Intel Compute Stick im Test:Der mit dem Lüfter streamt
Intel versucht, eine neue Geräteklasse zu erfinden: Der Compute Stick ist ein Micro-Rechner mit x86-Tablet-Hardware und aktiver Kühlung. Der Formfaktor des Rechenstäbchens ist aber nicht nur positiv.
Im vergangenen Jahr war Zotacs Zbox Pico einer der kleinsten x86-Mini-PCs am Markt, die neue HDMI-Stick-Generation ist noch kompakter. Wir haben uns den Compute Stick von Intel ins Testlabor geholt, um herauszufinden, was ein solcher Micro-Rechner kann – oder eben nicht kann.
Bei unserer Version ist Windows 8.1 Bing vorinstalliert, Intel bietet auch eine mit schwächerer Hardware ausgestattete und günstigere Version mit Linux an. Vorab sei gesagt, dass der Compute Stick weder als Konkurrenz zu etwa Amazons Fire TV gedacht ist noch einen schnellen Rechner ersetzen soll. Was genau er darstellt, wissen wir selbst noch nicht, da es sich um eine neue Geräteklasse handelt, die sich erst etablieren muss.
Der Compute Stick trägt seinen Namen zu Recht: Mit Maßen von 103 x 37 x 12 mm ist der Micro-PC kaum größer als viele USB-3.0-Sticks der ersten Generation. Angeschlossen wird der Kleinstrechner allerdings per HDMI 1.4a: Intel legt ein 20 cm langes Kabel bei, was ziemlich praktisch ist, denn niemand möchte sich jedes Mal zum Einschalten des Sticks hinter den Monitor beugen oder hinter den Fernseher krabbeln. Zudem befindet sich der winzige Power-Schalter nahe dem HDMI-Stecker, weswegen wir aufpassen müssen, den Micro-PC beim Abstöpseln nicht versehentlich zu starten.
Für den Betrieb muss der Micro-USB-Port des Compute Stick mit einem 100 cm langen Kabel mit dem 10-Watt-Netzteil verbunden werden. Intel liefert Adapter für US-amerikanische, europäische, britische und australische Steckdosen mit. Ohne Netzteil, also wenn das USB-Kabel an einem USB-Port eines Monitors oder Fernsehers angeschlossen wird, startet der Compute Stick nicht. Als Standardanschluss ausgelegt, liefert selbst USB 3.0 maximal 4,5 Watt und USB 2.0 nur 2,5 Watt – das ist zu wenig.
Bild 11/18: Der Compute Stick ist sparsam, benötigt aber dennoch ein eigenes Netzteil
Bild 12/18: Der Compute Stick benötigt zwingend ein Netzeil (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 13/18: HDMI-1.4-Ausgang, Micro-USB-Stromanschluss und USB 2.0 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 14/18: Der Micro-SD-Kartenleser ist mit Modellen bis 128 GByte kompatibel (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 15/18: Das Upgrade auf Windows 10 meldet sich bereits (Screenshot: Golem.de)
Bild 16/18: Valves Steam In-Home-Streaming klappt in 720p recht gut (Screenshot: Golem.de)
Bild 17/18: Der Atom-Chip ist auch für ältere Spiele zu lahm (Screenshot: Golem.de)
Bild 18/18: Die integrierte eMMC ist durchaus flott (Screenshot: Golem.de)
Im Einsatz wird schnell deutlich, warum das Netzteil zwingend notwendig ist: Der Stick alleine ohne Peripherie genehmigt sich im Leerlauf zwar nur 2,4 Watt. Sobald wir aber 1080p-Material streamen, beispielsweise House of Cards per Netflix im Internet Explorer, steigt die Leistungsaufnahme auf 6,9 Watt.
Mit einem passiven USB-Hub, Maus und Tastatur erhöht sich der Energiebedarf während des Streamings auf bis zu 7,4 Watt. Höhere Werte konnten wir nur mit Dauerlast auf den CPU-Kernen und der Grafikeinheit provozieren: Mit dem Luxmark v2 sind es 9,3 Watt inklusive Maus und Tastatur.
Bild 11/18: Der Compute Stick ist sparsam, benötigt aber dennoch ein eigenes Netzteil
Bild 12/18: Der Compute Stick benötigt zwingend ein Netzeil (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 13/18: HDMI-1.4-Ausgang, Micro-USB-Stromanschluss und USB 2.0 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 14/18: Der Micro-SD-Kartenleser ist mit Modellen bis 128 GByte kompatibel (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 15/18: Das Upgrade auf Windows 10 meldet sich bereits (Screenshot: Golem.de)
Bild 16/18: Valves Steam In-Home-Streaming klappt in 720p recht gut (Screenshot: Golem.de)
Bild 17/18: Der Atom-Chip ist auch für ältere Spiele zu lahm (Screenshot: Golem.de)
Bild 18/18: Die integrierte eMMC ist durchaus flott (Screenshot: Golem.de)
Die vergleichsweise geringe Leistung des Compute Sticks ist der verbauten Hardware geschuldet, die Intel dennoch aktiv kühlen muss – ansonsten würden bei längerer Laufzeit nervige Probleme auftreten.
Auf den Codec kommt es an
Besonders hitzig ist die Technik im Inneren des Compute Sticks rein auf dem Papier nicht: Intel setzt auf einen Atom Z3735F(öffnet im neuen Fenster) , das zweitlangsamste Modell der Reihe. Der basiert auf vier CPU-Kernen mit Silvermont -Architektur und gehört noch zur Bay-Trail-Generation von Ende 2013. Die Szenario Design Power des Atom Z3735F gibt Intel mit 2,2 Watt an. Das ist zu viel, um die Hardware im winzigen Gehäuse dauerhaft passiv zu kühlen. Folgerichtig ist ein kaum hörbarer 30-mm-Lüfter verbaut und der Chip hält unter Last gar einen Takt von 1,55 GHz konstant, statt zu drosseln.
Bild 11/18: Der Compute Stick ist sparsam, benötigt aber dennoch ein eigenes Netzteil
Bild 12/18: Der Compute Stick benötigt zwingend ein Netzeil (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 13/18: HDMI-1.4-Ausgang, Micro-USB-Stromanschluss und USB 2.0 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 14/18: Der Micro-SD-Kartenleser ist mit Modellen bis 128 GByte kompatibel (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 15/18: Das Upgrade auf Windows 10 meldet sich bereits (Screenshot: Golem.de)
Bild 16/18: Valves Steam In-Home-Streaming klappt in 720p recht gut (Screenshot: Golem.de)
Bild 17/18: Der Atom-Chip ist auch für ältere Spiele zu lahm (Screenshot: Golem.de)
Bild 18/18: Die integrierte eMMC ist durchaus flott (Screenshot: Golem.de)
Sofern der Compute Stick für einfache Office-Arbeiten wie das Tippen von E-Mails oder das Lesen von Meldungen im Internet verwendet wird, reichen die wenigen Aluminiumlamellen des Kühlers für niedrige Temperaturen aus. Starten wir aber ein Youtube-Video oder eine in 1080p ausgestrahlte Folge House of Cards bei Netflix, erreicht der Atom-Chip in ein bis zwei Minuten über 60 °C und der Minilüfter springt an. Hierbei ist es nahezu egal, welche Art von Filmmaterial der Compute Stick abspielt, da die CPU-Kerne immer mitrechnen müssen. Wichtiger Hinweis an dieser Stelle: Auf unserem Compute Stick war nach der Einrichtung kein Intel-Grafiktreiber vorinstalliert, was sonst bei Komplettsystemen durchweg der Fall ist.
Die im Atom-Chip integrierte Grafikeinheit beschleunigt den H.264-Codec samt MVC sowie WMV, Googles VP8 und MPEG2/4. Das ist wichtig für die Videowiedergabe: Spielen wir House of Cards im Internet Explorer ab, wird HTML5 und ein mit H.264 codierter 1080p-Stream angeliefert, der flüssig läuft. Chrome hingegen schickt einen 720p-Stream mit VP9-Codec, der sichtlich ruckelt – ähnlich wie die Implementierung von Netflix via Silverlight im Firefox. Wir sind daher gespannt, wie der Compute Stick nach dem Update von Windows 8.1 auf Windows 10 mit dem neuen Microsoft-Edge -Browser Videos darstellt.
Bild 11/18: Der Compute Stick ist sparsam, benötigt aber dennoch ein eigenes Netzteil
Bild 12/18: Der Compute Stick benötigt zwingend ein Netzeil (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 13/18: HDMI-1.4-Ausgang, Micro-USB-Stromanschluss und USB 2.0 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 14/18: Der Micro-SD-Kartenleser ist mit Modellen bis 128 GByte kompatibel (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 15/18: Das Upgrade auf Windows 10 meldet sich bereits (Screenshot: Golem.de)
Bild 16/18: Valves Steam In-Home-Streaming klappt in 720p recht gut (Screenshot: Golem.de)
Bild 17/18: Der Atom-Chip ist auch für ältere Spiele zu lahm (Screenshot: Golem.de)
Bild 18/18: Die integrierte eMMC ist durchaus flott (Screenshot: Golem.de)
Genauso wie die Zbox Pico ist der Compute Stick in der Lage, Valves In-Home-Streaming auszuführen: Die 1x1-Konfiguration des n-WLANa kriecht im 2,4-GHz-Band zwar mit bis zu 5 MByte pro Sekunde dahin, der Chip schafft es aber, die ankommenden H.264-Daten in Hardware zu verarbeiten. Ältere Spiele wie The Elder Scrolls Skyrim streamt der Atom Z3735F in 1080p mit 60 fps, moderne Titel wie Grand Theft Auto 5 laufen in 720p mit knapp 30 fps.
Auf dem Compute Stick direkt Spiele zu starten, ist wenig vielversprechend: Counter-Strike: Global Offensive in 720p mit niedrigen Details beschleunigen der Atom-Chip und die 2 GByte Arbeitsspeicher zumeist auf 40 bis 50 fps – aber wehe, ein Teammitglied oder ein Gegner wirft eine Rauch- äh Ruckel-Granate. Ohnehin ist kaum Platz auf der verbauten eMMC: Sie sichert 32 GByte, abzüglich Windows samt Updates bleiben nur 14 GByte nutzbarer Flash-Speicher übrig.
Immerhin ist die eMMC für Tablet-Hardware durchaus flott: Der Flash-Speicher liest mit bis zu 166 und schreibt bis zu 74 MByte pro Sekunde. Deutlich langsamer ist der Steckplatz für eine bis zu 128 GByte fassende Micro-SD-Karte, denn der erreicht maximal schnarchige 24 MByte pro Sekunde. Einen Kopfhörer-Ausgang fehlt dem Stick, Ton überträgt er per HDMI.
Verfügbarkeit und Fazit
Die von uns getestete Version des Compute Sticks wird mit Windows 8.1 Bing, 32 GByte eMMC- und 2 GByte DDR3L-Arbeitsspeicher ausgeliefert. Sie kostet im Handel rund 150 Euro – deutlich mehr als das Pendant mit 64-Bit-Ubuntu-Linux. Das ist für 110 Euro gelistet, aber nicht erhältlich.
Zudem hat Intel die Hardware auf 8 und 1 GByte beschnitten, was uns doppelt ärgert. Der Windows-Stick nutzt ein 32-Bit-UEFI. Trotz abschaltbarem Secure Boot erfordert eine Linux-Installation einiges an Gefummel und ist dennoch auf 32 Bit beschränkt.
Bild 11/18: Der Compute Stick ist sparsam, benötigt aber dennoch ein eigenes Netzteil
Bild 12/18: Der Compute Stick benötigt zwingend ein Netzeil (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 13/18: HDMI-1.4-Ausgang, Micro-USB-Stromanschluss und USB 2.0 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 14/18: Der Micro-SD-Kartenleser ist mit Modellen bis 128 GByte kompatibel (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Bild 15/18: Das Upgrade auf Windows 10 meldet sich bereits (Screenshot: Golem.de)
Bild 16/18: Valves Steam In-Home-Streaming klappt in 720p recht gut (Screenshot: Golem.de)
Bild 17/18: Der Atom-Chip ist auch für ältere Spiele zu lahm (Screenshot: Golem.de)
Bild 18/18: Die integrierte eMMC ist durchaus flott (Screenshot: Golem.de)
Fazit
Prinzipiell gefällt uns die Idee des Compute Sticks ja gut: Einen viel kleineren x86-Rechner gibt es kaum, die im Inneren rechnenden Tablet-Komponenten genügen dennoch alltäglichen Ansprüchen. Durch den HDMI-Anschluss können wir uns den Compute Stick dank vieler Netzteiladapter gut als Thin-Client(öffnet im neuen Fenster) für Weltenbummler vorstellen, der Atom-Chip unterstützt gar das Verschlüsselungsverfahren AES in Hardware.
In der Praxis krankt Intels Rechenstäbchen jedoch an einigen nicht beschleunigten Videocodecs und wenig Speicherplatz, der erst per Micro-SD-Karte erweitert werden muss; die generelle Rechenleistung ist ausreichend. Die aktive Kühlung sorgt zwar für eine konstante Leistung, der Lüfter dürfte jedoch im Laufe der Zeit zustauben, und dann wird der Micro-PC langsamer.
Auf uns wirkt Intels Compute Stick daher wie eine Machbarkeitsstudie: Wie klein kann ein Gerät sein, in dem x86-Hardware steckt, die ein Windows-Betriebssystem antreibt? Kommende Generationen werden zeigen, ob sich die Idee mittelfristig durchsetzt – eine Version mit Cherry Trail , Windows 10 und Unterstützung für USB Typ C sowie H.265 klingt doch gleich viel interessanter.
Obacht bei Angeboten, die dem Compute Stick ähneln! Lenovos Ideacentre Stick 300 scheint identisch zu sein, die Pendants von Archos und Hannspree aber werden passiv gekühlt. Nach einigen Minuten Laufzeit überhitzt der Atom-Chip, er drosselt seine Taktraten drastisch und Videos ruckeln stark.