Integral: Esa-Satellit durch Notfalleinsatz gerettet

Bei der Esa kam es im September zu einer Rettungsaktion. Der Satellit Integral hatte angefangen, sich unkontrolliert zu drehen.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Klapetz
Künstlerische Darstellung des Satelliten Integral, der die energiereichsten Strahlungen aus dem Weltraum einfängt
Künstlerische Darstellung des Satelliten Integral, der die energiereichsten Strahlungen aus dem Weltraum einfängt (Bild: Esa)

Wie die europäische Raumfahrtbehörde Esa in einer Mitteilung vom 18. Oktober mitteilte, gab es im September einen Notfalleinsatz bei einem ihrer Satelliten. Innerhalb von drei Stunden konnte man den außer Kontrolle geratenen Integral-Satelliten wieder funktionsfähig machen. Doch am nächsten Tag kam es zu erneuten Problemen.

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Bei Integral handelt es sich um einen Esa-Satelliten, der zur Beobachtung von massereichen Sternen in der Orion-Region eingesetzt wird. Er soll die Auswirkungen von Supernoven auf ihre Umgebung untersuchen. Der Satellit befindet sich bereits seit 19 Jahren im Orbit und ist am niedrigsten Punkt seiner Umlaufbahn 1.500 Kilometer von der Erde entfernt.

Darmstadt, wir haben ein Problem

Am 22. September erreichte die Betreiber am Darmstädter Esoc (Europäisches Raumflugkontrollzentrum) um die Mittagszeit die Nachricht, dass Integral in den sicheren Notfallmodus übergegangen war. Laut der Esa hatte sich eines der drei aktiven Reaktionsräder des Satelliten ohne Vorwarnung abgeschaltet - was dazu führte, dass sich der Satellit unkontrolliert drehte.

Vermutlich hatte ein geladenes Teilchen zu einer Störung an einem der empfindlichen elektronischen Geräte geführt. Solche ionisierten Teilchen stammen häufig von der Sonne, die bei Sonneneruptionen oder koronalen Massenauswürfen Materie und Energie ausspuckt. Doch Juha-Pekka Luntama, Esa-Leiter für Weltraumwetter, glaubte nicht an einen solaren Ursprung: "Dieser Ausbruch ereignete sich an einem Tag, an dem keine relevanten Weltraumwetteraktivitäten beobachtet wurden."

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Doch was kann die Ursache gewesen sein? "Nach einer Diskussion mit unseren Kollegen im Flugkontrollteam sieht es so aus, als ob die Anomalie durch geladene Teilchen ausgelöst wurde, die in den Strahlungsgürteln um die Erde gefangen sind", erklärte Luntama. Die Erde ist von zwei donutförmigen Regionen, den Van-Allen-Strahlungsgürteln, umgeben. In diesen werden energiereiche geladene Teilchen im Erdmagnetfeld eingefangen. Je nach Sonnenaktivität können ihre Eigenschaften variieren, was laut der Esa "eine Gefahr für Satelliten und Menschen im Weltraum" darstellt.

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Integral drohte verloren zu gehen

Nach einer ersten Schätzung hatte der Satellit nur noch für drei Stunden Energie. Ohne ein sofortiges Eingreifen wäre Integral verloren gegangen. Der Energieverbrauch musste gesenkt werden. Um einen Stromausfall zu verhindern, wurden verschiedene Instrumente und unkritische Komponenten nach und nach abgeschaltet. Dadurch konnten die Betreiber sechs Stunden gewinnen.

Am späten Nachmittag wurden die Befehle gesendet, die den Satelliten wieder unter Kontrolle bringen sollten. Danach vergingen noch drei bange Stunden, bis der Satellit wieder außer Gefahr war. Andreas Rudolph, der Leiter der Abteilung Astronomie-Missionen in der Abteilung Missionsbetrieb des Esoc, erinnert sich: "Alle atmeten erleichtert auf. Es war sehr knapp und wir waren sehr erleichtert, dass wir das Raumfahrzeug aus dieser 'Nahtoderfahrung' herausholen konnten."

Doch am nächsten Tag kam die ernüchternde Nachricht, dass der Satellit wieder angefangen hatte, sich unkontrolliert zu drehen. Man bediente sich der Erkenntnisse des Vortages und konnte Integral wieder unter Kontrolle bringen. Seit dem 27. September seien alle Systeme wieder online und seit dem 1. Oktober "beobachten die Instrumente nach einem längeren Check-out wieder das hochenergetische Universum", heißt es bei der Esa.

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