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Fast kein Netz im Schlamberg
Fast kein Netz im Schlamberg (Bild: Martin Wolf/Golem.de (Montage))

Die Macht liegt bei den Unternehmen

Zwar fördert der Bund mittlerweile den Breitbandausbau auf dem Land. Bis 2018 soll es in ganz Deutschland schnelles Internet mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde geben - so lautet das Versprechen. Auch Bayerns Finanz- und Heimatminister Markus Söder wirbt für sein Breitband-Förderprogramm, für das der Staat insgesamt 1,5 Milliarden Euro bereitstellt. Offiziell sind 97 Prozent der bayerischen Gemeinden im Förderverfahren, rund 27.000 Kilometer Glasfaserleitungen sollen in den nächsten Jahren verlegt werden. Seit Ende 2013 seien in Bayern mehr als 1,1 Millionen Haushalte an das schnelle Internet angeschlossen worden.

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Doch dort, wo der Segen des schnellen Netzes ankommen soll, sieht man die Sache nüchterner. Alfred Holzner, der Bürgermeister von Rottenburg, zum Beispiel ist skeptisch. Was am Ende bei den Milliarden aus München rauskomme? "Muss man erst mal sehen." Ein Problem sei ohnehin, dass zwar viel Staatsgeld fließe, die Macht über das Netz aber weiter bei den Unternehmen liege, sagt Holzner.

70.000 Euro für einen Kilometer

Hinzu kommt: Orte wie Schlamberg sind gar nicht im Förderprogramm. Und dort, wo der Staat nicht hinkommt, regiert der Markt, der sich nur nach Angebot und Nachfrage richtet, nicht nach den Bedürfnissen der Bürger. Ein Acht-Häuser-Dorf mit schnellem Internet zu versorgen ist komplex und teuer. Ungefähr 70.000 Euro kostet ein Kilometer Glasfaserkabel. Aus Sicht der Unternehmen ist das in entlegenen Ortschaften eine sinnlose Investition. Die Rechnung ist einfach: Wie viele Kunden lassen sich gewinnen? Und wie viele der alten Menschen dort wollen überhaupt Internet? Was lässt sich da letztlich noch verdienen?

Und dann ist da noch die Geografie: Je weiter die Daten über Kupferkabel laufen, desto mehr Geschwindigkeit geht verloren. Ein Sprecher der Telekom drückt es so aus: "Je schöner die Leute leben, desto schwieriger ist die Versorgung." Schlamberg liegt einige Kilometer entfernt vom nächsten Kabelverzweiger in Rottenburg. Dort kommt eine Glasfaserleitung an, dort ist das Internet schnell. Doch je länger die Daten von hier durch die Leitung müssen, desto langsamer wird das Netz. Die Stadt Rottenburg hatte deshalb gehofft, dass der Bau eines neuen Kabelverzweigers in der Nähe das Problem löst. Gebaut werden sollte er mit dem Geld aus Söders Förderprogramm. Im März 2016 hätte alles fertig sein sollen. Nur wurde der Kabelverzweiger bisher noch nicht gebaut.

Grund dafür ist ein Streit um Infrastruktur und Daten. Und es geht um strenge Wettbewerbsregeln, die auch in anderen Teilen Deutschlands den Ausbau hemmen. Sie machten es in Rottenburg nötig, dass die Kommune den Ausbau des Kabelverzweigers ausschrieb, damit der günstigste Anbieter zum Zug kommen konnte. Die Ausschreibung gewann ein kleines Unternehmen namens Amplus.

Telekom vs. Amplus

Doch damit gingen die Probleme erst los. Denn die Telekom muss die Infrastruktur, die sie in der Gegend unterhält, für andere Firmen erst freigegeben. Die Telekom sagt aber, Amplus liefere nicht die korrekten Daten, was Amplus bestreitet. Seither gibt es Streit und Stillstand. Die Stadt Rottenburg argumentiert, auch im restlichen Erschließungsgebiet hätten die Bürger nicht die versprochenen 30 Mbit/s. Amplus behauptet das Gegenteil. So steht die Kommune Rottenburg zwischen zwei Anbietern und hat selbst keine Möglichkeit, die Sache voranzutreiben.

"Da reden's immer von gleichen Lebensbedingungen - aber die kommen nicht", sagt Brigitta Weinzierl. Ein paar Meter vom Haus der Heinrichs entfernt sitzt die 70-Jährige auf einer Bierbank vor dem Gasthof, der ihren Namen trägt. "Das sind alles nur Sprechblasen vor der Wahl, damit die Landbevölkerung ihnen die Stimmen gibt." Es lebten schlicht zu wenige Leute auf dem Land, um genug Druck auszuüben, sagt Weinzierl. Die Politik und die Internetanbieter, sie könnten deshalb machen, was sie wollten.

Auf dem gepflasterten Platz vor der Gaststätte sitzen die Stammgäste aus den umliegenden Orten. Sie kommen hierher, weil fast alle anderen Gaststätten schon geschlossen haben. Zu Weinzierl kommen die Leute, auch wenn es im Gasthof keinen Internetanschluss gibt, geschweige denn eine Homepage. Internet ist Schnickschnack, findet Brigitta Weinzierl. Die Menschen sollten Bücher und Zeitung lesen, nicht Google. "Ich kann mir wünschen, was ich will - die Jungen hier werden keine Chancen haben", sagt Brigitta Weinzierl. Es klingt fatalistisch. Ob nun schnelles Netz oder nicht - die großen Chancen würden eh nicht nach Schlamberg kommen.

Vor solchen Sätzen fürchten sich Politiker in Niederbayern. Davor, dass es am Ende heißt: "Natürlich funktioniert das Internet nicht, da im rückständigen Wald. Muss es ja auch nicht, da sterben die Leute eh aus."

Hubert Heinrich sieht das anders. Und er dreht das Argument um: Für die meisten Jungen sei ein Leben ohne Internet heute unvorstellbar, sagt er. Wie aber solle die Alterung auf dem Land gestoppt werden, wenn die Jungen nicht herziehen? Die jungen Familien, denen die Grundstückspreise in den Städten mittlerweile zu hoch sind und für die ein Leben auf dem Land eigentlich attraktiv wäre? Ein schnelles Netz könnte helfen, die Lebensbedingungen zwischen Land und Stadt auf Dauer anzugleichen. In Schlamberg wird man darauf noch etwas warten müssen.

 Internet: Lädt noch

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neocron 26. Jun 2017

nein, immer noch nicht ... nein, geht er nicht, weshalb es eine Moeglichkeit gibt ueber...

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samielis 22. Jun 2017

Vor allem ist das Problem mit hybrid das die Telekom keine mindestgeschwindigkeit...

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SmilingStar 22. Jun 2017

Danke für den Hinweis, da findet man ja aller Hand zum Notleidenden. Was mir danach bei...

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RipClaw 22. Jun 2017

Da musst du schon mindestens 6-10 Haushalte zum Mitmachen bewegen um die Kosten pro...

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RipClaw 22. Jun 2017

Auf die Karte kann man sich leider nicht verlassen. Die zeigt bei mir auch an das der...

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