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International Drone Day: Total zugedrohnt

Lasst hunderttausend Drohnen steigen: Drohnenbesitzer in aller Welt wollen am 14. März 2015 zeigen, dass unbemannte Fluggeräte nicht böse sind, sondern Spaß machen und nützlich sind. Auch hierzulande gibt es Veranstaltungen zum ersten International Drone Day.
/ Werner Pluta
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International Drone Day: Dokumentarfilm über Drohnen (Bild: International Drone Day)
International Drone Day: Dokumentarfilm über Drohnen Bild: International Drone Day

Drohnen sind Kriegsmaschinen, Drohnen gefährden den Flugverkehr, Drohnen spionieren – oft genug machen unbemannte Fluggeräte (Unmanned Aerial Vehicle, UAV) negative Schlagzeilen. Dabei gibt es durchaus positive Anwendungen für die Copter – und sie können Spaß machen. Das wollen Sarah und David Oneal aus Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada zeigen: mit dem International Drone Day(öffnet im neuen Fenster).

International Drone Day – Trailer
International Drone Day – Trailer (10:04)

Am 14. März 2015 sollen auf allen Kontinenten(öffnet im neuen Fenster) UAVs aufsteigen. Gut 150 Veranstaltungen weltweit sind geplant. Dort können sich die Besucher die Drohnen aus der Nähe anschauen, am Boden und in der Luft und vielleicht auch selbst einmal steuern. "Drones are good""Drohnen sind gut" lautet das Motto des Drohnentags. Sie können etwa genutzt werden, um Filme zu drehen, für Rettungseinsätze, Vermessungsarbeiten, die Inspektion von Bauwerken, die Wissenschaft – und natürlich einfach zum Spielen.

International Drone Day – Team Germany
International Drone Day – Team Germany (02:04)

Auch hierzulande(öffnet im neuen Fenster) werden Multicopter aufsteigen. In Ammersbek bei Hamburg organisiert Ulrich Wirrwa(öffnet im neuen Fenster) den Drone Day. Der Fotograf kennt sich mit Luftbildern aus: Anfangs hat er aus Helikoptern und Sportflugzeugen fotografiert. Vor etwa zwei Jahren ist er auf unbemannte Fluggeräte umgestiegen. Gut 250 Flugstunden hat er mit seinen Quad- und Hexacoptern schon hinter sich.

Fotografie und Workshops

Inzwischen fotografiert und filmt Wirrwa nicht mehr nur mit Drohnen: Er bietet auch Workshops an, in denen er darüber informiert, was sich mit Drohnen anstellen lässt und welche gesetzlichen Regelungen dabei zu beachten sind.

Die Teilnehmer an den Drohnenveranstaltungen sind zudem aufgerufen, Videos von den Veranstaltungen zu drehen und den Oneals zur Verfügung zu stellen. Das Material will David Oneal in seinem etwa 30-minütigen Dokumentarfilm(öffnet im neuen Fenster) verwenden. Der Titel: "The Drone Invasion – The Truth is up there" – "Die Drohnen-Invasion – die Wahrheit ist dort oben".

Ziel ist, Drohnenbesitzern zu zeigen, wie sie verantwortungsvoll mit ihren unbemannten Fluggeräten umgehen, damit sie Spaß haben, ohne andere dabei zu beeinträchtigen oder zu gefährden. Negativschlagzeilen hat es schließlich schon genug gegeben.

Gefahren, Krieg und Geldstrafen

"Viele Drohnenbesitzer sind unwissend und haben ihre Drohnen in ungünstigen Gebieten fliegen lassen", erzählt Wirrwa. Die US-Luftfahrtaufsichtsbehörde Federal Aviation Administration (FAA) etwa registrierte allein in der zweiten Jahreshälfte 2014 knapp 200 Zwischenfälle mit Drohnen. Dazu zählten Aufstiege in Flugverbotszonen, etwa in der Umgebung von Flughäfen, oder Aufstiege über die erlaubte Höhe von 120 Metern. Piloten von Verkehrsflugzeugen und Hubschraubern mussten den Fluggeräten ausweichen. Ein Flugzeug wurde sogar in einer Höhe von über 3.000 Metern von einer Drohne überflogen.

Zum negativen Image der Drohnen tragen zudem die militärischen oder kriminellen Einsätze der UAVs bei: In den USA sollte ein Gefängnisinsasse aus der Luft mit Tabak versorgt werden, in Hamburg einer mit Marihuana. In Mexiko stürzte eine Drohne ab, die mutmaßlich harte Drogen in die USA transportieren sollte.

Geldstrafen für Drohnenflüge

Es wurden auch schon saftige Strafen verhängt: 500 Euro Strafe musste etwa das Mitglied der Piratenpartei zahlen für den verunglückten Drohnenauftritt bei einer CDU-Wahlkampfveranstaltung in Dresden im September 2013.

Härter traf es zwei andere deutsche Drohnenpiloten: Das Fluggerät des einen stürzte im Juli 2014 in den Lake Yellowstone im Yellowstone National Park im US-Bundesstaat Wyoming. Ein US-Gericht verurteilte ihn im September zu einer Geldstrafe von 1.600 US-Dollar. Das Verkehrsministerium in Mecklenburg-Vorpommern verhängte im Dezember eine Geldstrafe von 1.500 Euro gegen einen Fotografen. Er hatte das Hafenfest in Ueckermünde ohne Aufstiegsgenehmigung aus der Luft fotografiert. Dabei war sein Fluggerät mehrfach sehr niedrig über die Köpfe der Besucher hinweggeflogen.

Polizei nimmt Drohnenbesitzer fest

In Paris hat die Polizei kürzlich vier deutsche Journalisten kurzzeitig festgenommen, weil diese eine Drohne dabeihatten. Die Polizei reagierte so nervös, weil in der französischen Hauptstadt in letzter Zeit häufig Drohnen nachts ohne Genehmigung aufgestiegen waren. Zudem waren mehrfach Drohnen beim Überfliegen von französischen Atomkraftwerken beobachtet worden.

Doch Drohnen sind nicht böse, das soll der Drone Day zeigen. Auch Wirrwa hat sich dafür etwas einfallen lassen.

Drohnenfliegen mit Datenbrillen

Der Drohnenpilot Wirrwa plant in Ammersbek unter anderem ein Training, dessen Teilnehmer einen Parcours abfliegen. Sie tragen dabei Datenbrillen mit einem Display, das dem Piloten jeweils zeigt, was die Kamera der Drohnen sieht. Er fliegt die Drohne also aus ihrer eigenen Ich-Perspektive, First Person View kurz genannt.

Auf der Wiese eines Bauern werde ein 40 x 40 Meter großes Feld abgesteckt, auf dem er einen Parcours mit vier Toren aufbaue, erzählt Wirrwa. Der entspreche dem Standardparcours, mit dem sich Drohnenpiloten international messen können. Geflogen wird gegen die Zeit: Es gilt, in einer festgesetzten Zeit möglichst viele Tore zu durchfliegen. Eine offizielle Wertung werde es aber nicht geben – dazu seien die Leistungsunterschiede der Drohnen zu groß.

Drohnentag live im Internet

Eine zweite Veranstaltung mit einem FPV-Rennen soll in Bexbach im Saarland stattfinden. Leider, sagt Wirrwa, gebe es hierzulande nicht mehr Aktionen. Zwischen beiden deutschen Drone Days soll es – ebenso wie zwischen den internationalen – Liveschaltungen per Skype geben. Daneben überträgt Wirrwa die Begutachtung des Schornsteins(öffnet im neuen Fenster) (12 – 12:30 Uhr) und das FPV-Training(öffnet im neuen Fenster) (15:30 – 16 Uhr) live auf seinem Kanal beim Angebot Livestream.com(öffnet im neuen Fenster).

Neben dem reinen Spaßprogramm will Wirrwa auch eine nützliche Anwendung für eine Copter vorführen: Zusammen mit dem örtlichen Schornsteinfeger will er sein UAV an einem Industrieschornstein aufsteigen lassen. Der Schornsteinfeger soll das Bauwerk auf mögliche Schäden untersuchen. Das sei erst einmal weniger aufwendig und gefährlich, als am Kamin hochzuklettern und ihn zu begutachten.

Drohnen inspizieren Schornsteine...

"Überall da, wo man hoch hinaus muss und dafür ein Gerüst oder einen Kranwagen benötigt, kann man eine Drohne sehr gut einsetzen", sagt Wirrwa. Außer Industrieschornsteinen können das auch Windräder sein oder Hochspannungsmasten. Die werden teilweise von Industriekletterern begutachtet oder mit dem Hubschrauber abgeflogen. Mit einer Drohne wird eine solche Inspektion deutlich weniger aufwendig und damit günstiger.

Paketkopter fliegt autonom nach Juist – Microdrones
Paketkopter fliegt autonom nach Juist – Microdrones (01:47)

Höhe ist aber nicht das einzige Kriterium, das für ein UAV spricht. Auch für Einsätze auf großer Fläche sind sie gut geeignet: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat eine Technik entwickelt, um die Spiegel von Solarthermiekraftwerken von einer Drohne inspizieren zu lassen. Erprobt wurde die Drohneninspektion im Solar-Forschungszentrum Plataforma Solar de Almería (PSA) in Südspanien.

...vermessen archäologische Fundstätten...

Auch in der Landvermessung geht es um große Flächen. Entsprechend setzen die Vermesser unbemannte Fluggeräte in ihrer Arbeit ein. Vermessen und inspizieren sind auch die Zwecke, zu denen Archäologen unbemannte Fluggeräte nutzen: Damit werden Zerstörungen an Fundstätten festgehalten oder Funde aus der Luft dokumentiert und fotografiert, bevor Bagger sie einebnen.

Nicht zu vergessen schließlich die mit einer Drohne gemachten Aufnahmen, die so manchen Film aufwerten. Viele diese Luftbilder wären mit dem Hubschrauber gar nicht möglich, weil sie aufgenommen wurden, wo ein Hubschrauber nicht fliegen könnte oder dürfte.

...und filmen Tiere

Oder weil ein Hubschrauber das Verhalten der Aufgenommenen zu sehr beeinflusst: Ein japanischer Fernsehsender hat vor einigen Jahren für einen Dokumentarfilm in Afrika Elefanten, Flusspferde, Geparden und andere Tiere mit einer Drohne gefilmt. Die wurden dadurch deutlich weniger gestört, als wenn sie aus einem Hubschrauber oder einem Flugzeug gefilmt worden wären, und zeigten deshalb natürlichere Verhaltensweisen.

Microdrones in Kenya – Herstellervideo
Microdrones in Kenya – Herstellervideo (01:29)

Viele Drohnenbesitzer wissen aber offenbar nicht, wo sie ihre Fluggeräte steigen lassen dürfen und wo nicht.

Wo Drohnen fliegen dürfen

Es habe viele Jahre lang ein friedliches Nebeneinander von Flugverkehr und Modellflugzeugen gegeben. "Das hat immer funktioniert", erzählt Wirrwa. Für die ferngelenkten Flieger gibt es eigene Modellflugplätze. Dort könnten auch Drohnenpiloten ihre Fluggeräte steigen lassen. Modellflieger wären nicht auf die Idee gekommen, mit Flugzeugen die Mönckebergstraße, Hamburgs große Einkaufsstraße, entlangzufliegen.

Die Drohnen hingegen könnten überall gestartet werden. Und so mancher Drohnenpilot nutzt das auch aus, um tolle Bilder mit der Drohne aufzunehmen. Es müsse Aufklärungsarbeit geleistet werden, dass man die Drohnen "zwar von überall starten kann, aber nicht starten darf", fordert Wirrwa. Dabei gibt es Luftraumkarten kostenlos im Internet(öffnet im neuen Fenster).

Drohne kennt Flugverbotszone

Möglicherweise wissen die Drohnen aber in Zukunft auch selbst, wo sie fliegen dürfen und wo nicht: Der chinesische Hersteller DJI(öffnet im neuen Fenster) hat US-Flugverbotszonen in der Firmware seiner Copter hinterlegt. Anlass war der Absturz eines Quadrocopters im Garten des Weißen Hauses. "Das ist nicht schlecht und kann gern weiter ausgebaut werden", sagt Wirrwa. So könnten Zwischenfälle vermieden werden.

Allerdings gab es ein Problem mit der aktualisierten Firmware, die DJI im Januar 2015 bereitstellte. Bei manchen der Copter wurde der Akku nicht mehr erkannt. DJI zog die Firmware daraufhin zurück und riet den Drohnenbesitzern, wieder die vorhergehende Version zu installieren.

Käufer muss sich informieren

Andernorts müssen sich Käufer mit gesetzlichen Bestimmungen auseinandersetzen: In Neuseeland etwa liegt einem UAV ein Merkblatt bei, das auf Ge- und Verbote hinweise. Der Käufer müsse unterschreiben, dass er das gelesen und verstanden habe, sagt Wirrwa. "Das fehlt in Deutschland noch."

In diesem Jahr will die Bundesregierung neue Regelungen für Drohnen treffen. Ein positives Image könnte möglicherweise helfen, restriktive Gesetze zu verhindern. Geht es nach den Oneals, steht künftig der zweite Samstag im März unter dem Motto: "Drones are good."


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