Insta360 X5 im Test: Das taugt die rundum erneuerte Rundumkamera

Und wieder gelingt uns der beste Stunt oder Sprung ein paar Meter außerhalb des Ausschnitts unserer Actioncam: Der Berg im Hintergrund ist nicht richtig im Bild, aber dafür das hässliche Bürogebäude – Alltag für Filmer und Fotografen. Mit 360-Grad-Kameras passiert das zumindest seltener, weil sich der Ausschnitt nachträglich wählen lässt, beim sogenannten Reframing.
Die neue X5 des chinesischen Herstellers Insta360(öffnet im neuen Fenster) bringt dafür ordentliche Upgrades mit – von größeren Sensoren und mehr Bildprozessoren über einen KI-gestützten Schwachlichtmodus bis hin zu austauschbaren Linsen und integriertem Windschutz.
Aber bringt das im Alltag tatsächlich Vorteile? Golem.de hatte die Kamera einige Tage vor dem offiziellen Verkaufsstart im Einsatz und beim Sport, auf Wanderwegen und in der Stadt dabei.
Das Fazit vorweg: Die X5 ist keine Neuerfindung, aber sie bringt in nahezu allen Bereichen Verbesserungen gegenüber der im April 2024 veröffentlichten X4. Wer ernsthaft 360-Grad-Inhalte produzieren will, bekommt ein durchdachtes, robustes und vielseitiges Werkzeug mit sehr guter Bildqualität bei Tag und Nacht.
Hardware: Mehr Licht, mehr Leistung
Äußerlich bleibt vieles beim Alten: Die X5 ist angenehm kompakt, sehr gut verarbeitet und liegt auch bei Actionaufnahmen sicher in der Hand. Die Wasserdichtigkeit liegt nun bei 15 Metern (zuvor 10 Meter).
Die beiden neu entwickelten 1/1,28-Zoll-Sensoren sind größer als beim Vorgängermodell (144 Prozent Zuwachs laut Hersteller) und bringen mehr Licht auf den Chip – das ist besonders bei schwachem Licht ein Gewinn.
Tatsächlich sehen Nachtaufnahmen mit der X5 besser aus als bisher. Der neue Schwachlichtmodus Pure Video nutzt KI-Rauschunterdrückung und optimierten Dynamikumfang für besonders klare, fast schon filmische Aufnahmen bei Dunkelheit, ohne dass wir uns groß um ISO oder Belichtung kümmern müssen.
| Insta360 X5 | |
|---|---|
| Sensorgröße / Blende | 1/1.28'' / F2.0 |
| Videoauflösung maximal | 360 Grad: 8K - 7680 x 3840 @ 30/25/24 fps / Einzelbildmodus: 4K - 3840 x 2160 @ 120/100/60/50/30/25/24 fps / Ich-Modus: 4K - 3840 x 2160 @ 30/25/24 fps |
| Videoformate, -kodierung | 360: INSV, Einzelobjektiv-Modus: MP4 / H.264, H.265 (max 180 Mbit/s) |
| Audioformate | 48 kHz, 16bits, AAC |
| Fotoauflösung maximal | ca. 72 MP (11904 x 5952), ca. 18 MP (5888 x 2944) |
| Fotoformate | JPG, DNG, INSP |
| Akku-Kapazität | 2.400 mAh |
| Maße (B × H × T) | 46 x 124,5 x 38,2 mm |
| Gewicht | 200 Gramm |
| Wasserdicht | 15 Meter |
| Konnektivität | BLE 5.2 / 5 GHz 802.11a/n/ac / Typ-C-USB 3.0 |
Bei den Video- und Fotomöglichkeiten ändert sich nichts Grundlegendes, abgesehen von einem neuen Modus: Wir können HDR-Videos auch in 5,7K-Auflösung bei voller Stabilisierung mit 60 fps aufnehmen. Dazu werden gleichzeitig zwei Dateien aufgezeichnet – eine mit Fokus auf Lichtern, eine mit Fokus auf Schatten. Die Software kombiniert beides für maximale Bildtiefe, besonders in kontrastreichen Szenen.
Die X5 verfügt über drei KI-Chips, darunter zwei Pro-Imaging-Einheite, und soll laut Hersteller 140 Prozent mehr Power liefern als das Vorgängermodell. In der Praxis macht sich das vor allem beim Speichern und Bearbeiten bemerkbar. Insbesondere lange Clips werden sehr viel schneller verarbeitet, und wir sind deutlich fixer wieder aufnahmebereit.
Auch der Akku wurde überarbeitet: Mit 2.400 mAh hält die Kamera bis zu 185 Minuten im Ausdauermodus durch – das sind fast 40 Prozent mehr als bei der X4. Und nach 20 Minuten an der Steckdose ist die neue Kamera wieder zu 80 Prozent aufgeladen. Besonders bei Ausflügen oder längeren Drehs ist das ein Pluspunkt.
Bedienung: Einfach aufnehmen, später entscheiden
Wie bei 360-Grad-Kameras üblich, nimmt die X5 alles gleichzeitig auf – das komplette Rundumfeld in 5.7K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde. In der Praxis ist das erstaunlich unkompliziert: aufstellen, aufnehmen, speichern, fertig. Um den Bildausschnitt kümmert man sich später.













Genau hier liegt allerdings auch der größte Unterschied zu klassischen Actioncams – und ein kleiner Nachteil: Wer bestimmte Szenen gezielt schneiden oder exportieren will, braucht Geduld und Zeit bei der Nachbearbeitung sowie Übung und ein gewisses Gespür für gute Perspektiven.
Die Insta360-App hilft dabei mit sogenannten Keyframes, also festgelegten Blickrichtungen im Video. Leider sind diese im aktuellen Appdesign etwas versteckt – man muss sich erst durch ein paar Menüs klicken, bis alles sitzt. Wer das aber einmal verstanden hat, findet schnell seinen Workflow.
Insta360 X5: Verfügbarkeit und Fazit
Eine Arbeitserleichterung und praktisch für schnelle Videos direkt von der Piste oder Schanze ist der neue Insta-Frame-Modus. Die Kamera erstellt dabei parallel zwei Videos: eines im 360-Grad-Format und eines in einem fixen, flachen Format, das sofort in den sozialen Netzwerken geteilt werden kann.
Letzteres kann wahlweise automatisch der größten Person im Bild folgen (etwa bei Sportaufnahmen) oder dauerhaft auf eine bestimmte Richtung zeigen. Besonders bei spontanen Clips oder für Social-Media-Posts spart das jede Menge Nachbearbeitung – einfach aufnehmen und teilen.
Auch die Objekterkennung Deep Track wurde weiter verbessert: Version 3.0 erkennt nun noch zuverlässiger etwa Personen und folgt ihnen automatisch im Bild.
Das funktioniert nicht nur bei Menschen in leuchtend roter Jacke auf dem Fahrrad, sondern auch bei Tieren, Fahrzeugen oder selbst kleineren Objekten. Für alle, die lieber filmen als schneiden, ist das eine Erleichterung.
Zusätzlich gibt es einen Bullet-Time-Modus für klassische Zeitlupen-Spielereien – jetzt mit drei verschiedenen Kamerawinkeln – und die bekannten Funktionen wie Flow-State-Stabilisierung oder die Unsichtbare-Selfie-Stick-Option, bei welcher der Stick nicht digital gelöscht, sondern optisch intelligent aus dem Bild gerechnet wird.
Software und Bearbeitung: Alles kann, nix muss
Im Hinblick auf Nachbearbeitung setzt Insta360 nach wie vor stark auf seine mobile App. Das funktioniert in der Praxis gut: Egal ob KI-Schnitt, Auto-Tracking, Hyperlapse oder Zeitraffer – alles klappt nach Eingewöhnung gut auf dem Smartphone. Wer mehr Kontrolle will, kann mit Insta360 Studio auf dem Desktop (Windows, MacOS) arbeiten oder direkt in Final Cut, Premiere und Co. exportieren.













Neu ist in App und Desktop-Programm das sogenannte Dewarp-Feature, mit dem sich Fischaugenverzerrungen glätten lassen. Auch die Exportoptionen wurden erweitert: Wer keine Lust auf Reframing oder Schnitt hat, kann seine Clips mit einem Klick direkt ohne weitere Bearbeitung speichern – praktisch für Vlogger oder schnelle Projektabgaben.
Neben Hard- und Software verbesserte Insta360 die X5 in einem weiteren Punkt: Die durch die starke seitliche Wölbung exponierten Linsen (bei 360-Grad-Kameras unvermeidbar) sind laut Hersteller wesentlich stärker gehärtet. Details werden nicht genannt.
Wir hatten nach einem hundebedingten Sturz mit der X5, bei der eine Linse vermutlich auf dem Boden aufschlug, keinen Schaden. Als Test taugt das aber nicht, möglicherweise hätten wir bei einem minimal anderen Winkel einen Totalausfall gehabt.
Immerhin hätten wir die Linse(n) im Ernstfall selbst austauschen können, nämlich mit dem Lense Repair Kit (den Preis kennen wir nicht). Die X4 musste noch zum Hersteller geschickt werden, nun könnten wir mit dem Kit das Problem selbst auf einfache Art lösen.
Die Insta360 X5 ist für 590 Euro inklusive einer Kamerahülle erhältlich. Für rund 700 Euro gibt es das Essentials Bundle mit Extras, darunter ein zusätzlicher Akku und vor allem ein für den sinnvollen Einsatz enorm wichtiger "unsichtbarer" Selfie-Stick (114 cm).
Von Golem.de erstellte Beispielbilder und -videos sind unter diesem Link herunterladbar. Die Dateien können mit dem kostenlos verfügbaren Programm Insta360 Studio(öffnet im neuen Fenster) (Windows, MacOS) geöffnet und bearbeitet werden.
Fazit
Die Insta360 X5 ist eine konsequente Weiterentwicklung und in fast allen Punkten besser als das Vorgängermodell. Die neue Kamera liefert spürbar bessere Bildqualität bei wenig Licht, hat den Vorteil der robusteren und austauschbaren Linsenabdeckung und bleibt dabei handlich und intuitiv bedienbar.
Für sportliche Einsätze, Reisen oder kreative Videoprojekte ist sie eine der vielseitigsten Kameras auf dem Markt. Wer 360-Grad-Inhalte produziert oder damit experimentieren will, bekommt ein leistungsstarkes, durchdachtes Gesamtpaket.
Gerade für Actionsport, Reisen oder Solo-Content ist die X5 ideal. Wer dagegen nur schnelle Clips für Instagram filmt, dürfte mit einer klassischen Kamera einfacher ans Ziel kommen – oder greift zum Insta-Frame-Modus und hat beides.



