Intel: Ivy Bridge als einfaches Upgrade für Sandy-Bridge-PCs

Zum ersten Mal seit vielen Jahren wechselt Intel für eine neue Prozessorgeneration nicht den Sockel - das freut Anwender, die sich ihre PCs selbst zusammenbauen. Folglich versprach am ersten Tag der Cebit auch Asus vor Journalisten, man werde für jedes Sandy-Bridge-Mainboard des Unternehmens Bios-Updates anbieten, um darin Ivy-Bridge-CPUs zum Laufen zu bringen.
Im Gespräch mit Golem.de erklärte Intels Manager der Desktop-Abteilung, Jeff Austin, warum solche Versprechen leicht einzuhalten sind: Intel unterstützt die Hardwarehersteller dabei recht kräftig. Zwar verwenden sowohl die Core-i-2000 ( Sandy Bridge ) als auch die kommenden Core-i-3000 ( Ivy Bridge ) denselben Sockel LGA 1155, mit der mechanischen Kompatibilität allein ist es aber nicht getan.
Intel stellt den Herstellern von Mainboards und Komplett-PCs ein Baukastensystem für die Bios-Updates zur Verfügung. Darin sind unter anderem Updates des Microcodes der CPU und der Firmware von Onboard-Chips enthalten. Eine besondere Rolle spielen Austin zufolge die "memory references:" Das Bios muss vor dem Booten den Speichercontroller im Prozessor richtig initialisieren.
Einige Einschränkungen gibt es jedoch. Intel testet - im Firmenjargon: validiert - die Ivy-Bridge-CPUs nur auf Chipätzen der Serie 6, deren Modellbezeichnung mit H, P oder Z beginnt. Damit werden also auch die bei PC-Selbstbauern beliebten P67(öffnet im neuen Fenster) und Z68(öffnet im neuen Fenster) unterstützt. Die Q-Serie, also Q65 und Q67, wird jedoch nicht von Intel validiert. Diese beiden Chipsätze sind für Firmen-PCs vorgesehen und unterstützen auch Fernwartung sowie andere Funktionen von Intels vPro-Paket. Sie sollen nach dem Willen des Chipherstellers nicht mit Ivy-Bridge-CPUs bestückt werden. Die Validierung dafür wäre zu aufwendig, sagte Jeff Austin.
Auch der umgekehrte Weg ist im Übrigen möglich: In neuen Mainboards mit Chipsätzen der Serie 7 lässt sich eine Sandy-Bridge-CPU betreiben. Golem.de hat das mit einem Z77-Board und einem Core i7-2600K bereits erfolgreich ausprobiert. Ob es jedoch abseits von Tests sinnvoll ist, eine alte CPU in ein neues Mainboard zu setzen, sei dahingestellt. Als großer Vorteil bleibt höchstens noch natives USB 3.0, die Schnittstelle selbst bieten aber auch viele Serie-6-Boards über Zusatzchips.
Kaum höherer Energiebedarf für drei Displays
Auf Nachfrage erwähnte Jeff Austin noch ein interessantes Detail zur kommenden Ivy-Bridge-Plattform. Entsprechend ausgestattete Mainboards mit Serie-7-Chipsätzen können bis zu drei Displays parallel ansteuern. Die Leistungsaufnahme der CPU - die ja seit Sandy Bridge auch einen Grafikkern enthält - soll sich dabei nur um einige hundert Milliwatt erhöhen, sagte der Intel-Manager.
Das ergibt einen wesentlich geringeren Energiebedarf für Multi-Display-Umgebungen als er bisher mit gesteckten Grafikkarten zu realisieren ist. Auch die sparsamsten Radeon-Modelle von AMD mit drei oder mehr Anschlüssen für Monitore erhöhen die Leistungsaufnahme mit jedem zusätzlichen Display um mehrere Watt. High-End-Grafikkarten kommen für jeden weiteren Bildschirm auch in zweistellige Bereiche, und ältere Modelle wie die GTX 480 benötigen bei zwei Bildschirmen sogar 50 Watt mehr als mit einem Monitor.
Schlechte Nachrichten gibt es für besonders engagierte Bastler, die ihr Sandy-Bridge-Notebook mit einer Ivy-Bridge-CPU aufrüsten wollen: Intel unterstützt das nicht. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass einige Notebookhersteller auf eigene Faust Bios-Updates entwickeln, aber ob das eine gute Idee ist, erscheint nach den Gesprächen auf der Cebit fraglich.
Wie einige Unternehmen Golem.de sagten, wird sich die Leistungsaufnahme ohne Last bei den mobilen Ivy-Bridge-CPUs gegenüber Sandy Bridge kaum verringern. Mit längeren Akkulaufzeiten nur durch einen Wechsel des Prozessors ist aber kaum zu rechnen.
Zudem sollen sich auch die Spannungsprofile von Ivy Bridge so sehr von denen bei Sandy Bridge unterscheiden, dass nicht jeder Spannungsregler damit zurechtkommt. Selbst wenn eine neue CPU also mit der gleichen Leistungsaufnahme wie die zu ersetzende bezeichnet ist, gibt es keine Garantie, dass sie in einem Sandy-Bridge-Notebook auch nur elektrisch stabil funktioniert.



