Ein neuer Herausforderer: Google Chrome

Als Google 2008 den neuen Chrome-Browser vorstellte, hatte ich meinen Internet Explorer bereits auf diverse Weisen angepasst. Custom-Skins und etliche Add-ons ließen nicht mehr viel von Microsofts grauem und aus heutiger Sicht eher tristen Browser durchscheinen. Vielleicht lag es auch an den ganzen Veränderungen und Mods, aber mir kam der auf MSHTML basierende Internet Explorer mittlerweile sehr träge vor.

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Ich probierte Google Chrome direkt aus und musste feststellen: So schnell kann also Webbrowsing aussehen. Nach langen Jahren trennte ich mich vom blauen E und klickte fortan auf den rot-gelb-grünen Kreis. Das galt für mich, als techaffiner junger Mensch. Viele andere Personen klickten weiterhin auf den in Windows integrierten Browser.

Selbst in Windows 7 war der Internet Explorer noch Standard. Später integrierte Microsoft den Browser auch im wenig erfolgreichen Windows 8 - hier als touch-optimierte Version - und in mobilen Betriebssystemen wie Windows Phone 7 und Windows CE.

Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis ich Microsofts mittlerweile unbeliebten Browser wiedersehen würde. Nach meinem Abitur und diversen Praktika arbeitete ich als Auszubildender bei einem großen Konzern. Was machen große Konzerne? Sie nutzen möglichst Software, die bewährt und getestet ist und stellen ungern auf neue Programme um. Zumindest war das im Jahr 2012 noch so.

Internet Explorer, der Malware-Magnet

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Entsprechend betreute ich viele Computer mit Windows XP, ja im Jahr 2012, und Internet Explorer. Der machte natürlich nur noch Probleme. Das lag teils am Internet Explorer, teils aber auch an den Mitarbeitern selbst, die auf dubiosen Webseiten in ihrer Freizeit unterwegs waren und sich Malware in Form von PDF-Konvertern oder Add-ons herunterluden.

Internet Explorer war durch seine langjährige prominente Marktstellung ein beliebtes Ziel für solche Malware-Angriffe und entsprechend eher unsicher. Diverse Sicherheitsfunktionen wie das Erzwingen von HTTPs, Zweifaktorauthentifizierungen, Passwortmanager oder Malwarescans wurden damals noch kaum umgesetzt.

Ich konnte die Mitarbeiter allerdings nicht für den Umstieg auf andere Browser begeistern. Schließlich war der Internet Explorer für sie bekanntes Terrain, wie für mein jüngeres Ich zuvor. Dazu kam, dass mein damaliger Arbeitgeber diverse Tools auf Basis von MSHTML für den Internet Explorer programmierte. Es ging gar nicht ohne die mittlerweile alternde Software.

Internet Explorer, der Browser-Zombie

Das ist übrigens auch heute noch ein Problem für Microsoft: Erst wollte der Konzern mit dem ebenfalls auf MSHTML basierenden Microsoft Edge vom Internet Explorer ablenken. Später führte das Unternehmen den auf Chromium aufbauenden Microsoft Edge ein, der dem mittlerweile deutlichen Marktführer Google Chrome ähnlich ist. Der Internet Explorer lebte aber durch die weite Verbreitung in Unternehmen und deren Abhängigkeit davon weiter - als eine Art Zombie-Browser, der nicht sterben will.

Microsoft Edge hat es durch die vielen Anpassungen mittlerweile geschafft, sich in seiner Verbreitung zumindest auf einer Ebene mit Mozilla Firefox und Safari zu stellen. Davon konnte der Internet Explorer Ende der 2010er Jahre nur träumen. Da ist es nur verständlich, dass Microsoft den Support für den Internet Explorer nach 27 Jahren des Aufstiegs und langsamen Abstiegs nun einstellt.

Ich zumindest erinnere mich gern an den grauen und tristen Browser zurück, der mir das Tor zum Internet geöffnet hat. Doch ist er wirklich tot? Nicht ganz. Um die Zombie-Metapher erneut aufzugreifen: Der Browser schlurft weiter durch proprietäre Systeme, bis Microsoft ihn 2029 mit dem Support-Ende von Windows 10 LTSC endgültig unter viel Erde vergräbt.

Zumindest kann das Programm niemanden mehr infizieren. Diese Aufgabe übernimmt nun Google Chrome - mit Hunger auf Daten.

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 Internet Explorer: Vom Sieger zum Verlierer in 27 Jahren
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Lachser 19. Jun 2022 / Themenstart

ActiveX, keine Sicherheitskontrollen, und vor allem: sie Möglichkeit, Toolbars etc...

Lachser 19. Jun 2022 / Themenstart

Zustimmung. Man muss halt Microsoft verstehen. Für sie war nicht das W3C der Standard...

ibsi 16. Jun 2022 / Themenstart

AFAIK war Age of Empires 1 und 2 dann auch noch IPX. Bin der Meinung da hatte ich einen...

rjsedv 16. Jun 2022 / Themenstart

Stimmt. Wer nicht musste, hat doch nie mit dieser Krücke gearbeitet. Running gag, wenn...

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