Intelligente Verkehrssysteme: Wenn Autos an leeren Kreuzungen warten müssen

In manchen niederländischen Städten schalten die Ampeln auf Grün, wenn sich ein Fahrrad nähert. Voraussetzung dafür ist eine App, mit der die fahrradfahrende Person ihren Standort an einen entsprechenden Dienst übermittelt. Doch die Sicherheitsforscher Rik van Duijn und Wesley Neelen konnten das System austricksen und so die Ampelschaltungen aus der Ferne beeinflussen.
Auf diese Weise konnten sie beispielsweise Autos vor leeren Kreuzungen warten lassen oder ein Verkehrschaos im Kleinen anzetteln. Unfälle seien durch den Eingriff jedoch nicht möglich gewesen, betonen die Sicherheitsforscher. Ihren Hack wollten sie am 6. August auf der Hackerkonferenz Defcon in den USA vorstellen. Das Onlinemagazin Wired hatte bereits vorab berichtet(öffnet im neuen Fenster) .
Begonnen hatten die Sicherheitsforscher ihre Analyse mit einer App, die in der Stadt Tilburg zum Einsatz kommt und damit wirbt, Fahrrädern grünes Licht zu geben. Da die Informationen zum Standort des Fahrrads aus der App auf dem Smartphone stammt, fragten sich Duijn und Neelen, ob sie gefälschte Daten einspielen können.
Mit etwas Reverse-Engineering der Android-App konnten sie ein Python-Skript erstellen, das nicht existierende Fahrräder mit falschen GPS-Daten an den Anbieter sendet. "Wir waren überrascht, dass Benutzereingaben in Systemen zugelassen werden, die unsere Ampeln steuern," sagte Neelen zu Wired. Die Forscher simulierten ein Fahrrad, das sich einer Kreuzung näherte. In den meisten Fällen schaltet die Fahrradampel auf Grün um, für die Autos in der Senkrechten wird es entsprechend Rot. Allerdings haben die Fahrräder im Smartphone-optimierten Verkehrssystem nicht immer unmittelbare Priorität.
"Wir könnten den gleichen Trick an vielen Ampeln gleichzeitig von meinem Wohnort aus machen, und das würde es Ihnen ermöglichen, den Verkehrsfluss durch eine Stadt zu unterbrechen," sagte Neelen. Eine zweite App, die in mehreren niederländischen Städten eingesetzt wird, hatte das gleiche Problem. Diese kommt auf Hunderten Ampeln in zehn Städten zum Einsatz. Die betroffenen Apps wollten die Sicherheitsforscher nicht nennen, da die Probleme zum Teil noch nicht behoben wurden. Beide Hersteller seien vor mindestens einem Monat auf das Problem hingewiesen worden.
Duijn und Neelen betrachten ihre Forschung als Warnung vor intelligenter Verkehrsinfrastruktur, da diese immer weiter ausgebaut werden und weitere Funktionen zur Optimierung des Straßenverkehrs bekommen soll. Es müsse mehr an die Sicherheit solcher Systeme gedacht werden, betont Neelen.



