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Interne E-Mails: Facebook möchte Datenlecks normalisieren

Laut einer internen E-Mail möchte Facebook Datenlecks durch Scraping als branchenübliches Problem darstellen, statt die Nutzer zu schützen.
/ Moritz Tremmel
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Datenlecks gehören bei Facebook einfach dazu ... (Bild: Pixabay/Facebook/Montage: Golem.de)
Datenlecks gehören bei Facebook einfach dazu ... Bild: Pixabay/Facebook/Montage: Golem.de

Nach einem Datenleck mit 533 Millionen Betroffenen rechnet Facebook mit weiteren Lecks und möchte den Vorfall als branchenübliches Problem framen, statt es zu beheben oder die Betroffenen zu informieren - obwohl Facebook seit Jahren von dem Datenleck weiß.

Das geht aus internen E-Mails hervor, aus denen das belgische Magazin Knack(öffnet im neuen Fenster) zitiert. Die E-Mail hatte das Magazin versehentlich von Facebook erhalten, nachdem es eine Anfrage zu dem Ablauf des Datenlecks gestellt hatte.

Demnach will Facebook keine weitere Aussagen zu dem Thema machen, weil das Unternehmen erwartet, dass die Aufmerksamkeit der Presse für das Problem verschwinden wird. "Langfristig erwarten wir mehr Scraping-Vorfälle," heißt es in der am 8. April verschickten E-Mail eines Kommunikationsbeauftragten von Facebook, die sich an die PR-Angestellten des Unternehmens in EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) richtet.

Facebook will Scraping als Branchenproblem darstellen

"Es ist wichtig, dies als Branchenproblem zu definieren und den Fakt, dass so etwas regelmäßig geschieht, zu normalisieren. Zu diesem Zweck schlägt das Team in den kommenden Wochen einen Follow-up-Beitrag vor, der ausführlicher über unsere Anti-Scraping-Arbeit spricht und mehr Transparenz über die hier geleistete Arbeit bietet," geht es in der E-Mail weiter.

Dies werde einen Großteil der Scraping-Aktivitäten widerspiegeln. Man hoffe, dass dies dazu beitrage, die Kritik an Facebook zu verhindern, das Unternehmen sei bei bestimmten Vorfällen nicht transparent.

Kurze Zeit später verschickte Facebook ein Pressestatement, in dem es auf ähnliche Datenlecks bei Linkedin und Clubhouse verweist: "Wie Linkedin und Clubhouse gezeigt haben, kann kein Unternehmen Scraping vollständig eliminieren oder verhindern, dass solche Datensätze auftauchen." Man verstehe die Sorgen der Nutzerschaft, werde Maßnahmen gegen Scraping erlassen und die scrapenden Personen verfolgen.

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Whatsapp ermöglicht Scraping explizit

Ironischerweise will die Facebook-Tochter Whatsapp das Scraping des Onlinestatus jedoch nicht verhindern , obwohl seit Jahren auf das Problem hingewiesen wird. So lässt sich bis heute nicht verhindern, dass (Ex)-Partner, Stalker oder sonstige Personen überwachen können, wann Betroffene Whatsapp verwenden.

Beim Scraping werden massenhaft Informationen bei einem Dienst abgefragt, die im Falle von Telefonnummern auf Facebook eigentlich nicht öffentlich einsehbar waren. Rund 9 Millionen Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind von dem Datenleck betroffen, darunter auch Bundestagsabgeordnete und Prominente. Teil des Datenlecks sind neben den Nutzernamen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern auch Geschlecht, Beruf, Stadt, Land und Beziehungsstatus.


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