Interne Dokumente geleakt: Ohne Newsfeed-Algorithmus wäre Facebook zu langweilig

Facebook hält trotz Kritik an seinem Newsfeed-Algorithmus fest. Ein Leak zeigt: Ohne diesen würden die Nutzer wohl davonlaufen.

Artikel veröffentlicht am , Manuel Bauer
Ohne seinen Newsfeed-Algorithmus scheint Facebook nicht zu funktionieren.
Ohne seinen Newsfeed-Algorithmus scheint Facebook nicht zu funktionieren. (Bild: KIRILL KUDRYAVTSEV via Getty Images)

Facebook hat in Tests mehrfach festgestellt, dass ein Abschalten des Algorithmus zur automatischen Kuratierung des Newsfeeds die Nutzererfahrung drastisch verschlechtert. Das geht laut Washington Post aus internen Dokumenten hervor, die von der Whistleblowerin Frances Haugen veröffentlicht wurden.

Stellenmarkt
  1. UI Designer / Webentwickler (m/w/d) im Bereich Software Entwicklung
    ASCon Systems GmbH, Stuttgart, Mainz, München
  2. Application Manager (m/w/d)
    Intrum Deutschland GmbH, Heppenheim
Detailsuche

Demnach stellte der mittlerweile unter der Bezeichung Meta firmierende Konzern in mindestens zwei Versuchen fest, dass Nutzerinnen und Nutzer sich deutlich kürzer und seltener bei Facebook aufhielten, wenn sie einen unkuratierten und chronologischen Newsfeed angezeigt bekamen.

Auch die Interaktionsbereitschaft etwa zum Kommentieren von Beiträgen und Abgeben von Likes sei in diesem Zusammenhang stark zurückgegangen. Über einen längeren Zeitraum habe das Interesse der beobachteten Nutzerinnen und Nutzer am sozialen Netzwerk stetig abgenommen, die Besuche seien immer seltener geworden.

Newsfeed-Algorithmus in der Kritik

Frances Haugen wirft Facebook vor, dass der kuratierte Newsfeed und das automatisierte Ranking-System für attraktive Inhalte der Hauptgrund dafür seien, dass das Netzwerk zur Verbreitung von Falschmeldungen und der Radikalisierung einzelner Nutzer beiträgt. Das nehme der Konzern billigend in Kauf, um seine Profite zu steigern.

Golem Akademie
  1. Unity Basiswissen: virtueller Drei-Tage-Workshop
    7.–9. Februar 2022, Virtuell
  2. Microsoft Dynamics 365 Guides mit HoloLens 2: virtueller Ein-Tages-Workshop
    16. Februar 2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

In den USA bereiten laut des Berichts mehrere Gesetzgeber Regelungen vor, nach denen soziale Netzwerke ihren Nutzern die Option einräumen müssen, unkuratierte Newsfeeds angezeigt zu bekommen. Facebook wehrt sich gegen diese Forderung. Das Unternehmen begründet seine Haltung damit, dass der Algorithmus wie ein Spam-Filter arbeite. Ohne ihn würden im Newsfeed noch mehr Hetzbotschaften und Falschinformationen angezeigt.

Experten kritisieren wiederum, das liege daran, dass die gesamte Facebook-Erfahrung auf dem System automatisch kuratierter Inhalte aufbaue. Das Unternehmen habe sein Netzwerk schlicht nicht darauf ausgelegt, ohne Ranking-Algorithmen zu funktionieren.

Forscher zeigen: Es geht auch ohne Algorithmus

Forscher der University of Illinois haben in einem Experiment nachgewiesen, dass ein soziales Netzwerk ohne den Anspruch auf permanentes Wachstum und Gewinnoptimierung problemlos ohne Algorithmen und Belohnungssysteme wie Likes auskommt und sich Schwierigkeiten wie Hetzbotschaften und Falschinformationen in einem solchen gar nicht erst in bedrohlichem Ausmaß entwickeln.

Tatsächlich bietet Facebook schon heute die Möglichkeit an, den Newsfeed temporär auf eine chronologische Anzeige umzustellen. Die Option Most Recent befindet sich am Ende des Newsfeeds und schaltet sich beim Verlassen der App automatisch wieder ab, sodass beim nächsten Besuch wieder der Algorithmus entscheidet, was Nutzer zu sehen bekommen.

Laut der durchgesickerten Dokumente hat Facebook bereits 2014 damit experimentiert, diese Option über längere Zeiträume aktiviert zu lassen. Mit dem bereits bekannten Ergebnis, dass das Interesse am Newsfeed massiv zurückging. Intern gab es demnach bereits die Diskussion, diese Möglichkeit ganz zu entfernen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Responsible Disclosure
Vom Finden und Melden von Sicherheitslücken

Im Auftrag eines ISP hat unser Autor mehrere Sicherheitslücken in einem Cisco-Router gefunden. Hier erklärt er, wie er vorgegangen ist.
Ein Erfahrungsbericht von Marco Wiorek

Responsible Disclosure: Vom Finden und Melden von Sicherheitslücken
Artikel
  1. Open Source: Antworten Sie innerhalb von 24 Stunden
    Open Source
    "Antworten Sie innerhalb von 24 Stunden"

    Die E-Mail eines großen Konzerns an den Entwickler von Curl zeigt wohl eher aus Versehen, wie problematisch das Verhältnis vieler Firmen zu Open-Source-Software ist.

  2. Steam Deck: Valve optimiert das Spielespeichern
    Steam Deck
    Valve optimiert das Spielespeichern

    Immer ein aktuelles Savegame, auch beim Wechsel vom Steam Deck auf den Heim-PC - das will Valve über dynamische Cloud-Synchronisation bieten.

  3. LaTeX: Schreibst du noch oder setzt du schon?
    LaTeX
    Schreibst du noch oder setzt du schon?

    LaTeX lohnt sich nicht für jeden, für manche dafür umso mehr. Warum die Text-Programmiersprache nach 40 Jahren noch so treue Fans hat.
    Eine Anleitung von Uwe Ziegenhagen

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • PS5 jetzt bestellbar • Palit RTX 3080 12GB 1.539€ • Acer Curved Gaming-Monitor 27" 259€ • Corsair 16GB DDR4-4000 111,21€ • MindStar (u.a. 8GB DDR5-4800 89€) • 10% auf Gaming bei Ebay (u. a. Gigabyte 34" Curved UWQHD 144Hz 429,30€) • Edifier Aktivlautsprecher 119€ • 4 Blu-rays für 22€ [Werbung]
    •  /