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Intel Core Ultra 200V im Test: Lunar Lake bringt x86 zurück an die Spitze

Der Vorteil von Arm existiert praktisch nicht mehr, Intels neue Chips halten genauso lange durch. Dabei bieten sie bessere Kompatibilität und Leistung.
/ Martin Böckmann
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Der physische Aufbau erinnert an Apple Silicon und Smartpone-SoCs. Das hilft offenbar auch der Effizienz, denn die ist hervorragend. (Bild: Martin Böckmann/Golem.de)
Der physische Aufbau erinnert an Apple Silicon und Smartpone-SoCs. Das hilft offenbar auch der Effizienz, denn die ist hervorragend. Bild: Martin Böckmann/Golem.de

Als Intel vor der Computex 2024 in einigen eher technischen Präsentationen die neuen CPU-Architekturen Lion Cove (Performance-Kerne) und Skymont (Effizienz-Kerne) vorgestellt hat, war das Interesse der Medien bereits geweckt. Denn der Anstieg der Rechenleistung pro Takt ist besonders bei den Effizienz-Kernen gewaltig. Im Test zeigt sich, die Vorfreude war berechtigt – Intel hat die Konkurrenz eingeholt , inklusive Apple Silicon.

Wir konnten vorab ein Asus Zenbook 14 mit einem Intel Core Ultra 7 258V(öffnet im neuen Fenster) testen. Dieser hat wie alle Lunar-Lake-Prozessoren acht Kerne, je vier P-Kerne und vier E-Kerne und in unserem Fall eine dauerhafte Leistungsaufnahme von 17 Watt, kurzzeitig sind es 37 Watt. Dazu kommen 32 GByte LPDDR5-8533-Speicher, der direkt auf dem CPU-Package verbaut ist. Mit einer Basistaktrate von 3,7 GHz und einem Boost-Takt von bis zu 4,8 GHz liegt unser Testmuster nicht an der Spitze der Lunar-Lake-CPUs, der Core Ultra 9 288V(öffnet im neuen Fenster) schafft bis zu 5,1 GHz.

Nachdem wir bereits bei einigen Notebooks mit Snapdragon-X-Elite-Prozessoren Akkulaufzeiten von mehr als 15 Stunden beobachten konnten, mit Herstellerangaben von weit über 20 Stunden, muss sich Intels neue Core Ultra Serie-2, wie der Hersteller sie selbst nennt, natürlich vor allem daran messen lassen. Offenbar erfolgreich, denn bereits die Angaben auf dem Datenblatt lassen aufhorchen. Unser Testgerät soll 23 Stunden Web-Browsing und 27 Stunden Videowiedergabe schaffen.

Akkulaufzeit bleibt das wichtigste Kriterium

Schon im Vorgespräch mit Robert Hallock, VP und General Manager für Client-AI und technisches Marketing bei Intel, haben wir die Bestätigung erhalten, dass auch Intel derzeit die Akkulaufzeit noch vor KI-Funktionen als wichtigstes Kaufkriterium sieht. Wir haben nachgefragt, ab welcher Laufzeit der Hersteller die Laufzeit für ausreichend hält und sich auf andere Aspekte konzentriert. Da die Ansprüche zu verschieden sind, gibt es darauf keine allgemeingültige Antwort. Hallock nannte aber 20 Stunden als eine Zeit, die vermutlich für die meisten Anwendungsbereiche ausreicht.

Wir haben unser Notebook daher wie üblich sowohl für einen Arbeitstag und ein paar Serien nach Feierabend und zusätzlich den UL-Procyon-Benchmark genutzt, um die Ergebnisse in einem möglichst gut reproduzierbaren Test verifizieren zu können. In beiden Fällen erreicht unser Testgerät fast die Herstellerangabe.

Im Office-Productivity-Test zur Akkulaufzeit lief das Notebook 20 Stunden und 18 Minuten bei halber Displayhelligkeit. Im eigenen Test konnten wir einen kompletten Tag damit arbeiten, abends einige Stunden einen Streamingdienst laufen lassen und am nächsten Tag noch einmal vier Stunden damit im Internet surfen.

Dabei erschien unser Testgerät zunächst einmal gar nicht besonders effizient, zumindest bis wir Vergleichsgeräte hinzugezogen haben. Nach dem Auspacken und während der Windows-Konfiguration konnten wir am USB-C-Messgerät regelmäßig bis zu 3,2 Ampere bei einer Spannung von 20 Volt auslesen, also 64 Watt. Nach der Einrichtung zeigt sich das Notebook allerdings von einer deutlich besseren Seite. Denn der Lunar-Lake-Chip kann allein gar nicht so viel Leistung aufnehmen.

0,518 Watt für das gesamte CPU-Package

Unsere beiden Vergleichsgeräte sind das Asus Zenbook S16 mit AMD Ryzen AI 9 HX370 (Strix Point), der mit zwölf Kernen und einer TDP von 28 Watt durchaus vergleichbar ist, standardmäßig aber bereits die doppelte elektrische Leistung zu Performance verwandeln darf. Noch einmal weiter geht das Huawei Matebook Pro X 14 mit Intel Core Ultra 9 185H (Meteor Lake). Der 16-Kern-Chip ist zwar mit Bezug auf die CPU-Architektur ein direkter Vorgänger, mit einem PL2 von 80 Watt ist die maximale Leistungsaufnahme aber in ganz anderen Regionen.

Denn Lunar Lake kann sich keine Performance durch hohe Spannung und Leistungsaufnahme erkaufen. Das maximale Leistungsbudget beträgt 37 Watt, bei unserem Zenbook kann dieses Maximum im Modus "Leistung" dauerhaft abgerufen werden. Denn die Core-Ultra-200V-Serie ist vor allem für besonders dünne und leichte Notebooks ausgelegt. Unser 14-Zoll-Gerät ist mit 1,2 Kilogramm zwar nicht unbedingt ein Schwergewicht, ein ausreichend dimensioniertes Kühlsystem und ein 72-Wh-Akku finden aber locker Platz und sind in anderen Ausstattungsvarianten auch für den Core Ultra 9 ausreichend dimensioniert.

Ein Blick in Hwinfo64 zeigt uns, woher die hohe Akkulaufzeit stammt. Die Leistungsaufnahme des CPU-Packages, also der Kombination aus CPU-Kernen, integrierter Grafikeinheit, Arbeitsspeicher und I/O-Komponenten liegt im Ruhezustand auf dem Desktop bei unter einem Watt. Bei leichten Arbeiten sehen wir Werte zwischen 3 und 15 Watt, fast immer bleibt es jedoch im einstelligen Bereich. Erst bei hoher Last auf allen Kernen stoßen wir in Bereiche von 20 bis 30 Watt vor, während das Matebook Pro X mit Core Ultra 9 185H bei über 60 Watt in die thermische Begrenzung läuft.

Schneller sind nur Desktop-Prozessoren

Was die Performance betrifft, sei zunächst gesagt, dass alle erwähnten Prozessoren in Notebooks der gehobenen Preisklasse stecken. Langsame Computer haben wir dementsprechend ohnehin nicht erwartet. Dennoch ist es erstaunlich, wie nah die Single-Core-Performance und die Speichergeschwindigkeit an Desktop-PCs heranreicht. Das Asus Zenbook 14 mit Core Ultra 7 258V schafft 1.909 Punkte im Cinebench-R23-Single-Core-Test und 10.358 Punkte im Multi-Core-Test.

Damit wird es von Meteor Lake bei Nutzung aller Kerne abgehängt, denn die bis zu 80 Watt Leistungsaufnahme resultieren in knapp 13.000 Punkten, bei der im Alltag wichtigen Single-Core-Leistung ist Lunar Lake ungeschlagen. Zum Vergleich: Sehr schnelle Desktop-Prozessoren liegen im Bereich zwischen 2.000 und 2.300 Punkten. AMDs Ryzen AI 9 HX370 hat zumindest mit der 28-Watt-Standardeinstellung nur einen knappen Vorsprung durch seine zwölf Kerne. Erst bei auf 54 Watt geöffneter TDP sind über 16.000 Punkte möglich – allerdings auch in einem deutlich größeren Notebook.

Etwas enttäuschend war allerdings die Performance von Lunar Lake in 7-Zip, hier kann allerdings auch eine Inkompatibilität mit der verwendeten Benchmark-Version vorliegen. In anderen Tests liegt die Leistung auf dem erwartbaren hohen Niveau.

Grafikleistung, die sich nicht verstecken muss

Gaming-Chips sind Intels Core-Ultra-200V-Prozessoren nicht, jedenfalls nicht für anspruchsvolle Spieler. Den großen Vorsprung, den AMD lange Zeit bei integrierten Grafikchips genossen hat, konnte Intel allerdings vollständig aufholen. Die Intel Arc 140V ist mit ihren acht Xe-2-Clustern und vermutlich auch durch den schnellen LPDDR5-8533-Speicher in unseren Tests manchmal sogar etwas schneller als die AMD Radeon 890M im Asus Zenbook S16.

Gerade wenn vor allem Gelegenheitsspiele, E-Sports-Titel oder Strategie- und Aufbauspiele gespielt werden, in denen die Bildrate vor allem durch den Prozessor begrenzt wird und ohnehin nicht von so hoher Bedeutung ist, eignet sich die Arc-140V-GPU in Lunar-Lake-Prozessoren durchaus für eine kleine Spielessession. Ohne es explizit zu wissen, würde man oft nicht vermuten, dass unter dem hochauflösenden OLED-Display gar keine dedizierte Grafikeinheit ihr Werk verrichtet.

Natürlich sind auch aktuelle Encoderfunktionen inklusive AV1 dabei und lassen sich zur beschleunigten Videobearbeitung nutzen. Die integrierte NPU leistet 48 TOPS und wird von Intel als Teil des Gesamtsystems verstanden, das je nach CPU-Variante bis zu 130 TOPS leistet. Dabei rechnet der Hersteller CPU, GPU und NPU zusammen – was nicht nur ein theoretisches Konzept ist. Per Open-Vino kann KI-Software auch zeitgleich KI-Berechnungen auf alle drei Bereiche verteilen und so die Gesamtleistung nutzen, was aktuell allerdings eher eine Sache von Tech-Demos ist. Langfristig erscheint es uns aber sinnvoll, den gesamten Chip nutzen zu können.

Intel Core Ultra 7 258V – Preis, Verfügbarkeit und Fazit

Die Intel-Core-Ultra-Serie-2 (Core Ultra 200V, Lunar Lake) ist in diversen Notebooks verfügbar. Das von uns getestete Asus Zenbook S14 mit 3K-120-Hz-OLED-Display und Intel Core Ultra 7 258V kostet 1.700 Euro. Je nach Ausstattung gibt es Notebooks mit Lunar-Lake-CPUs ab rund 1.200 Euro und bis über 2.000 Euro für die schnellsten Geräte mit großen SSDs und 4K-Bildschirmen.

Intel galt in den letzten Jahren als Problemkind – trotz hoher Marktanteile und leistungsfähiger CPUs. Das liegt auf finanzieller Seite am missglückten Foundry-Start, auf technischer Seite hat die Chipfertigung zumindest ihren Anteil daran gehabt. Denn besonders bei der Energieeffizienz konnten die CPUs nicht mit der Konkurrenz von AMD mithalten. Im Notebook-Sektor sah es sogar noch schlimmer aus, denn hier haben Apple und Qualcomm zuletzt einen erheblichen Vorsprung gehabt.

Auch wenn werbewirksame Zahlen von weit über 20 Stunden eher akademisch sein mögen, weit über zehn Stunden nutzbare Zeit waren mit den meisten x86-Notebooks höchstens bei abgeschaltetem WLAN, dunklem Display und lokaler Medienwiedergabe machbar. Apple-Geräte erreichten regelmäßig mehr als zehn Stunden, je nach Modell auch über 15 Stunden tatsächlich nutzbarer Arbeitszeit. Gleiches gilt für einige Notebooks mit Snapdragon-X-Elite-Prozessor von Qualcomm, wobei Probleme bei der Kompatibilität hier noch immer auftreten und sie nicht bedingungslos empfehlenswert machen.

Fazit

Diese Probleme gibt es bei Intel nicht. Und Effizienzprobleme erst einmal auch nicht mehr. Zumindest hardwareseitig hat Intel vor allem Qualcomm eingeholt, denn ein direkter Vergleich mit Apple ist durch grundsätzlich andere Software gar nicht so leicht. Im Ergebnis lässt er sich aber durchaus ziehen, Office-Arbeiten und Web-Browsing sowie das Anschauen von Videostreams kann man auf dem Asus Zenbook 14 mit Intel Core Ultra 7 258V länger als auf den in der Golem.de-Redaktion verfügbaren Apple-Notebooks.

Auch der generelle Trend spricht dafür, dass Intel nicht mehr Rechenleistung durch rohe Gewalt erreichen muss. Oft bewegt sich unser Testmuster im Bereich zwischen 4,1 und 4,5 GHz und erreicht dabei eine Performance, die wir eigentlich erst jenseits der 5-GHz-Marke erwartet hätten. Die von Intel angegebenen IPC-Steigerungen von 14 Prozent bei den Performance-Kernen und über 60 Prozent bei den Effizienz-Kernen sind durchaus real.

Das weckt große Hoffnungen auf Arrow Lake, wo Intel die gleichen Kerne in einem für den Desktop-Einsatz ausgelegten Format verwendet. Die Leistungsaufnahme dürfte dann zwar steigen, ins Unermessliche wie einst bei Raptor Lake sollte es aber nicht mehr gehen. Bleibt nur zu hoffen, dass Intel im nächsten Jahr der Umsteig zum 18A-Fertigungsprozess gelingt, denn Lunar Lake und Arrow Lake sind nicht zuletzt deshalb so gut gelungen, weil Intel einen Großteil der Produktion zu TSMC auslagert – von dort kamen bisher auch alle anderen besonders sparsamen CPUs.


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