Inhouse-Netze: Glasfaserverbreitung in Mehrfamilienhäusern ist zu lahm
Der durchgängige Ausbau eines gesamten Mehrfamilienhauses mit Glasfaser ist ökonomisch nach Angaben von Experten sinnvoll. "Es ist ja relativ evident, dass es eigentlich günstiger ist, ein Haus auf einmal auszubauen und nicht einzeln, separat nach Einheiten", sagte(öffnet im neuen Fenster) Cara Schwarz-Schilling, Geschäftsführerin beim WIK (Wissenschaftliches Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste) am 19. Mai 2026 auf der Kongressmesse Anga Com in Köln.
Heute würden oft nur einzelne Wohnungen ausgebaut, weshalb die sogenannte Take-up-Rate so problematisch sei: "Weil es für Kunden viel zu lange dauert, bis sie einen Anschluss bekommen", betonte Schwarz-Schilling.
Länder wie Spanien, die erfolgreich beim Glasfaserausbau seien, hätten "sehr früh sehr klare Regeln getroffen. Und da war immer klar, wenn ein Netzbetreiber an ein Haus herankommt, wird es komplett ausgebaut", sagte sie.
Deutschland stehe derweil mit 30 Millionen Wohneinheiten da, von denen gerade mal 5 Millionen FTTH-Anschlüsse hätten. "Das ist ja nicht so besonders gut gelaufen bis jetzt", schlussfolgerte sie. "Da haben wir leider einen ganz großen Nachholbedarf."
Verträge sollen Wettbewerb verhindern
Wer dagegen schon Verträge mit den Wohnungskonzernen hat, will offenbar möglichst verhindern, dass Konkurrenten dort aktiv werden. Stefan Rüter, Chief Commercial Officer bei dem Vodafone-Joint-Venture OXG Glasfaser, sagte: "Es geht jetzt hier darum, dass ein Recht geschaffen wird, was den Vollausbau unattraktiv macht. Wir werden mit dieser Rechtsprechung nicht mehr Netze bauen, sondern weniger." Bestehende Partnerschaften, die gut laufen, würden so nur gestört.
Um den Glasfaserausbau in Mehrfamilienhäusern zu beschleunigen, plant das Bundesdigitalministerium von Karsten Wildberger (CDU) derzeit das TKG-Änderungsgesetz 2026. Der Ausbau in Mehrfamilienhäusern hinkt oft hinterher, weil Eigentümer zustimmen müssen.
Erweiterte Zugangsrechte für Unternehmen
Das neue Gesetz soll hier ansetzen: Unternehmen sollen erweiterte Zugangsrechte zu den Gebäudenetzen erhalten, um die Glasfaserleitungen einfacher bis in die einzelnen Wohnungen verlegen zu können. Wenn es physisch oder wirtschaftlich unsinnig beziehungsweise unmöglich ist, ein zweites, eigenes Netz im Gebäude aufzubauen, werden Netzbetreiber verpflichtet, anderen Zugang zu bereits bestehenden Glasfaserverteilern im Gebäude zu gewähren.
Rüter betonte allerdings: "Das wird dazu führen, dass Wettbewerber, zum Beispiel die Deutsche Telekom, ein Rosinenpicken machen und einzelne Häuser ausbauen. Und das führt nicht zu mehr, sondern zu weniger Ausbau".
Kristin Lumme, Leitung Multimedia bei dem Wohnungskonzern Vonovia, hatte zuvor kritisiert, dass Netzbetreiber zum Beispiel in Berlin attraktive Objekte plötzlich ausbauen wollten. Das gefährde bestehende Partnerschaften. Außerdem hatte sie darauf hingewiesen, dass ein Recht auf Vollausbau einzelner Objekte bestehende Kooperationen und Ausbauprogramme gefährden kann.
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