Insta360 X4: Actionkamera statt Drohne
Auch wenn derzeit mit Apple Vision Pro mal wieder frischer Wind durch die Virtual-Reality-Landschaft weht, bleibt der Medienkonsum mit Headsets eher die Ausnahme. Warum also Bilder und Videos mit einem Blickwinkel von 360 Grad machen, wenn das doch niemand anschaut?
Die Actionkamera X4 des chinesischen Herstellers Insta360 gibt eine pragmatische Antwort, die uns im Test gut gefallen hat.
Kommen wir zunächst zu den Spezifikationen des kompakten Geräts: Mit zwei Fischaugen-Optiken kann die Kamera im Fotomodus eine Auflösung von 73 Megapixel erreichen, bei Video sind es 8K. Das klingt zunächst nach einer Menge Pixel, die verteilen sich aber über den gesamten Sichtbereich von 360 Grad. Trotzdem ist die X4 damit besser ausgestattet als die Konkurrenz von Gopro, deren letztes Modell 6K bietet.
Um bei dem Vergleich zu bleiben: Der Formfaktor mag anders sein und die X4 50 Gramm mehr wiegen als die Gopro Hero Max. Doch wir fanden beide Kameras absolut taschentauglich und kompakt genug, um sie immer dabei zu haben. Damit qualifiziert sich die Insta360 X4 als Actionkamera für den täglichen Gebrauch und für Reisen.
Die Verarbeitung mutet hochwertig an, alle Öffnungen am Kameragehäuse sind versiegelt, die Knöpfe bieten einen spürbaren Druckpunkt. An der Frontseite befindet sich ein großes und auch bei Tageslicht gut ablesbares Touchdisplay, über das wir alle Einstellungen vornehmen können, wenn wir nicht gerade die iOS- oder Android-App(öffnet im neuen Fenster) als Fernbedienung nutzen.

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Ein Schnellwahlschalter an der Seite lässt sich mit einem beliebigen Modus belegen, der zweite Knopf dient zum An- und Ausschalten. Auf der gegenüberliegenden Seite ist ein USB-C-Port hinter einer Klappe verborgen; außerdem lässt sich der Akku dort entnehmen, was auch den Micro-SD-Slot zugänglich macht. Unter dem Bildschirm sind zwei weitere Taster, die entweder die Aufnahme starten oder das Menü aufrufen. All das ist wasserfest realisiert, der Hersteller gibt zehn Meter Tauchtiefe an.
Wir waren zwar noch nicht mit der X4 schwimmen, aber auch im Trockenen fanden wir genügend Einsatzgebiete.
Saubere Software, schnelle Einsatzbereitschaft
Nach dem Einschalten ist die Kamera schnell einsatzbereit, auch das System fanden wir angenehm reaktionsschnell. Es gibt keine Gedenksekunde beim Wechsel zwischen Kamera und Ansichtsmodus, wie wir es mitunter von Konkurrenzmodellen kannten. LED an beiden Seiten zeigen blau die Einsatzbereitschaft und rot die Aufnahme an.
Die Insta360 X4 hat eine Menge Aufnahmemodi für verschiedene Situationen, man kann sich für den kompletten Rundumblick oder für eine der beiden Linsen entscheiden. Das verringert die Datenmenge und soll nach Angaben des Herstellers die Bildqualität des entstehenden 180-Grad-Videos erhöhen. Wir fanden aber die höhere Flexibilität des 360-Grad-Modus wichtiger. Insbesondere in Kombination mit dem kompakt einfahrbaren Drei-Meter-Selfiestick kann die X4 in vielen Situationen eine Drohne ersetzen.
Rundumblick für volle Flexibilität
Auch wenn wir derzeit nicht planen, unsere Aufnahmen in einem Headset anzuschauen, empfanden wir die Kamera rasch als unverzichtbaren Begleiter für alle möglichen Situationen. Wir schraubten sie mit dem Gewinde an der Unterseite auf einen langen Selfie-Stick und machten Luftaufnahmen. Wir setzten sie im Auto zur Dokumentation des Innenraums ein und wir befestigten sie am Fahrrad, um uns beim Radeln zu filmen.
Weil wir uns keine Gedanken um den Bildausschnitt machen mussten, waren wir schneller einsatzbereit als mit jeder anderen Actionkamera. Die nachträgliche Wahl des Motivs stellte sich schnell als der entscheidende Pluspunkt der X4 heraus, aber dazu gleich mehr.
Zunächst noch ein paar Worte zur Bedienung. Die Moduswahl per Touchscreen ist intuitiv gestaltet, auch wenn es viele Einstellungsmöglichkeiten gibt. Ein Wisch nach rechts bringt uns zu den gemachten Aufnahmen, in denen wir uns per Fingergeste umschauen können. Ein Wisch nach links bringt uns zu den detaillierten Aufnahmeparametern.
Die Aufnahmemodi lassen sich umfangreich anpassen. Belichtung, Weißabgleich und Farbprofile sind einstellbar. Es gibt Modi für unterschiedliche Einsatzszenarien wie Zeitraffer, Serienbild, Loop-Recording als Dashcam, Sternenhimmel und sogar einen Bullet-Time-Modus, in dem die Kamera um uns herumzufliegen scheint – wie im Film Matrix.
Die Akkulaufzeit von mindestens einer Stunde im konstanten Betrieb fanden wir angemessen, zumal sie sich durch einen Betrieb an einer Powerbank oder den Wechsel des Akkus problemlos verlängern lässt.
Wenn wir von oben nach unten wischen, kommen wir zu den grundlegenden Einstellungen, wo unter anderem die Funkverbindungen zu finden sind. Auch hier wurden wir angenehm überrascht: Nach der Installation der App konnten wir innerhalb weniger Sekunden unsere Kamera koppeln. Keine Aufforderung zur Registrierung, keine unübersichtlichen Menüs – das kannten wir von der Gopro auch schon anders.
Einmal verbunden, gab uns die App Zugriff auf alle Einstellungen und ließ uns auch die gemachten Videos und Fotos herunterladen. Die wurden im Telefon zu 360-Grad-Panoramen zusammengesetzt und konnten geteilt werden. Ein einfacher Editor ist hier ebenfalls zu finden.
Wir wählen den Bildausschnitt später
Wer mit dem Material arbeiten möchte, ist am PC oder Mac besser aufgehoben. Auch hier funktionierte der Datentransfer fix, die USB-Buchse kann hohe Übertragungsgeschwindigkeiten erreichen.
Auch am Rechner ist die Installation der Software(öffnet im neuen Fenster) zügig erledigt, zum Download ist jedoch eine Mailadresse vonnöten. Das Programm selbst gefiel uns sehr gut. Es ist übersichtlich und hat neben grundlegenden Bearbeitungsfunktionen für das Material einen Editor, mit dem sich Videos schneiden und Bildausschnitte anpassen lassen.
Das war letztlich der Grund, warum wir die Kamera im täglichen Einsatz zu schätzen gelernt haben: Wir konnten in kürzester Zeit verschiedene Bildausschnitte, Auflösungen und Seitenverhältnisse aus dem Material generieren. Das Programm hat ein paar hilfreiche Optionen wie die automatische Verfolgung von Objekten sowie das manuelle Keyframing, um Schwenks zu realisieren. Auch eine Entzerrung der Linsen ist möglich – all das ohne Kameragewackel und mit maximaler Gestaltungsfreiheit.
Wer das alles lieber im Schnittprogramm erledigt, nutzt das Plugin für Adobe Premiere, das direkt mitinstalliert wird.
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Wir haben kaum Kritik
Neben den positiven Erfahrungen mit der Insta360 X4 gab es einige Kritikpunkte. Da ist zunächst das Hitzeproblem: Bei der Videoaufnahme mit 8k bei Raumtemperatur schaltet sich die Kamera nach rund 30 Minuten ab. In der prallen Sonne verringert sich diese Zeit natürlich.
Der HDR-Modus mit reduzierter Auflösung ist kein echtes HDR, sondern Tonemapping, bei dem die hellen und dunklen Bereiche des Bildes in der Kamera ausgeglichen werden. Die Aufnahme erfolgt mit dem h.265-Codec, leider gibt es kein 10-Bit-Video. Immerhin existiert einen RAW-Modus für Fotos.
Aber auch ohne RAW sehen die Fotos sehr gut aus. Die vollen 72 Megapixel sollten nur bei guten Lichtverhältnissen zum Einsatz kommen. Wird es schummrig, empfiehlt sich die 18-Megapixel-Option, damit erzielten wir selbst in sehr dunklen Umgebungen noch ansehnliche Ergebnisse. Videos waren bei schlechten Lichtverhältnissen jedoch drastisch verrauschter – was zu erwarten war. In der Insta360-Software lassen sich hübsche Animationen aus den Standbildern generieren und als Video exportieren.
An Zubehör gibt es zu den erwähnten Selfiesticks eine Schutzhülle sowie Linsenabdeckungen, die Kratzern auf dem Glas vorbeugen sollen. Auch einen Akkulader, Mikrofonadapter, Sattel- und Helmhalterungen bietet der Hersteller an(öffnet im neuen Fenster).
Verfügbarkeit und Fazit
Verfügbarkeit
Die Insta360 X4 gibt es im Fachhandel oder beim Hersteller(öffnet im neuen Fenster) ab 559 Euro. Ein Abo wie bei Gopro gibt es nicht. Mit Zubehör kann der Preis auf über 700 Euro steigen. Eine Geräteversicherung ist für 34 Euro pro Jahr erhältlich.
Fazit
Wir möchten die Insta360 X4 als Allzweckkamera nicht mehr missen. Wegen ihrer kompakten Maße und schnellen Einsatzbereitschaft ist sie ein guter Begleiter für nahezu jeden Dreh. Wir setzen sie wie eine klassische Actionkamera ein und nutzen den 360-Grad-Modus nur der Flexibilität wegen.
Wir haben uns schnell daran gewöhnt, den Bildausschnitt nicht mehr bei der Aufnahme zu wählen, sondern im Nachhinein in der Bearbeitungssoftware auf dem PC.
Dass die Videoaufnahmen sehr gut stabilisiert sind und wir jede Menge Optionen für Aufnahmemodi haben, macht das Gesamtpaket für uns rund. Wenn es beispielsweise um einen Rundflug um ein Objekt im Freien geht oder eine Fahrt entlang der Decke in einem Veranstaltungsraum, kann keine andere Kameralösung mit der 360-Grad-Freiheit mithalten. Der Stick wird automatisch aus dem Foto- und Videomaterial entfernt.
| Insta360 X4 | |
|---|---|
| Maximale Auflösung Foto/Video | 72 Megapixel/8K 30 fps |
| Zeitlupe | 1080p/120 fps |
| Display | 2,5 Zoll Touchscreen |
| Wasserdicht | 10 m |
| Akku | 2290 mAh |
| Maße (B/H/T) | 46 x 123,6 x 37,6 mm |
| Gewicht | 203 g |
| Preis (Mai 2024) | 559 Euro |
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Die wenigen Kritikpunkte: Bei Raumtemperatur kann die Kamera nur rund 30 Minuten in voller Auflösung filmen und das Videomaterial liegt lediglich in 8 Bit Farbtiefe vor. Der HDR-Modus ist mit verringerter Auflösung eher als Kompromiss zu sehen. Für extreme Zeitlupenaufnahmen ist die X4 nicht geeignet.
Sollte sich die virtuelle Realität demnächst doch durchsetzen, fühlen wir uns mit der Insta360 X4 bestens gerüstet. Bis dahin nutzen wir sie gern einfach als rundum gute Actionkamera.
Unter diesem Link sind zwei Rohdateien aus der Kamera zu finden.
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