• IT-Karriere:
  • Services:

Das Internet braucht kein neues Internet

Dass sich die Initiativen, also NIN und New IP oder auch ähnliche, langfristig durchsetzen werden, erscheint äußerst unwahrscheinlich. Denn Kritik erfahren diese Bemühungen vor allem von jenen Organisationen, die seit jeher das Internet weiterentwickeln, wie die Internet Society (ISOC) und die Internet Engineering Task Force (IETF).

Stellenmarkt
  1. ABUS Security Center GmbH & Co. KG, Affing
  2. LÖWEN ENTERTAINMENT GmbH, Bingen am Rhein (Großraum Mainz)

Die ISOC sieht in diesen Vorstößen vor allem die Gefahr, dass die Entwicklung eines neuen Protokollsystems in mehreren nicht-interoperablen Netzwerken enden würde. Also eben genau in dem Szenario, welches das Internet im Wortsinne eigentlich genau verhindern soll, also die Verknüpfung mehrerer Netze. Eine ähnlich fundamentale Kritik erhält der Vorschlag auch vom Ripe NCC, der für Eurasien zuständigen Regional Internet Registry.

Die ISOC fordert die beteiligten Unternehmen deshalb dazu auf, sich aktiv an einer Zusammenarbeit in den entsprechenden Gremien zu beteiligten, damit eventuelle Probleme tatsächlich gemeinsam gelöst werden könnten.

Zusammenarbeit für die Zukunft

Dies geschieht bereits seit einigen Jahren mehr oder weniger koordiniert innerhalb der IETF, die für die Entwicklung der Internetprotokolle zuständig ist, mit den sogenannten Liaisons. Dabei handelt es sich um die Pflege von Beziehungen zu und den Austausch mit anderen Standardisierungsgremien wie der IEEE oder eben auch der für diese Debatte wichtigen ITU-T sowie der 3GPP, dem Konsortium, das die Mobilfunktechniken wie LTE oder 5G standardisiert.

In einer Stellungnahme an die ITU-T im Rahmen dieser Liaison schreibt die aktuelle IETF-Vorsitzende Alissa Cooper darüber hinaus, dass einige der als Teil der New-IP-Initiative vorgetragenen Punkte "nicht auf Fakten gestützt oder falsch" seien. Cooper schreibt außerdem, dass die IETF weiter davon überzeugt sei, dass die genutzten Protokolle sich auch künftig ebenso dynamisch an die Anforderungen anpassen werden wie bereits in den vergangenen 50 Jahren.

Weiter heißt es: "Wir haben keine Beweise für die Notwendigkeit eines monolithischen New-IP-Ansatzes gesehen, der von oben herab gestaltet wird". Es ist nicht davon auszugehen, dass die IETF diese Position grundlegend ändert. Neue Protokolle oder zumindest die Überarbeitung bestehender Techniken werden also nur mit der IETF möglich sein, nicht an ihr vorbei.

Gegenposition auch aus der Politik

Zusätzlich zu dieser technischen Ebene bleibt aber auch noch die politische Ebene. Doch auch hier scheint klar, dass Alleingänge des Etsi oder von chinesischen Interessenvertretern über die ITU-T mit entsprechender Gegenwehr zu rechnen haben. Das hat so zum Beispiel auch bereits die Europäische Kommission angekündigt.

Auf der kommenden World Telecommunication Standardisation Assembly (WTSA) will sich die Kommission entsprechend positionieren. Die WTSA findet alle vier Jahre statt und dient als Gremium, um die Richtlinien der ITU-T festzulegen. Die nächste WTSA ist noch für den Herbst geplant. Dabei will die Kommission laut der kurzen Antwort auf eine Parlamentsanfrage den offenen, neutralen und vor allem unfragmentierten Ansatz des bisherigen Internets verteidigen.

Angesichts dieser technischen wie auch politischen Kritik ist jetzt schon klar, dass es für Initiativen wie New IP und ähnliche alles andere als leicht wird, sich durchzusetzen. Damit wird sich letztlich wohl aber auch nur das wiederholen, was bereits bei ähnlichen Projekten in der Vergangenheit geschehen ist: Das Internet als zentrale Verbindung vieler kleinerer Netze bleibt bestehen und wird in einem offenen Verfahren mit den Beteiligten weiterentwickelt.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Internet der Zukunft: Niemand hat die Absicht, IP zu ersetzen
  1.  
  2. 1
  3. 2


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. täglich neue Deals bei Alternate.de
  2. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)

isaccdr 27. Jun 2020

Der Kern meiner Aussage ist doch, dass es keine echte Community mehr wie früher gibt. Ja...

LRM 26. Jun 2020

Weil unsere von Lobbyisten gekauften Politiker wie man ja auch beim Lieben Phillip Amthor...

/mecki78 26. Jun 2020

Das Internet ist nicht kaputt, es gibt also keinen technischen Grund es reparieren oder...

twil 26. Jun 2020

Ich weiß, es ist wie immer am Ende einer Annahme der Wunsch, die Hoffnung oder Erwartung...

User_x 26. Jun 2020

Eine Telefonnummer ist fixiert. Fällt dort ein Knotenpunkt weg, ist die Leitung weg. Eine...


Folgen Sie uns
       


Core i7-1185G7 (Tiger Lake) im Test: Gut gebrüllt, Intel
Core i7-1185G7 (Tiger Lake) im Test
Gut gebrüllt, Intel

Dank vier äußerst schneller CPU-Kerne und überraschend flotter iGPU gibt Tiger Lake verglichen zu AMDs Ryzen 4000 eine gute Figur ab.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Tiger Lake Überblick zu Intels 11th-Gen-Laptops
  2. Project Athena 2.0 Evo-Ultrabooks gibt es nur mit Windows 10
  3. Ultrabook-Chip Das kann Intels Tiger Lake

Verkehrswende: Zaubertechnologie statt Citybahn
Verkehrswende
Zaubertechnologie statt Citybahn

In Wiesbaden wird um den Bau einer Straßenbahn gestritten, eine Bürgerinitiative kämpft mit sehr kuriosen Argumenten dagegen.
Eine Recherche von Hanno Böck

  1. Fernbus Roadjet mit zwei WLANs und Maskenerkennung gegen Flixbus
  2. Mobilität Wie sinnvoll sind synthetische Kraftstoffe?

Burnout im IT-Job: Mit den Haien schwimmen
Burnout im IT-Job
Mit den Haien schwimmen

Unter Druck bricht ein Webentwickler zusammen - zerrieben von zu eng getakteten Projekten. Obwohl die IT-Branche psychische Belastungen als Problem erkannt hat, lässt sie Beschäftigte oft allein.
Eine Reportage von Miriam Binner


      •  /