Interne Dokumente geleakt: Ohne Newsfeed-Algorithmus wäre Facebook zu langweilig

Facebook hält trotz Kritik an seinem Newsfeed-Algorithmus fest. Ein Leak zeigt: Ohne diesen würden die Nutzer wohl davonlaufen.

Artikel veröffentlicht am , Manuel Bauer
Ohne seinen Newsfeed-Algorithmus scheint Facebook nicht zu funktionieren.
Ohne seinen Newsfeed-Algorithmus scheint Facebook nicht zu funktionieren. (Bild: KIRILL KUDRYAVTSEV via Getty Images)

Facebook hat in Tests mehrfach festgestellt, dass ein Abschalten des Algorithmus zur automatischen Kuratierung des Newsfeeds die Nutzererfahrung drastisch verschlechtert. Das geht laut Washington Post aus internen Dokumenten hervor, die von der Whistleblowerin Frances Haugen veröffentlicht wurden.

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Demnach stellte der mittlerweile unter der Bezeichung Meta firmierende Konzern in mindestens zwei Versuchen fest, dass Nutzerinnen und Nutzer sich deutlich kürzer und seltener bei Facebook aufhielten, wenn sie einen unkuratierten und chronologischen Newsfeed angezeigt bekamen.

Auch die Interaktionsbereitschaft etwa zum Kommentieren von Beiträgen und Abgeben von Likes sei in diesem Zusammenhang stark zurückgegangen. Über einen längeren Zeitraum habe das Interesse der beobachteten Nutzerinnen und Nutzer am sozialen Netzwerk stetig abgenommen, die Besuche seien immer seltener geworden.

Newsfeed-Algorithmus in der Kritik

Frances Haugen wirft Facebook vor, dass der kuratierte Newsfeed und das automatisierte Ranking-System für attraktive Inhalte der Hauptgrund dafür seien, dass das Netzwerk zur Verbreitung von Falschmeldungen und der Radikalisierung einzelner Nutzer beiträgt. Das nehme der Konzern billigend in Kauf, um seine Profite zu steigern.

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In den USA bereiten laut des Berichts mehrere Gesetzgeber Regelungen vor, nach denen soziale Netzwerke ihren Nutzern die Option einräumen müssen, unkuratierte Newsfeeds angezeigt zu bekommen. Facebook wehrt sich gegen diese Forderung. Das Unternehmen begründet seine Haltung damit, dass der Algorithmus wie ein Spam-Filter arbeite. Ohne ihn würden im Newsfeed noch mehr Hetzbotschaften und Falschinformationen angezeigt.

Experten kritisieren wiederum, das liege daran, dass die gesamte Facebook-Erfahrung auf dem System automatisch kuratierter Inhalte aufbaue. Das Unternehmen habe sein Netzwerk schlicht nicht darauf ausgelegt, ohne Ranking-Algorithmen zu funktionieren.

Forscher zeigen: Es geht auch ohne Algorithmus

Forscher der University of Illinois haben in einem Experiment nachgewiesen, dass ein soziales Netzwerk ohne den Anspruch auf permanentes Wachstum und Gewinnoptimierung problemlos ohne Algorithmen und Belohnungssysteme wie Likes auskommt und sich Schwierigkeiten wie Hetzbotschaften und Falschinformationen in einem solchen gar nicht erst in bedrohlichem Ausmaß entwickeln.

Tatsächlich bietet Facebook schon heute die Möglichkeit an, den Newsfeed temporär auf eine chronologische Anzeige umzustellen. Die Option Most Recent befindet sich am Ende des Newsfeeds und schaltet sich beim Verlassen der App automatisch wieder ab, sodass beim nächsten Besuch wieder der Algorithmus entscheidet, was Nutzer zu sehen bekommen.

Laut der durchgesickerten Dokumente hat Facebook bereits 2014 damit experimentiert, diese Option über längere Zeiträume aktiviert zu lassen. Mit dem bereits bekannten Ergebnis, dass das Interesse am Newsfeed massiv zurückging. Intern gab es demnach bereits die Diskussion, diese Möglichkeit ganz zu entfernen.

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