Insolvenz: Atari ist tot, oder?

Atari ist bereits den dritten Tod gestorben, doch mit dem zuerst gescheiterten Unternehmen hatte das zuletzt zugrunde gegangene nichts mehr zu tun. Ein Nachruf auf einen vergessenen Publisher.

Artikel veröffentlicht am , Armin Luley
Mit dem ursprünglichen Atari hat das zuletzt insolvent gegangene Atari nichts mehr zu tun.
Mit dem ursprünglichen Atari hat das zuletzt insolvent gegangene Atari nichts mehr zu tun. (Bild: Bill Bertram/CC-BY-2.5)

Zum dritten Mal wird eine Firma mit dem traditionsreichen Namen Atari wegen anhaltender Erfolglosigkeit abgewickelt, seit dem 14. Juli 2013 werden die Namensrechte versteigert. Anders als bei den vorherigen Malen hält sich der Wehmut jedoch in Grenzen. Denn mit dem ursprünglichen Atari, dem Erfinder von Pong, dem 1971 von Nolan Bushnell und Ted Dabney gegründeten Wegbereiter der Computerspielindustrie, hatte dieses Unternehmen überhaupt nichts mehr zu tun. Vielmehr stand hinter dem Unternehmen Atari seit dem Jahr 2000 der französische Spielentwickler Infogrames, an dessen Namen sich kaum jemand erinnert.

Inhalt:
  1. Insolvenz: Atari ist tot, oder?
  2. Bye-bye Europe!
  3. Nicht zu retten

Infogrames, das Unternehmen mit dem Gürteltier im Logo, erwarb 2000 die Computerspielsparte des Spielekonzerns Hasbro und damit auch die Namensrechte Atari. Nachdem die Konzernspitze des damals drittgrößten Publishers der Welt festgestellt hatte, dass im besonders gewinnträchtigen US-Markt niemand etwas mit dem Firmennamen Infogrames anfangen konnte, begann Firmengründer und Geschäftsführer Bruno Bonnell ab 2001 sukzessive damit, seine Produkte unter dem Label Atari zu vermarkten.

2003 wurden schließlich alle Publishing-Niederlassungen in Atari umgetauft und 2009 benannte sich als letzte Entität auch die Konzernholding von Infogrames Entertainment SA in Atari SA (societée anonyme, Aktiengesellschaft) um.

Dass die Kürzel der Gesellschaftsform zum Verständnis der Firmengeschichte überhaupt so wichtig sind, sagt bereits viel aus. Denn tatsächlich war das ursprünglich französische Unternehmen zu diesem Zeitpunkt schon längst gestorben, die Überreste gekapert von der eigenen US-amerikanischen Tochter.

Mit GT Interactive auf den US-Markt

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Dies ist in der Genese des Infogrames-Konzerns begründet. Mit den 1990ern begann das französische Entwicklerstudio unter Leitung Bonnells mit einer enormen Expansionsstrategie. Es kaufte zahlreiche Entwicklerstudios und lokale Publisher auf, um so zu einem international operierenden Konzern aufsteigen und seine Produkte weltweit selbst vertreiben zu können. Zu den Übernahmen zählten unter anderem die deutsche Bomico oder die britischen Unternehmen Gremlin Interactive und Ocean Software, die fortan zu internationalen Vertriebsstandorten ausgebaut wurden.

Eine Herausforderung blieb der US-amerikanische Markt - bis 1999 der US-amerikanische Publisher GT Interactive in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Das vergleichsweise junge Unternehmen war in sieben Jahren enorm gewachsen. Grundlage waren erfolgreiche Publishing-Deals wie Doom, Quake, Duke Nukem oder Unreal, die Wegbereiter der Egoshooter-Erfolge, die das Unternehmen exklusiv unter seinem Logo veröffentlichen durfte.

Das zweite Standbein war ein Exklusivabkommen mit der größten US-amerikanischen Handelskette Wal-Mart, bis heute eine der wichtigsten Stützen des US-amerikanischen Retailhandels. GT Interactive bestimmte dadurch, welche Software in den riesigen Einkaufscentern erhältlich war, jeder Publisher musste dafür mit der Firma in Verhandlung treten.

GT Interactive wuchs und kaufte Entwicklerstudios wie Ron Gilberts Humongous Entertainment auf. 1997 wollte die Firma sogar den traditionsreichen Entwickler Microprose (Pirates!, Civilization) übernehmen, eine Einigung lag bereits vor. Doch in letzter Minute wurde der Deal aus unbekannten Gründen abgeblasen. Man darf vermuten, dass der Grund die zunehmend schlechte finanzielle Lage beider Unternehmen war.

Nach Jahren des Wachstums zeigte sich, dass GT Interactives Kurs nicht nachhaltig war - insbesondere, nachdem Wal-Mart beschlossen hatte, die Bestückung seiner Märkte mit Software künftig selbst zu bestimmen. Der Umsatz von GT Interactive stürzte ab, das Unternehmen schrieb Verluste. 1999 musste ein Käufer her. Gefunden wurde ein aufstrebender europäischer Publisher, der nach einem festen Standbein und guten Kontakten im umkämpften US-Markt suchte. Ein Unternehmen, das sich dem Ende eines 500 Millionen US-Dollar teuren Expansionskurses näherte und in GT Interactive einen bedeutsamen Baustein in der Vollendung seines Masterplans sah: dem Aufstieg zum global operierenden Publisher.

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KarlaHungus 17. Jul 2013

Gabs auf keinen Fall. Musst Du Dir ausgedacht haben! Oder Du hast nicht gelesen was hier...

planet_irata 17. Jul 2013

Meine Idee wäre für je $10 eine email-Adresse unter atari.com. Und besonders bedeutende...

Arkarit 16. Jul 2013

Himmel! Wie viele Einfamilienhäuser hast du denn für die 4GB hinlegen müssen?

Arkarit 16. Jul 2013

den gabs ;-)

nf1n1ty 16. Jul 2013

Stimmt :D Du glaubst nicht, wie ich das damals gefeiert habe: "Commandos im Wilden...


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