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Instagram, Pinterest, Tumblr: Onlinedienste kämpfen gegen autoaggressives Verhalten

Mit Instagram hat in kurzer Zeit schon der dritte Anbieter von Bilderdiensten im Web seine Nutzungsbedingungen verändert. Wird dort künftig selbstverletzendes Verhalten wie durch sogenannte "Pro Ana"-Fotos verherrlicht, kann der Account ohne Warnung gelöscht werden.
/ Nico Ernst
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Blogeintrag von Instagram (Bild: Instagram, Screenshot: Golem.de)
Blogeintrag von Instagram Bild: Instagram, Screenshot: Golem.de

Instagram hat seine Nutzungsbedingungen geändert. Künftig will das Unternehmen, das den Schritt in seinem Blog erläutert(öffnet im neuen Fenster) , keine Verherrlichung von Verhalten mehr erlauben, mit dem sich die Nutzer selbst schädigen können. Das bezieht sich nicht nur auf Fotos, sondern auf alle Beiträge der Anwender. Auch nach entsprechenden Hashtags können die Inhalte nicht mehr durchsucht werden.

Das kürzlich von Facebook übernommene Instagram nennt als Beispiele glorifizierende Darstellungen von Essstörungen und anderes selbstverletzendes Verhalten. Dazu gehört auch die umgangssprachlich und euphemistisch als "Ritzen" bekannte Praktik, bei der sich Menschen selbst mit scharfen Gegenständen Wunden zufügen.

Hintergrund der neuen Regeln bei Instagram ist vor allem die sich seit Jahren im Internet ausbreitende " Pro-Ana-Bewegung(öffnet im neuen Fenster) ", die nach dem medizinischen Namen der Magersucht, Anorexia Nervosa(öffnet im neuen Fenster) , benannt ist. In geschlossenen Foren, aber auch öffentlichen sozialen Netzwerken diskutieren Betroffene und Bewunderer von magersüchtigen Menschen dabei nicht nur die Krankheit.

Mit als "Thinspiration" oder "Thinspo" bezeichneten Bildern, die oft künstlerisch gestaltet oder mit Texten versehen sind, wird der Drang, immer weiter abzunehmen, verstärkt. Die Erkrankten lassen sich dabei von Leidensgefährten, aber auch unbeteiligten Menschen mit einem Schönheitsideal, das sich auf extreme Schlankheit konzentriert, in ihrem Verhalten bestärken. Seit kurzem bemühen sich große Onlineanbieter, diesem Trend entgegenzuwirken.

Hilfsangebote statt Hunger-Galerien

So hatte der Blogdienst Tumblr im(öffnet im neuen Fenster) Februar 2012 angekündigt, entsprechende Inhalte nicht nur zu löschen, sondern auch Warnhinweise mit Hilfeangeboten anzuzeigen, wenn danach gesucht wird. Ende März 2012 hatte auch der Bilderdienst Pinterest seine Nutzungsbedingungen entsprechend geändert. Instagram zog nun nach, in Facebooks neuen Nutzerbedingungen findet sich noch kein Verbot des Anpreisens von selbstverletzendem Verhalten.

Das Problem von extremen Formen der Magersucht war erstmals 2007 von einer breiten Öffentlichkeit bemerkt worden, als die betroffene Französin Isabelle Caro(öffnet im neuen Fenster) mit einer Plakatkampagne schockierte. Die 1,64 Meter große Frau, die seit dem 13. Lebensjahr unter Magersucht litt, wog zum Zeitpunkt der Aufnahmen rund 30 Kilogramm. Im Alter von 28 Jahren starb Caro drei Jahre später.


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