzlich wollte Hubert Heinrich einem Freund Fotos schicken, drei Gigabyte groß. Um die Bilder ins Netz zu laden, hätte er sechs oder sieben Stunden warten müssen. Also fuhr er mit dem Auto hin, die Fotos auf einem Stick.

Das Netz in dem Ort Schlamberg in Niederbayern - es ist schnell genug, um es zu kündigen. Es ist aber zu langsam, um es einen Anschluss an die Welt zu nennen.

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Das Internet gilt als Medium, das Teilhabe ermöglicht, selbst in den entlegensten Regionen der Erde. Doch Deutschland hinkt beim Ausbau leistungsstarker Breitbandnetze hinterher, vor allem auf dem Land. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigte in diesem Jahr: Nur rund ein Drittel der Haushalte auf dem Land können derzeit mit einem Zugang zu Internetanschlüssen rechnen, der schneller als 30 Mbit/Sekunde läuft. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich auf Rang 15, hinter Litauen. Noch schlechter fällt die Bilanz beim Ausbau der schnellen Glasfasernetze aus. Deutschland landet hier auf Platz 22. Kaum ein anderes Land in Europa ist schlechter.

So ziehen die Netzgeschwindigkeiten in Deutschland noch immer scharfe Grenzen zwischen Stadt und Land. In Berlin-Mitte heißt im Internet zu sein: Netflix-Serien streamen oder bei Amazon Prime Videos zu schauen. In Schlamberg bedeutet Internet: Lädt die Seite noch?

Homeoffice ist nicht möglich

Dass es kaum Netz gebe, sagt Hubert Heinrich, sei nicht nur in der Freizeit ein Problem. Hubert und Birgit Heinrich haben gerade ihr erstes Kind bekommen. Birgit Heinrich, ein Jahr jünger als ihr Mann, arbeitet als Fachangestellte bei einem Automobilzulieferer. Im Moment ist sie zu Hause und kümmert sich um das Kind. Wenn das Netz es zuließe, könnte sie im Homeoffice arbeiten und so langsam wieder in den Beruf finden. "Für die Alten im Ort mag es kein Problem sein, dass das Internet langsam ist", sagt Birgit Heinrich. "Für die Jüngeren ist es eins."

Doch gibt es wirklich keine Alternativen? Eine Familie im Nachbarort hat unlängst gehandelt und sich eine Antenne aufs Dach gebaut. Jetzt bekommt sie das Internet über Funk. Auch die Heinrichs könnten sich einen Anschluss via Mobilfunk oder Satellit organisieren. Nur kostet so etwas extra. Die Heinrichs zahlen schon für einen Vertrag, der Festnetz und Internet bringen soll. Sie sehen nicht ein, warum sie sich jetzt selbst um mehr kümmern sollen.

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Die Macht liegt bei den Unternehmen 
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neocron 26. Jun 2017

nein, immer noch nicht ... nein, geht er nicht, weshalb es eine Moeglichkeit gibt ueber...

samielis 22. Jun 2017

Vor allem ist das Problem mit hybrid das die Telekom keine mindestgeschwindigkeit...

SmilingStar 22. Jun 2017

Danke für den Hinweis, da findet man ja aller Hand zum Notleidenden. Was mir danach bei...

RipClaw 22. Jun 2017

Da musst du schon mindestens 6-10 Haushalte zum Mitmachen bewegen um die Kosten pro...



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