Innovative Lauschposten: Ukraine nutzt akustische Aufklärung gegen russische Drohnen

Die Ukraine verwendet akustische Sensoren, die von einheimischen Unternehmen und Freiwilligen entwickelt wurden, um russische Drohnen und Marschflugkörper sowie Flugzeuge und Hubschrauber zu orten, heißt es in einem Spiegel-Bericht.(öffnet im neuen Fenster) Es handele sich um eine kostengünstige und effektive Ergänzung zu herkömmlichen Radarsystemen.
Das ukrainische Start-up Zvook (zu Deutsch: Klang) betreibt dem Bericht zufolge laut Mitgründer Marjan Sulym 270 Lauschanlagen, mit weiteren 300 einsatzbereiten Geräten sei zu rechnen. Diese Sensoren werden strategisch platziert, insbesondere an gefährdeten Straßen, die häufig Ziel russischer Angriffe sind.
Die akustischen Sensoren von Zvook bestehen aus einer Parabolantenne, die Schall auf ein Mikrofon fokussiert, und einem Rechner mit KI-gestützter Software. Diese wird darauf trainiert, die akustischen Signaturen verschiedener Flugkörper zu erkennen, darunter Marschflugkörper, bemannte Flugzeuge, Hubschrauber und Drohnen.
Im Vergleich zu Radarsystemen bieten passiven Sensornetze mehrere Vorteile. Sie senden keine leicht zu ortenden Signale aus, was sie schwerer bekämpfbar macht. Zudem sind sie mit Kosten von etwa 500 US-Dollar pro Stück deutlich günstiger als herkömmliche Radargeräte.
Akustische Sensoren als Lösung für Tiefflieger-Erkennung
Ein Vorteil der akustischen Sensoren liegt in ihrer Fähigkeit, tief fliegende Objekte zu erkennen. Fabian Hinz, Research Fellow am International Institute for Strategic Studies (IISS), erklärt, dass bodengestützte Radargeräte aufgrund der Erdkrümmung nur eine begrenzte Reichweite bei der Erfassung sehr tieffliegender Ziele haben. Dadurch erkennen sie niedrig fliegende Bedrohungen sehr spät. Dies macht sich die Ukraine auch bei ihren Drohnenflügen gegen Russland zu Nutze und bewegt sich nur wenige Meter über dem Boden.
Die von Russland eingesetzten iranischen Shahed-136-Drohnen, die relativ laut sind und charakteristische Geräusche erzeugen, können mit den Mikrofonen auf eine Distanz von drei bis fünf Kilometern erkannt werden, heißt es in dem Bericht. Dies ermöglicht eine frühzeitige Warnung und potenziell effektivere Abwehrmaßnahmen.
Allerdings hat das System noch Schwächen bei der Erkennung kleiner, leiser FPV-Drohnen mit Elektromotoren. Diese können derzeit erst auf sehr kurze Distanzen von 200 bis 30 Metern erfasst werden. Zvook arbeite jedoch daran, seine KI auch für die Erkennung dieser kleineren Drohnen zu optimieren, heißt es in dem Bericht.
Neben Zvook soll auch die ukrainische Organisation Sky Fortress ein umfangreiches Netz aus akustischen Sensoren eingerichtet haben. Laut Berichten des Economist(öffnet im neuen Fenster) sollen bereits mehrere Tausend Lauschanlagen im Einsatz sein, mit Plänen für Tausende weitere.
Interessanterweise deutet ein kürzlich veröffentlichter Bericht des ukrainischen Online-Portals " Defense Express(öffnet im neuen Fenster) " darauf hin, dass Russland möglicherweise ähnliche akustische Systeme einsetzt, um Drohnen und Marschflugkörper auf russischem Gebiet zu orten. Marjan Sulym vermutet, dass die russische Seite versucht, die ukrainische Technologie zu kopieren, heißt es laut Spiegel-Bericht.