Intels E5-2600 und Romley: 8-Core-Xeons mit doppeltem QPI starten durch

Bei der neuen Serie Xeon E5-2600 bringt Intel auf dem mit 416 Quadratmillimetern sehr großen Chip acht Kerne und bis zu 20 MByte Cache unter. Die gesamte CPU besteht damit aus 2,3 Milliarden Transistoren in 32-Nanometer-Technik.
Manch einem werden diese Daten bekannt vorkommen. Das liegt daran, dass die neuen Xeons mit Codenamen Sandy Bridge-EP auf dem Sandy Bridge-E basieren. Dieser ist als Core i7-3900 mit sechs Kernen bereits seit Ende 2011 erhältlich. Der Desktopversion hat Intel aber zwei Kerne und besonders hohe Leistungsaufnahmen vorenthalten.















Acht vollwertige Kerne gibt es von Intel bis auf weiteres nur für Workstations und Server mit der Plattform Romley, bei der auch zwei Xeon E5-2600 auf einem Board sitzen können. Die neuen Prozessoren lösen die Serie Xeon 5600 ab. Neben der Sandy-Bridge-Architektur ist die Verbindung zweier Sockel die größte Neuerung: Sie erfolgt durch zwei QPI-Links, die zusammen 16 Gigatransfers pro Sekunde bewältigen können.
Beim Xeon 5600 gab es nur einen QPI-Link zwischen den Sockeln, ein weiterer an jedem Sockel diente für den Chipsatz. Das ist nun nicht mehr nötig, weil Sandy-Bridge-CPUs bereits einen PCIe-Root-Complex in Version 3.0 enthalten.
Die schnellere Verbindung zwischen den Sockeln und zu PCI-Express nutzt Intel für eine Technik namens Data Direct I/O (DDIO). Damit können beispielsweise Daten von Netzwerk- oder SAS-Schnittstellen ohne Umweg über den Hauptspeicher direkt in die Caches der CPUs befördert werden. Der Vorteil: Weder Speicher noch Kerne benötigen dabei Energie.
Besonders sparsame Fileserver sind damit beispielsweise möglich: Der genügsamste Xeon E5, das Modell 2630L, benötigt für sechs Kerne mit 2,0 GHz Basistakt nur 60 Watt TDP.
Bis zu neun Turbostufen bei 162 Watt
Unter den jetzt vorgestellten Prozessoren sind aber auch echte Stromfresser. Am energiehungrigsten ist der Xeon E5-2687W mit 150 Watt TDP. Der Endbuchstabe der Modellnummer deutet bereits den Einsatz nur in Workstations an, was Intel auch ausdrücklich betont. Mit 3,1 GHz Basistakt kommt die CPU auf bis zu 3,8 GHz per Turbo-Boost, wenn nur ein Kern belastet wird.
Die Abstufungen der Turbo-Boost-Zuschaltung hat Intel bei den neuen Xeons gegenüber anderen Sandy-Bridge-Prozessoren deutlich ausgeweitet. Die Erhöhung kann beim E5-2690 (8 Kerne, 135 Watt) bis zu neun Stufen von je 100 MHz betragen, beim E5-2637 (2 Kerne, 80 Watt) aber nur zwei. Dafür läuft diese CPU aber schon mit einem Basistakt von 3,3 GHz, der 2690 aber mit nur 2,9 GHz. Über 4 GHz ohne Übertaktung durch den Anwender erreicht keiner der neuen Prozessoren.















Erstmals nennt Intel am Beispiel des E5-2690 auch konkrete Zahlen zum Burst-Modus des Turbos. So kann diese CPU ihre nominale TDP von 135 Watt für einige Zeit überschreiten und bis zu 162 Watt erreichen. Da der Prozessor seine Leistungsaufnahme und Temperatur über die eingebaute Power Control Unit (PCU) genau kennt, muss das Kühlsystem dennoch nur auf 135 Watt ausgelegt sein. Die Überschreitung der TDP wird nur so lange gestattet, wie die thermische Trägheit des Kühlers das zulässt. Kleiner Nachteil: Benchmarks sind nun auch mehr als früher von der Temperatur des Systems abhängig.
Leistungsmessungen sind durch die letzte Top-500-Liste schon länger bekannt, die Xeon E5 stellen dabei viele Rekorde auf. Im Schnitt sind die CPUs über alle von Intel veröffentlichten Daten gesehen 30 bis 40 Prozent schneller als ihre Vorgänger, die mit sechs Kernen auskommen mussten. Auch Dell und HP haben bereits vor der Cebit Server mit den CPUs angekündigt, ohne Daten zu den Prozessoren zu nennen.
Verwunderlich ist daher, dass Intel im Vorfeld der Cebit noch keine offiziellen Preise für die Prozessoren genannt hat. Erste Händerangebote weisen auf bis zu 2.800 Euro für die schnellsten Modelle hin. Die Vorstellung der CPUs erfolgt aber erst noch am Ende des ersten Messetages. Spätestens am Morgen danach ist mit einem Update der Intel-Preisliste zu rechnen.
Nachtrag vom 6. März 2012, 18:35 Uhr
Intel hat im Rahmen seiner Cebit-Pressekonferenz die Preise der Prozessoren genannt. Der Xeon E5-2690 kostet wie erwartet für PC-Hersteller und Wiederverkäufer in 1.000er Stückzahlen 2.057 US-Dollar, und auch der sparsame E5-2630L ist mit 662 US-Dollar recht teuer.
Auch die Xeon E-1600 gibt es jetzt, auf inoffiziellen Roadmaps waren sie in den letzten Monaten mal verzeichnet und mal nicht. Sie passen in den Sockel LGA 2011 von X79-Boards und können anders als die Core i7-3900 mit ECC-Speicher umgehen. Ihre Preise liegen leicht über den Sandy-Bridge-E-Pendants mit gleichem Takt. Attraktiv ist dabei insbesondere der E-1650 mit 3,2 GHz Basistakt und sechs Kernen für 583 US-Dollar.