Integer-Overflow: Sicherheitslücke in Kompressionsverfahren LZ4 und LZO

Im Code für die weit verbreiteten Kompressionsverfahren LZO und LZ4 ist eine Sicherheitslücke entdeckt worden. Das betrifft zahlreiche Anwendungen, darunter den Linux-Kernel, die Multimediabibliotheken FFmpeg und Libav sowie OpenVPN.

Artikel veröffentlicht am , Hanno Böck
Curiosity benutzt den LZO-Algorithmus, in dem eine Sicherheitslücke gefunden wurde.
Curiosity benutzt den LZO-Algorithmus, in dem eine Sicherheitslücke gefunden wurde. (Bild: NASA)

Der Linux-Kernel, die Multimedia-Bibliotheken FFmpeg und Libav, OpenVPN sowie zahlreiche weitere Anwendungen sind von einer Sicherheitslücke in den Kompressionsalgorithmen LZO und LZ4 betroffen. Veröffentlicht wurde die Lücke von Don Bailey von der Firma Lab Mouse Security. Sie lässt sich im Linux-Kernel vermutlich nur in seltenen Fällen ausnutzen. Bei FFmpeg und Libav ist das Problem gravierender.

Kompressionsverfahren 1994 entwickelt

Stellenmarkt
  1. IT Service Desk Agent (m/w/d)
    MCM Klosterfrau Vertriebsgesellschaft mbH, Köln
  2. IKT-Beschäftigte*r (m/w/d) für die Sachbearbeitung im Bereich Projektleitung in der Baukoordination
    Stadt Köln, Köln
Detailsuche

LZO ist ein Kompressionsverfahren, 1994 vom Österreicher Markus Oberhumer entwickelt wurde. Es handelt sich dabei um eine Weiterentwicklung der Lempel-Ziv-Algorithmen LZ77 und LZ78. Oberhumer selbst hat eine C-Implementierung von LZO unter der GNU General Public License als freie Software veröffentlicht. LZ4 ist eine Weiterentwicklung des Codes von LZO.

LZO ist weit verbreitet. Laut dem Blogbeitrag bei Lab Mouse Security verwendete sogar der Mars-Rover Curiosity zur Datenübertragung diesen Kompressionsalgorithmus. Außerdem wird der Code von LZO und LZ4 von zahlreichen freien Softwareprojekten verwendet. Alle sind damit potentiell von der entdeckten Sicherheitslücke betroffen.

Im Linux-Kernel dürften die Konsequenzen jedoch überschaubar sein: Die Kompressionsverfahren werden meistens nur dafür verwendet, den Kernel selbst oder das sogenannte Initramfs zu komprimieren. In beiden Fällen hat ein Angreifer üblicherweise keine Möglichkeit, manipulierte komprimierte Daten vom Kernel dekomprimieren zu lassen. Bailey weist in seinem Blogeintrag darauf hin, dass die Ausführung von Code wahrscheinlich nicht möglich ist und 64-Bit-Systeme nicht betroffen sind.

Golem Akademie
  1. AZ-104 Microsoft Azure Administrator: virtueller Vier-Tage-Workshop
    28.06.-01.07.2022, virtuell
  2. DP-203 Data Engineering on Microsoft Azure virtueller Vier-Tage-Workshop
    12.-15.09.2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

Bei den Multimediabibliotheken FFmpeg und Libav sind die Konsequenzen gravierender: Hier ist die Ausführung von bösartigem Code möglich. Besonders gravierend ist es, wenn ein auf FFmpeg oder Libav basierender Videoplayer als Browserplugin eingesetzt wird. Bailey schreibt, dass bei manchen Linux-Distributionen Mplayer2 in der Standardinstallation samt passendem Browserplugin installiert wird.

Zur Ausnutzung der Sicherheitslücke in OpenVPN sind bislang keine Details bekannt. Weitere Programme, in denen der Code verwendet wird, sind unter anderem Grub und Busybox. Der Debian-Entwickler Yves-Alexis Perez hat eine umfangreiche Liste mit betroffenen Programmen erstellt.

Details zur Ausnutzung später

Don Bailey hat bislang keine Details zur Ausnutzung der Lücke bekanntgegeben. Er will damit warten, bis korrigierte Versionen von den meisten betroffenen Programmen zur Verfügung stehen.

Die Lücke im Kernel-Code haben die IDs CVE-2014-4611 (LZ4) und CVE-2014-4608 (LZO) erhalten. Die Lücke in FFmpeg hat die ID CVE-2014-4610, in Libav die ID CVE-2014-4609 und im originalen LZO-Code die ID CVE-2014-4607.

Der Linux-Kernel behebt die Sicherheitslücken sowohl im LZO als auch im LZ4-Code mit der Version 3.15.2. Vom originalen LZO-Code gibt es die korrigierte Version 2.07. Für den originalen LZ4-Code gibt es bislang keine Korrektur. Von FFmpeg wurde die korrigierte Version 2.2.4 veröffentlicht. In LibAV wurde der Fehler im Git-Repository behoben, eine neue Version gibt es jedoch noch nicht.

Nachtrag vom 27. Juni 2014, 11:12 Uhr

Der Entwickler des LZ4-Codes, Yann Collet, hat in seinem Blog auf die Sicherheitslücke reagiert. Er weist darauf hin, dass die Lücke ursprünglich nicht von Bailey, sondern von Ludvig Strigeus, dem Entwickler von µTorrent, entdeckt wurde. Außerdem sei der Fehler in LZ4 aufgrund der Blockgröße überhaupt nicht ausnutzbar, schreibt Collet. Trotzdem wurde der Fehler jetzt auch dort behoben.

Bailey kommentierte die Vorwürfe von Collet auf der Mailingliste oss-security und erläuterte, warum er die Sicherheitslücke für gravierender hielt. Außerdem lieferte er noch einen Beispiel-Exploit für den LZ4-Code im Linux-Kernel.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Nerd_vom_Dienst 27. Jun 2014

Seit anbeginn ist deine einzige Intension hier zu trollen, und nichtmal das kannst du...

nicoledos 27. Jun 2014

Mit derartigen Äußerungen würde ich vorsichtig sein. Selbst wenn ein Problem relativ...

maciej2maciek 27. Jun 2014

The example is flawed, because it supposes any program can access Linux Kernel...

hab (Golem.de) 27. Jun 2014

Ich hab einen Nachtrag für den Artikel verfasst. Bailey hat darauf inzwischen auch...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Forschung
Blaualge versorgt Computer sechs Monate mit Strom

Ein Forschungsteam hat einen Mikroprozessor sechs Monate ununterbrochen mit Strom versorgt. Die Algen lieferten sogar bei Dunkelheit.

Forschung: Blaualge versorgt Computer sechs Monate mit Strom
Artikel
  1. Subventionswettbewerb: Halbleiterkrise stärke die Zusammenarbeit von EU und USA
    Subventionswettbewerb
    Halbleiterkrise stärke die Zusammenarbeit von EU und USA

    Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten hatten ein Wettrennen um Subventionen bei der Halbleiterkrise befürchtet. Nun loben beide Seiten die Zusammenarbeit.

  2. Asus RTX 3080 Noctua Edition: Die Geforce RTX 3080 mit Noctua-Lüftern kommt
    Asus RTX 3080 Noctua Edition
    Die Geforce RTX 3080 mit Noctua-Lüftern kommt

    Braune Lüfter und gute Leistung: Asus und Noctua bringen die Geforce RTX 3080 Noctua Edition heraus. Diese soll leiser und kühler laufen.

  3. EC-Karte: Trotz Kartensperre können Diebe stundenlang Geld abheben
    EC-Karte
    Trotz Kartensperre können Diebe stundenlang Geld abheben

    Eine Sperre der Girocard wird nicht immer sofort aktiv. Verbraucher können sich bereits im Vorfeld schützen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • LG OLED TV (2021) 77" günstig wie nie: 1.771,60€ statt 4.699€ • Grakas günstig wie nie (u. a. RTX 3080Ti 1.285€) • Samsung SSD 1TB (PS5-komp.) + Heatsink günstig wie nie: 143,99€ • Microsoft Surface günstig wie nie • Jubiläumsdeals MediaMarkt • Bosch Prof. bis 53% günstiger[Werbung]
    •  /