Intel in Europa: Fab in Magdeburg soll mehr Strom brauchen als die Stadt

Bereits die erste Ausbaustufe der geplanten Intel-Fab in Magdeburg dürfte den bisherigen Strombedarf der Stadt übersteigen: Davon geht der ehemalige Bürgermeister der Stadt, Lutz Trümper, laut einem Bericht von Politico(öffnet im neuen Fenster) aus. Zudem erfuhr das Magazin von Madeleine Linke, Co-Vorsitzende der Stadtratsfraktion aus Grünen und der lokalen Partei Future!, dass die Fab im vollen Ausbau sogar dreimal so viel elektrische Energie benötigen könne.
Einordnen lässt sich der Energiebedarf anhand des Geschäftsberichts (PDF)(öffnet im neuen Fenster) der Stadtwerke Magdeburg: Die hatten zumindest bei Privathaushalten einen Marktanteil von etwa 90 Prozent(öffnet im neuen Fenster) und lieferten knapp 1.500 GWh elektrische Energie. Umgerechnet entspräche das einer Durchschnittsleistung über das ganze Jahr von 171 MW – die erzeugt ein größeres Gaskraftwerk(öffnet im neuen Fenster) .
Nicht unrealistisch, wie der Vergleich mit anderen Chip-Herstellern zeigt: Im Golem-Podcast verglich Jens Drews, Pressesprecher von Globalfoundries, den Energiebedarf der Fab 1 in Dresden mit dem der Stadt Potsdam; Teslas Fabrik in Grünheide hat eine Anschlussleistung von 109 MW(öffnet im neuen Fenster) . Da zudem in Magdeburg Halbleiter mit wesentlich geringeren Strukturgrößen gefertigt werden sollen als bei Globalfoundries in Dresden, wird Intels Fab bei gleicher Fertigungskapazität mehr Strom benötigen als die Fab 1.
Die Fertigung kleiner Strukturgrößen benötigt deutlich mehr Energie, wie Zahlen des belgischen Forschungsinstituts Imec zeigen. Zwar will Intel den Strombedarf seiner Fab rein aus erneuerbaren Energien decken, das erfordert aber einen kräftigen Ausbau: Beispielsweise wurden nach Angaben der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien (PDF)(öffnet im neuen Fenster) im Jahr 2021 in Deutschland 50 TWh Solarstrom erzeugt, drei Prozent davon würde allein die Fab in Magdeburg benötigen. Auch wird sie ohne neue Hochspannungsleitungen nicht zu versorgen sein.
Intels Pläne in Italien werden konkreter
Neben der Fab in Magdeburg will Intel auch in Italien ein neues Werk aufbauen, allerdings für das Packaging von Halbleitern. Reuters hat von ungenannten Quellen erfahren(öffnet im neuen Fenster) , dass dieses wahrscheinlich in Vigasio(öffnet im neuen Fenster) in der nördlichen Region Venetien gebaut werden soll. Daneben soll noch die Region Piemont im Rennen sein, die Lombardei, Apulien und Sizilien habe man als mögliche Standorte verworfen.
Die Verhandlungen über den Standort fanden noch mit der Regierung des ehemaligen Ministerpräsidenten Mario Draghi statt, eine Nachfolgeregierung wird aber sehr wahrscheinlich hier nicht noch einmal von vorne beginnen. Schließlich geht es um eine Investition von 4,5 Milliarden Euro, die direkt 1.500 Arbeitsplätze schaffen soll, indirekt noch einmal 3.500 bei Zulieferern. Die wird auch das Rechtsbündnis um Giorgia Meloni, das Hochrechnungen zufolge die Wahl am vergangenen Sonntag gewann(öffnet im neuen Fenster) , nicht gefährden wollen.
Intel nahm zu beiden Berichten noch keine Stellung. Sofern Italiens neue Regierung die Pläne nicht in Frage stellt, dürfte der Konzern an diesen allerdings ebenso festhalten.