Ingress: Googles Gedankenkontrolle

In einem neuartigen Spiel für Android-Handys sprengt Google die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt. Aber wahrscheinlich hat das Unternehmen mehr im Sinn als den bloßen Spaß der Nutzer.

Artikel veröffentlicht am , Christian Endt/Jetzt.de
Ingress auf einem Android-Smartphone
Ingress auf einem Android-Smartphone (Bild: Google)

Ein eiskalter Februarabend in der Augsburger Innenstadt. Zehn Männer in dunklen Jacken stehen im Kreis zusammen, jeder ein Smartphone in der Hand. Sie haben sich hier getroffen, um zu kämpfen. Alle gehören zu einer weltweit operierenden Armee, die sich The Enlightened (die Erleuchteten) nennt. Ihre Gegner: Mitglieder von The Resistance (der Widerstand).

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Enlightened und Resistance sind die beiden Parteien, die im Augmented-Reality-Game Ingress gegeneinander kämpfen. Augmented Reality bedeutet erweiterte Realität. Das heißt, dass ein Computerspiel auf die reale Welt übertragen wird. Die Story des Spiels geht so: Eine neuartige Energieform ermöglicht die Kontrolle des menschlichen Gehirns. Die Erleuchteten stehen dieser Technologie aufgeschlossen gegenüber, während der Widerstand deren Nutzung zu verhindern versucht. Wer die Guten und wer die Bösen sind, ist eine Frage des persönlichen Standpunkts.

In Ingress steuern die Teilnehmer nicht etwa einen Avatar per Maus und Tastatur durch virtuelle Welten, sondern laufen selbst durch die Straßen ihrer Stadt. Auf ihren Smartphones sehen sie ihre aktuelle Umgebung, versehen mit den Elementen des Spiels: Portale, Resonatoren, Mind Units. Portale werden in der Regel an Sehenswürdigkeiten wie Brunnen oder Statuen errichtet und können von den Fraktionen erobert werden. Resonatoren versorgen besetzte Portale mit Energie und dienen der Verteidigung. Drei benachbarte Portale können verlinkt werden, wodurch dem Team eine entsprechende Anzahl Mind Units zugeschrieben wird. Um Spielhandlungen durchzuführen, muss sich der Spieler in der Regel in der Nähe des jeweiligen Objekts befinden. Man kann sich das Spiel als eine Mischung aus World of Warcraft und Capture The Flag vorstellen.

  • Ingress auf einem Android-Smartphone (Bild: Google)
  • Ingress auf einem Android-Smartphone (Bild: Google)
  • Ingress auf einem Android-Smartphone (Bild: Google)
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  • Ingress auf einem Android-Smartphone (Bild: Google)
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Ingress auf einem Android-Smartphone (Bild: Google)

Die meisten Spieler sind junge, IT-affine Männer, aber auch Familienväter sind dabei und vereinzelt Frauen. Vorerst ist das Spiel noch in einer geschlossenen Betaphase, zur Teilnahme benötigt man eine Einladung des Betreibers Google. Die begehrten Freischaltcodes werden auf eBay für rund 20 US-Dollar gehandelt. Dennoch hat sich bereits eine kleine Szene gebildet. Treffen sich mehrere Spieler zu gemeinsamen Aktionen, begrüßt man sich per Handschlag und stellt sich unter seinem Nickname vor. In München haben sich kürzlich etwa 50 Spieler in einem Lokal getroffen. Doch so richtig sei das Gespräch nicht in die Gänge gekommen, erzählt ein Teilnehmer, alle seien ständig mit ihren Handys beschäftigt gewesen.

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Ein Spieler mit dem Nickname Geraldo ist seit Dezember dabei und gehört zur Fraktion des Resistance. Er hat schon immer viel am Computer gespielt und Ingress einfach mal ausprobiert. Das Spiel hat ihn sofort gepackt und ist inzwischen fester Teil seines Alltags geworden. Auf dem Weg zur Arbeit macht er Umwege, um ein paar Portale abzuklappern, auch einen Teil seiner Mittagspause opfert Geraldo für den Kampf gegen die Erleuchteten. Ihm gefallen vor allem die Outdoor-Aktivität, der Teamplay-Charakter und die Möglichkeit, seine Umgebung auf eine ganz neue Art wahrzunehmen. "Plötzlich macht Spazierengehen Spaß", erzählt der 35-jährige Operations Manager.

Aber welchen Preis hat dieser Spaß? Schließlich ist Google keine Wohltätigkeitsorganisation und da das Spiel keine Gebühren kostet, muss der Konzern einen anderen Zweck damit verfolgen. Zunächst ist Ingress ein Verkaufsargument für das hauseigene Android-Betriebssystem, denn nur dafür ist die App bisher verfügbar. Apple-Nutzer bleiben außen vor. Vorstellbar ist allerdings, dass Google ganz anderen Absichten hat. Tatsächlich liefert Ingress umfangreiche Nutzerdaten. Um am Spiel teilzunehmen, müssen die Spieler laufend ihre aktuelle GPS-Position an die Google-Server schicken. So erhält das Unternehmen ein genaues Bewegungsprofil der Teilnehmer. Was genau mit diesen Daten geschieht, bleibt unklar. Denkbar ist eine Verbesserung des Kartendienstes Google Maps. Das Anbieten von standortbezogener, personalisierter Werbung ist naheliegend, aber auch schon von Diensten wie Foursquare bekannt.

Prinzipiell bietet Ingress deutlich weiter reichende Möglichkeiten: Der Aufenthaltsort eines Users kann nicht nur für angepasste Werbung genutzt, sondern durch die Spielführung aktiv beeinflusst werden. Schließlich entscheidet einzig und allein Google, wo für das Spiel strategisch wichtige Punkte platziert werden. Warum dabei nicht auf die (bezahlten) Wünsche von beispielsweise Fast-Food-Ketten Rücksicht nehmen? Egal ob man sich im Spiel also für oder gegen die Nutzung der Gedankenkontrolle einsetzt: Unter Umständen verhilft man Google durch seine Teilnahme dazu, genau diese aufzubauen, ganz real. Wer hätte den Google-Entwicklern so viel Selbstironie zugetraut?

Die Erleuchteten in der Augsburger Innenstadt haben erstmal keine Zeit für solche Überlegungen. Bisher hatten sie die Stadt fest im Griff, doch diese Nacht sind einige mächtige Widerstandsvertreter aus dem nahen München gekommen und nehmen den Kampf auf. Beide Seiten haben ihre Reserveakkus geladen und Touchscreen-kompatible Handschuhe angezogen. Die Schlacht um Mind Units kann beginnen.

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infome@armin... 27. Mär 2021

Wenn ich Ingress und deutsch suche, bekomme ich noch immer diesen Beitrag recht weit oben...

Fallen Sun 05. Mär 2013

Der normale request über ingress.com dauert ca 1 monat aber dann hast du ihn nicht 100...

ShalokShalom 03. Mär 2013

Google shows his/her Face ? Think on the potential obsession Power of Games like Warcraft...

VeldSpar 03. Mär 2013

hey cool bleiben. ich bin ja noch nichtmal schweizer. verstehe aber die probleme der...

Neuro-Chef 03. Mär 2013

So ein Umgang mit Mitmenschen ist natürlich optimal :-)



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