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Innenraum Audi Q6 angeschaut: Mit gebogenem Bildschirm und Android Automotive

IAA 2023
Audi hat auf der IAA erstmals den Innenraum des vollelektrischen Q6 gezeigt. Die Verbindung von gebogenem und geradem Bildschirm wirkt merkwürdig.
Aktualisiert am , veröffentlicht am / Friedhelm Greis
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Als Option gibt es im Audi Q6 einen eigenen Bildschirm für den Beifahrersitz. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
Als Option gibt es im Audi Q6 einen eigenen Bildschirm für den Beifahrersitz. Bild: Friedhelm Greis/Golem.de

Der Ingolstädter Autohersteller Audi verabschiedet sich beim neuen Elektro-SUV Q6 von seinem bisherigen Bedienkonzept in der Oberklasse. Auf der IAA 2023 in München zeigte die VW-Tochterfirma erstmals den neu gestalteten Innenraum, der von einem geschwungenen Bildschirm dominiert wird. "Das schlanke, frei stehende Audi MMI-Panoramadisplay ist im Curved Design und in OLED-Technologie ausgeführt und besteht aus dem 11,9 Zoll großen Audi Virtual Cockpit und dem 14,5 Zoll großen MMI-Touchdisplay" , teilte Audi am 4. September 2023 mit(öffnet im neuen Fenster) .

Die "Man Machine Interface" (MMI), wie Audi sein Bedienkonzept nennt, basierte bislang auf zwei Touchdisplays in der Mitte, wobei das untere nur zur Steuerung der Klimaanlage und zur Eingabe von Daten per Tastatur oder Handschrifterkennung dient. Vor allem das obere war mit 10,1 Zoll inzwischen etwas klein im Vergleich zur Konkurrenz.

Beifahrer können Videos schauen

Die nahtlos wirkende Verbindung von Fahrerdisplay (Virtual Cockpit) und Zentralbildschirm wird von mehreren anderen Herstellern ebenfalls genutzt, darunter BMW und Hyundai mit seiner Tochterfirma Kia. Allerdings erscheint die Biegung des Bildschirms bei Audi stärker ausgeprägt. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass das Display an der rechten Seite relativ weit aus dem Armaturenbrett herausragt.

Daneben brachte Audi für den Beifahrer einen optional erhältlichen weiteren Bildschirm an. Dieser ist mit 10,1 Zoll deutlich kleiner als die Fahrerdisplays. Dank eines "Active Privacy Mode mit Shutter-Technologie" kann die Person auf dem Beifahrersitz den Angaben zufolge während der Fahrt Filme schauen, ohne dass der Fahrer abgelenkt werde. Gleichzeitig bietet der Modus laut Audi die Möglichkeit, den Fahrer beispielsweise bei Navigationsaufgaben zu unterstützen.

In der Basisausstattung ist an dieser Stelle eine schwarze Hochglanzfläche verbaut. In der Mittelkonsole befinden sich zwei Becherhalter und eine Handyladeschale mit zwei Lademöglichkeiten für Smartphones.

Optisch nicht sehr gelungen

Optisch wirkt die Kombination der beiden Displays nicht gelungen. Vermutlich überlegten die Audi-Entwickler, was sie der Oberklassekonkurrenz von Mercedes-Benz und BMW mit deren Panoramabildschirm und Super-/Hyperscreens entgegensetzen könnten. Doch im Vergleich zum BMW Vision Neue Klasse und zum Mercedes-Benz Concept CLA wirkt der Q6 noch ziemlich konventionell.

Das betrifft beispielsweise die Bedienfelder am Lenkrad. Dort hält Audi an einem eigenen Lenkradhebel für die Assistenzsysteme fest, was uns beim Test des Q8 E-Tron gut gefallen hat . Die Bedienfelder am Lenkrad steuern wie gehabt die Anzeige im Fahrerdisplay und die Wiedergabe von Telefon und Medien.

Anders als die Studien von BMW und Mercedes soll der Q6 schon im kommenden Jahr auf den Markt kommen, er ist praktisch schon fertig. Wobei Audi auf der IAA noch eine spezielle Folierung verwendete, um die Außenhaut des Q6 noch nicht final zu zeigen.

Software wichtiger als Softwrap

Für die generelle Gestaltung des Innenraums dachten sich die Audi-Designer den Begriff "Softwrap" aus, was sich wohl mit "weicher Hülle" übersetzen ließe. Dieser Stoffbezug "erstreckt sich von den Türen über das komplette Cockpit bis hin zur Mittelkonsole und erzeugt auf diese Weise ein homogenes und umschließendes Raumgefühl" , heißt es im PR-Sprech der Pressemitteilung.

Wichtiger als der Softwrap dürfte aber die Software im neuen Q6 sein. Hier setzt Audi erstmals eine Infotainmentplattform ein, die auf Android Automotive basiert und zusammen mit der VW-Tochterfirma Cariad entwickelt wurde. Die Software ermöglicht laufende Updates aus der Ferne, was derzeit sogar bei Audis Topmodell Q8 noch nicht möglich ist. Zudem gibt es einen eigenen Appstore, der gemeinsam mit Cariad und dessen Partner Harman Ignite entwickelt wurde. Über diesen können Drittanbieter-Apps direkt im Infotainmentsystem installiert werden.

Erstes Modell auf PPE-Basis

Der Q6 basiert auf der Premium Platform Electric (PPE), die zusammen mit Porsche entwickelt wurde. Die Plattform soll die Softwarearchitektur E3 1.2 nutzen, wobei E3 für "end-to-end electronic architecture" steht. Da sich die Entwicklung der Architektur stark verzögert hat , kommen der Q6 und der Porsche Macan erst 2024 auf den Markt.

Immerhin verfügt die PPE über ein Bordnetz mit 800 Volt, was unter anderem eine bessere Effizienz und eine höhere Ladeleistung ermöglicht. Eine maximale Ladeleistung nannte Audi noch nicht. Innerhalb von 30 Minuten soll der Akku von 10 auf 80 Prozent aufgeladen werden. Den Q6 gibt es mit einer nutzbaren Kapazität von 86 oder 100 kWh. Angaben zur Reichweite machte Audi zur IAA ebenfalls noch nicht.

Verzichten will Audi beim Q6 nach Angaben einer Sprecherin auf die digitalen Außenspiegel. Diese waren bei der Kundschaft offenbar doch nicht so beliebt. Außerdem befindet sich in der Fahrertür beim Q6 ein ziemlich großes Bedienfeld, mit dem Sitze, Außenspiegel, Schließanlage und sogar das Licht gesteuert werden können. Da wäre vielleicht gar kein Platz mehr, um die Bildschirme für die Spiegel unterzubringen.

Nachtrag vom 6. September 2023, 10:00 Uhr

Anders als zunächst in dem Artikel dargestellt, ist für den Active-Privacy-Mode keine spezielle Brille erforderlich. Nach Angaben von Audi wird über eine intelligente Schaltzelle im Display abhängig von den Inhalten das Licht gerichtet (privacy) oder für alle sichtbar gestreut.

Bewegte Inhalte auf dem Bildschirm sind demnach für den Fahrer beispielsweise dann nicht sichtbar, wenn die Geschwindigkeit größer als null ist oder sich der Bildinhalt bewegt. Der Bildschirm lasse sich generell nur bedienen, wenn der Beifahrersitz belegt sei. Sollte kein Beifahrer anwesend sein, werde ein Hintergrund- beziehungsweise Schmuckbild angezeigt.

Nachtrag vom 12. September 2023, 12:00 Uhr

Laut Audi erfolgt die Umsetzung dabei durch eine zusätzliche schaltbare LCD-Zelle. Diese Zelle soll aus aus mehreren Komponenten bestehen. Durch diese Technik ist es demnach möglich, das Licht, das in Richtung Fahrer gesendet wird, entweder zu blocken (Privacy-Modus) oder durchzulassen (Public-Modus).

Diese Technik hat laut Audi einen wesentlichen Vorteil gegenüber Blickschutzfolien, wie sie beispielsweise bei Laptops verwendet werden. Denn bei einer solchen Folie sähe der Fahrer nie ein Bild auf dem Display, weder im Stand, noch bei unkritischen Inhalten.


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