Internet: IPv6 bei nur 0,6 Prozent des gesamten Datenverkehrs
Forscher haben die Verbreitung von IPv6 untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass das neue Internet-Protokoll in der weltweiten Infrastruktur zwar ausreichend unterstützt wird. Der eigentliche IPv6-Traffic ist hingegen im Vergleich mit dem IPv4-Datenverkehr noch sehr gering. Er habe in den vergangenen zwei Jahren jedoch deutlich zugenommen, schreiben Forscher von der Universität Michigan, dem International Computer Science Institute, Arbor Networks und Verisign Labs in einem Bericht(öffnet im neuen Fenster) .
Der statistische Bericht untersucht sämtliche Teilbereiche der Infrastruktur des Internets, darunter DNS, die Vergabe von IPv6-Adressblöcken durch Registrare und schließlich auch die Anzahl der Webseiten, die über IPv6 erreichbar sind sowie den über IPv6 laufenden Datenverkehr. Ende 2013 erfolgten 0,6 Prozent des gesamten Datenverkehrs im Internet über IPv6. Der Anteil ist immer noch verschwindend gering, stieg aber seit 2010 um 433 Prozent.
Vor allem Webseiten nutzen IPv6
Der Datenverkehr über HTTP und HTTPS machte 95 Prozent des IPv6-Traffics aus. Demnach sind es vor allem Webseiten, die über das neue Protokoll ausgeliefert werden. Allerdings verrät die Forschungsarbeit auch, dass lediglich 3,5 Prozent der populärsten 10.000 Webseiten IPv6 anbieten. 2011 waren es weniger als ein halbes Prozent. Die Liste der Webseiten stammt vom Webdienst Alexa. In den Top 500 sind es laut Ars Technica(öffnet im neuen Fenster) bereits mehr als 23 Prozent. Das dürfte auch den Initiativen von Facebook, Google, Microsoft, Yahoo und weiteren Internetdiensten geschuldet sein, die zum IPv6-Day 2012 IPv6 dauerhaft aktivierten.
Inzwischen bestehen 97 Prozent des IPv6-Traffics aus nativen IPv6-Paketen, die also beispielsweise nicht über IPv4 getunnelt werden. Auch einen Leitungsvergleich haben die Forscher gewagt, obwohl sie einschränken, dass ihre Erhebungen keine verlässliche Aussage darüber erlauben, ob IPv6 generell schneller ist als IPv4. Immerhin konnten sie feststellen, dass IPv6-Pakete seit 2010 um etwa ein Fünftel schneller durch das Netz laufen.
Die Infrastruktur für IPv6 sei bereits weitgehend umgesetzt, heißt es weiter in der Forschungsarbeit. Von den großen DNS-Servern, die über IPv4 erreichbar sind, übersetzen immerhin 90 Prozent solche Anfragen – sogenannte AAAA Resource Records – auch in IPv6-Adressen. Fast 100 Prozent der über IPv6 erreichbaren DNS-Server übersetzen umgekehrt auch in IPv4-Adressen über A Resource Records. Damit ist auch der duale Betrieb von IPv4 und IPv6 gewährleistet, der für die Übergangszeit nötig ist.
Wenig IPv6-Adressblöcke vergeben
Vor 2007 wurden monatlich lediglich 30 IPv6-Adressblöcke vergeben. Gegenwärtig seien es 300, so die Studie. Insgesamt seien es bereits über 18.000. Das ist vergleichsweise wenig, immerhin werden monatlich immer noch 500 IPv4-Adressblöcke vergeben. Insgesamt seien es aktuell 136.000 Adressblöcke.
Die reservierten Adressblöcke werden von Providern wiederum unterteilt und an die Kunden weitergegeben. Damit sie erreichbar sind, müssen sie im globalen Routing-System eingetragen sein. Die Zahl der IPv6-Adressblöcke, die in den globalen Routing-Tabellen eingetragen sind, stieg von 500 im Jahr 2004 auf aktuell 19.000. Bei den IPv4-Adressblöcken stieg die Zahl im gleichen Zeitraum allerdings von 153.000 auf 578.000. Die Anzahl der einzelnen IP-Adressen in IPv6-Adressblöcken ist aber deutlich höher als in denen bei IPv4.
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