Interaktiv: Plakat lädt Nutzer zum Küssen ein

Bei vielen Anwendungen achten die Entwickler darauf, dass die Mensch-Maschine-Schnittstelle berührungslos ist. Nicht so das Team um Keidai Ogawa von der japanischen Keio-Universität: Sie wollen sogar, dass der Nutzer mit ihrem interaktiven Plakat auf Tuchfühlung geht.
Verlegenheit nach dem Kuss
Das Plakat ist ein Bildschirm, der das Bild einer jungen Frau zeigt. Nähert sich der Betrachter ihr, schließt sie die Augen und schürzt die Lippen zum Kuss. Bewegt er sich danach wieder von ihr weg, hält sie sich verlegen die Hand vor den Mund und errötet leicht.
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| Video: Intraktives Poster mag geküsst werden |
Er sei Fan von Popmusikern und habe Poster von ihnen an seiner Wand hängen, verriet Ogawa dem japanischen Nachrichtenangebot Diginfo.tv(öffnet im neuen Fenster) . "Es ärgerte mich, dass sich die Poster nicht bewegten. Wir haben dieses System entwickelt, weil wir dachten, wenn sich ein Poster passend zu den Bewegungen von Personen bewegte, dann wäre das interaktiv und würde Spaß machen."
Ultraschallsensor erfasst Kopf
Das System ist vergleichsweise einfach: Ein Ultraschallsensor erfasst die Position des Kopfes vor dem Plakat. Entsprechend der Entfernung ändert sich das Bild auf dem Display – das zeigt nämlich kein Video, sondern einige Standbilder, die durch schnellen Wechsel wie eine Animation wirken.
In der aktuellen Version verändert sich nur das Bild der Frau. Die Nutzer, die das System getestet haben, hätten ihnen aber geraten, es noch weiter auszubauen, sagt Ogawa. So könnten sie dem Haar den Duft eines Shampoos verleihen oder die Lippen mit einem Geschmacksfilm überziehen. Eine andere Möglichkeit wäre, einen Lautsprecher hinzuzufügen, der dem Nutzer beispielsweise eine Liebesbotschaft ins Ohr flüstert.
Einsatz in der Werbung
Anwendungen sehen die Entwickler unter anderem in der Werbung. Zuerst wollen sie aber eine App für das iPad entwickeln. Dafür erwägen sie andere Methoden für die Erfassung des Kopfes, etwa über die Kamera oder mit einem Lichtsensor, der erkennt, wenn der Schatten des Nutzers darauf fällt.
Die japanischen Forscher sind nicht die einzigen, die an solchen interaktiven Systemen arbeiten. Wissenschaftler des Berliner Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts (HHI) etwa haben ein interaktives Schaufenster entwickelt. Das wird über Gesten gesteuert, ist also darauf ausgerichtet, den Nutzer auf Distanz zu halten.