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Intel NUC und Co.: Durchblick bei Mini-PCs

Cebit 2014
Mini-PCs nach Intels NUC-Konzept oder Gigabytes Brix-Serie erfreuen sich steigender Beliebtheit. Die meisten muss man aber selbst zusammenbauen, andere eignen sich eher für Spezialaufgaben. Wir versuchen, eine Kategorisierung zu schaffen.
/ Nico Ernst
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Die NUCs haben nur 12 Zentimeter Kantenlänge. (Bild: Intel)
Die NUCs haben nur 12 Zentimeter Kantenlänge. Bild: Intel

Kompakte PCs für den Schreibtisch oder das Wohnzimmer gibt es schon lange - auch wenn der Mac Mini oft als Vorreiter der Geräteklasse bezeichnet wird, sind sie in Wirklichkeit viel älter. Vor allem in den 1990er Jahren hatten Mini-PCs unter dem Namen Thin Client einen ersten Boom. Diese Rechner waren aber sehr einfach ausgestattet und verließen sich meist auf einen Server, auf dem die eigentlichen Anwendungen ausgeführt wurden. Für den Anwender im Unternehmen wurde aber meist erst dadurch sichtbar, dass ein PC nicht mehr eine große graue Kiste auf oder unter dem Schreibtisch darstellen muss.

Inzwischen ist die Rechenleistung bei sinkender Leistungsaufnahme so weit gestiegen, dass sich kompakte Rechner mit der Grundfläche einer CD-Hülle als Allzweckcomputer eignen. Die Mini-PCs bestehen oft aus vielen Bauteilen, die aus der Notebookentwicklung stammen, und sind daher in der Regel etwas teurer als vergleichbar leistungsfähige Desktop-PCs. Charakteristisch ist auch das externe Netzteil - Ausnahme: Mac Mini -, das sich aber leicht an unauffälliger Stelle verstecken lässt.

Damit sind die Minirechner heute vor allem als Media-Center-PCs beliebt, die alle Datenformate wiedergeben können und auch schnell genug für Streaming-Videos und einfachere Spiele sind. Der letzte Punkt wird durch die Steam Machines, die es auch im Kleinformat geben wird, immer wichtiger. Zudem gibt es durch Intels Next Unit of Computing ( NUC(öffnet im neuen Fenster) ) nun einen standardisierten Formfaktor namens UCFF, um den sich allmählich ein Ökosystem aus Komponenten und Zubehör entwickelt. Die NUC-Mainboards stammen bisher aber ausnahmslos von Intel.

Zudem sind als reine Mediaplayer die ARM-basierten Bastelplattformen, bekannt vor allem durch Raspberry Pi , eine ernstzunehmende Alternative - und noch dazu viel günstiger. Höchste Zeit also, im Markt der Mini-PCs etwas Durchblick zu gewinnen. Denn nicht alles, was als kleine Schachtel daherkommt, lässt sich so flexibel verwenden, wie Nutzer es von einem PC gewohnt sind. Wir stellen die interessantesten Lösungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit vor.

Die Selbstbau-Kits

Ein Blick in die Verkaufscharts von deutschen Hardwareversendern zeigt, dass die NUC-Kits bei den Käufern von Mini-PCs am beliebtesten sind. Sie bestehen aus einem sogenannten Barebone: In einem Gehäuse sind Mainboard und Prozessor sowie Kühler bereits eingebaut, das Netzteil wird mitgeliefert. An dieser Stelle gilt es jedoch schon aufzupassen: Bei den meisten NUCs ist die CPU fest verlötet, bei einigen älteren mit Prozessoren der Serie Core-i-2000 oder -3000 gibt es einen Sockel für späteren Wechsel. Da es, anders als bei größeren Desktop-Boards, noch keine regelmäßigen Bios-Updates für neue CPUs gibt, spielt das aber bisher keine große Rolle.

Damit aus dem NUC-Kit ein moderner PC wird, sind noch RAM, SSD, Eingabegeräte und Monitor nötig. Bis zu den NUCs mit Core-i-3000 gab es zudem nur einen Steckplatz für eine mSATA-SSD, die neueren Modelle bieten auch einen Einbauplatz für ein Laufwerk mit 2,5-Zoll-Format. Spielen schnelles Booten und flotter Start von Anwendungen keine Rolle, weil der Standby-Modus mit rund 2 Watt genutzt wird, kann also auch eine alte Notebookfestplatte verwendet werden.

Vorsicht ist bei der Wahl der Speichermodule geboten, denn die NUCs sind auf die aus Notebooks bekannten SO-DIMMs ausgelegt. Die aktuellen Modelle mit Core-i-4000 und seiner Haswell-Architektur, ebenso wie der neue Bay-Trail-NUC, vertragen nur DDR3L-Speicher mit 1,35 statt 1,5 Volt. Selbst wenn diese Randbedingungen erfüllt sind, läuft längst nicht jedes Modul.

Intel hat dafür zwar auf der Übersichtsseite der NUCs(öffnet im neuen Fenster) unter dem Menüpunt Tools einen Eintrag zur Speicherkompatibilität hinterlegt, der Link führt aber nur auf die Supportseite aller Mainboards(öffnet im neuen Fenster) - das ist nicht gerade übersichtlich. Anhand der genauen Modellnummer der NUC-Kits lässt sich dann aber immerhin eine Empfehlung für passende Module finden, wie etwa für das neue Modell D54250WYK(öffnet im neuen Fenster) .

Dieses Kit(öffnet im neuen Fenster) ist derzeit eines der interessantesten, weil es mit dem Core i5-4250U mit 1,3 bis 2,6 GHz und HD Graphics 5000 einen der schnellsten für Mini-PCs geeigneten Prozessoren besitzt. Auch dabei handelt es sich aber nur um einen Dual-Core - ein NUC als transportable Video-Workstation ist so also kaum schneller als ein Mittelklassenotebook. Zudem kostet das Kit schon rund 350 Euro, mit SSD und RAM kommt man schnell auf über 500 Euro.

Billiger geht es mit dem Kit DN2820FYK , das rund 130 Euro kostet. Darin steckt aber der Celeron N2820 mit Bay-Trail-Technik. Auch wenn dieser Nachfolger der Atom-Architektur viel schneller als die Vorgänger geworden ist, machen anspruchsvolle Anwendungen kaum Spaß. Anders als bei früheren Atoms laufen aber auch HD-Videos, selbst im Flash-Format, flüssig.

Allen NUC-Kits bis auf das aktuelle Bay-Trail-Modell ist gemein, dass sie über eine Schnittstelle für Gigabit-Ethernet verfügen, und WLAN nur nachgerüstet werden kann. Dafür gibt es Mini-PCIe-Slots auf den Mainboards - die Kosten für eine drahtlose Anbindung sollte man also, wenn gewünscht, noch einkalkulieren. Sie liegen je nach Modul zwischen 13 und 40 Euro.

Das ist bei anderen Barebones wie der Zbox von Zotac anders, hier ist WLAN samt externer Antenne bereits eingebaut. Diese Rechner gibt es in vielen Versionen, ein spannendes Modell ist die Zbox nano i67(öffnet im neuen Fenster) . Sie kostet rund 300 Euro inklusive WLAN, der Prozessor ist mit einem Core i3-4010U mit 1,7 GHz ohne Turbo aber ein langsameres Modell als bei den aktuellen Haswell-NUCs. Für einen Vergleich der Prozessoren empfiehlt sich Intels ARK-Datenbank(öffnet im neuen Fenster) .

Lüfterlose Gehäuse

Wenn ein NUC als Media-Center oder in besonders lärmempfindlichen Umgebungen wie einem Tonstudio keinen Mucks von sich geben darf, kann das einzeln erhältliche Mainboard auch in ein Passivgehäuse eingebaut werden. Kommt dabei eine SSD zum Einsatz, ergibt sich ein PC ohne jegliche bewegliche Teile. Passende Gehäuse sind beispielsweise das Newton V von Akasa (rund 50 Euro) und das NC1 GK von Streamcom.

In solchen Behausungen entfällt aber ein wesentlicher Vorteil der NUCs: Sie passen dann nicht mehr hinter einen Monitor, weil sie dann zu schwer und zu heiß sind. Bei den Intel-Kits mit Gehäuse wird eine VESA-Halterung mitgeliefert, die für die Passivgehäuse nicht geeignet ist.

Die Fertiglösungen

Wer nicht basteln will und beispielsweise einen schon mit Peripherie ausgestatteten Arbeitsplatz vom alten Windows-XP-PC befreien will, findet mit fertig konfigurierten Mini-PCs recht günstige Alternativen. Schon seit den ersten Atom-CPUs sind hier vor allem Asus mit der Eee Box, MSI mit dem Wind PC und Acer mit den Revos aktiv. Je nach Ausstattung kosten die Rechner zwischen 300 und 600 Euro. Im Preis ist aber oft auch eine Windows-Lizenz schon enthalten, was es bei Vergleichen mit den Kits zu beachten gilt. Die Eee Boxen und die Wind PCs gibt es bei einigen Anbietern aber auch ohne Betriebssystem.

Ein derzeit auch noch mit Windows 7 erhältliches Gerät ist die Eee Box mit der Modellnummer EB1503-B035E für rund 400 Euro inklusive Betriebssystem. Sie ist vor allem sehr flach ausgeführt, so dass sie sich unauffällig auf dem Schreibtisch hochkant aufstellen lässt. Das Gerät bietet im Unterschied zu vielen anderen Mini-PCs auch einen DVD-Brenner. Allerdings ist der Prozessor mit dem Atom D2550 ein Auslaufmodell - die HD-Schwäche dieser CPU-Generation gleicht Asus mit einer Geforce GT 610M aus, was aber nur für die anspruchslosesten Spiele reicht.

Für einen Mini-PC recht viel Leistung und umfangreiche Ausstattung bietet der Mac Mini - allerdings erst zu Preisen ab 629 Euro. Dafür gibt es dann einen Core i5-3210M mit 2,5 bis 3,1 GHz, für 829 Euro auch einen Core i7- 3720QM und somit einen der wenigen Quad-Cores in der Geräteklasse.

Die aktuellen Mac Minis sind noch nicht mit den schnelleren und sparsameren Haswell-CPUs verfügbar, wie üblich macht Apple keine Angaben zum Termin für ein neueres Modell. Besonderheiten der Apple-Minis sind das integrierte Netzteil sowie der Thunderbolt-Anschluss - dafür erhältliche Geräte sind aber weiterhin rar und teuer.

Vor allem für Unternehmen sind die Serien Elitedesk von HP sowie Thinkcentre Tiny vorgesehen. Sie sind nicht ganz so schick wie die anderen Fertigminis gestaltet, aber dafür gibt es optional lange Garantiezeiten und ebenso weitreichende Ersatzteilversorgung. Eines der interessantesten Geräte ist der M72e Tiny für rund 400 Euro inklusive Windows, den Golem.de bereits getestet hat.

Spezialisten für Spiele und Medienwiedergabe

Die Steam Machines , die noch 2014 von vielen Herstellern erscheinen sollen, haben die Idee des Mini-PCs für Spiele neu belebt. Und die Anbieter, welche die von anderen Marken vertriebenen Fertigsysteme in Wirklichkeit produzieren, bieten sie zunehmend auch unter eigenem Namen als Bastelkit an. Ein Beispiel dafür ist der Brix Gaming von Gigabyte, der wie die NUCs aus einem Barebone besteht - nur kommen hier Chips von AMD zum Einsatz.

Ab Werk ausgestattet ist der Brix Gaming mit AMDs A8-5557M, einer APU, die noch auf der älteren Richland-Architektur basiert. Die vier Integer-Kerne takten mit 2,1 bis 3,1 GHz. Der Prozessor verfügt auch über integrierte Grafik (Radeon HD 8550G), ob sie aber auch als Dual Graphics parallel mit der diskreten GPU eingesetzt werden kann, ist noch nicht bekannt.

Im Gegensatz etwa zu Intels neuem Bay-Trail-NUC verfügt der Brix noch über eine eigene Grafiklösung, die Gigabyte als Radeon R9 M275X beschreibt. Eine solche GPU hat AMD noch nicht angekündigt, daher liegen die technischen Daten noch nicht vor. Bisher gibt es nur die R9 M290X als größten Vertreter der mobilen R9-Serie(öffnet im neuen Fenster) . Sie ist mit 1.280 Rechenwerken bei 850 MHz ausgestattet, die M275X dürfte entsprechend weniger Takt und Shader-Einheiten bieten.

Zusammen sollte das für Spielen mit mittleren Details auf einem Fernseher reichen. Bewährt hat sich dabei der Wireless-Controller der Xbox 360, der auch von Steam und seinem Big-Picture-Modus unterstützt wird. Der Brix Gaming ist dabei einer der spannendsten Mini-PCs - aber leider noch nicht verfügbar, daher steht auch sein Preis für Deutschland noch nicht fest.

Wenn nur ein Gerät für Medienwiedergabe aus dem heimischen Netzwerk gefragt ist, das zudem sehr günstig sein soll, kommt man am Raspberry Pi kaum vorbei, hier ist aber viel Eigenarbeit gefragt. Mainboard, Gehäuse, Netzteil und SD-Karte als Speichermedium kosten zusammen dafür nur rund 60 Euro.

Inzwischen gibt es zur Installation des Media-Centers XBMC auch drei verschiedene Pakete aus Betriebssystem und Anwendungen. Grundlagenkenntnisse zur Installation von Linux, mit dem der Raspberry Pi arbeitet, sind aber auch dabei nötig. Die Einarbeitung lohnt sich aber, denn die Systeme sind so billig, dass man leicht jeden Fernseher im Haus mit einer solchen Lösung ausstatten kann.

Fazit

Mini-PCs sind auf dem besten Weg, sich als eigene Gerätekategorie dauerhaft zu etablieren, aber schon jetzt ist der Markt fragmentiert. Wer Spaß am Basteln hat, ist mit den NUC-Kits und den ebenfalls bald erscheinenden AMD-Alternativen, unter anderem von Gigabyte und Compulab , am besten beraten. Wenn man genau kalkuliert, kommt man dabei aber nicht billiger weg als mit einem sehr einfachen Fertig-PC im Tower-Format - dafür benötigt der mehr Platz und sieht nicht so schick aus.

Um mehrere Arbeitsplätze in einem Unternehmen aufzurüsten, empfehlen sich immer noch die Fertiglösungen von Anbietern wie HP und Lenovo, denn hier gibt es langfristigen Support. Bei Selbstbau-PCs muss man sich darum auch selbst kümmern.

Die Komplettrechner fürs Wohnzimmer sind technisch etwas ins Hintertreffen geraten, wenn sie besonders kompakt und auch noch günstig sein sollen. Hier ist aber Belebung durch die Steam Machines zu erwarten. Werden diese ein Erfolg, werden wohl auch viele Anbieter preiswerte Geräte auf den Markt bringen, die sich nicht nur für Spiele, sondern auch alle anderen Anwendungen im Wohnzimmer eignen. Fraglich ist aber, ob gut ausgestattete Nutzer neben Tablet und Spielekonsole dort noch ein weiteres Gerät betreiben wollen.


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