Zuführungswege zu Multiplexern: Leitungen, Richtfunk, Internet
Die Zuführung vom Multiplexer zu den Sendern erfolgt entweder über dedizierte Leitungswege oder wie beschrieben über Satelliten, manchmal auch über Richtfunk. Technisch wäre sogar Internet möglich, wenngleich das wenig Vorteile und einige potenzielle Nachteile bringen würde. Die Schwierigkeit für Sendernetzbetreiber und Ensemblebetreiber ist es, dass ihre Bemühungen stets allen Programmen in einem DAB+-Ensemble gleichermaßen zugutekommen, aber nicht alle Anbieter der enthaltenen Programme sich diese Maßnahmen auch leisten können und wollen.
Hier spielen meist die Landesmedienanstalten die zentrale Rolle, zwischen den verschiedenen Einzelinteressen zu vermitteln und Entscheidungen durchzusetzen, zu denen auch die Frage gehört, wieviel Aufwand in Kauf genommen wird, um das System ausfallsicherer zu machen.
Die erwähnte Besonderheit von Gleichwellennetzen, ihr Signal extrem synchron auszusenden, führt dazu, dass schon kleine Abweichungen das Sendernetz insgesamt stören können. Ein Sender, der aus dem Takt ist, schaltet also lieber ab, als dass er durch seine falsche Aussendung als Störsignal wirkt.
Abhängigkeit von GPS für Synchronisation
Um die Synchronizität sicherzustellen, nutzen DAB+-Sender typischerweise einen Zeittakt, der mittels eines empfangenen GPS-Signals ermittelt wird. Würde der GPS-Empfang für längere Zeit ausfallen, so ginge die Synchronisierung verloren, und der Sender würde vorsichtshalber abschalten. Ein umfassender GPS-Ausfall hätte mit einigen Stunden oder Tagen Verzögerung auch einen DAB+-Ausfall zur Folge. Fairerweise muss man hinzufügen, dass ein solcher GPS-Ausfall auch viele andere Bereiche schwer treffen würde.
Nicht ganz so anspruchsvoll ist die Zuführung der verschiedenen Audioprogramme und Datenströme zum Multiplexer, da ein Ausfall einer Zuführung nur ein einzelnes Programm im Ensemble betrifft. Dedizierte Leitungen, Richtfunk und Internet sind hier möglich und im Einsatz. Internet als Zuführungsweg ist dabei meist am billigsten aber nicht unumstritten, da die Ausfallsicherheit, gerade in Krisenzeiten, nicht gegeben wäre.
Im Alltag können private Programmanbieter zum Beispiel unter Nutzung von SRT ( Secure Reliable Transport(öffnet im neuen Fenster) ) damit aber einen ausreichend soliden, günstigen Zuführungsweg nutzen. Es gibt kein homogenes Bild und bislang auch keine gute Orientierung bei der Frage, wie krisenfest welcher Programmanbieter seine Zuführung und sein Gesamtkonzept realisiert hat oder realisieren muss. Der Alltag und die Kostenersparnis hat oft Priorität.
Gerade, was die Ausschreibung von Rundfunklizenzen und Programmplätzen angeht, sollte es vielleicht eine stärkere Bedeutung haben, ob ein Programmanbieter gewillt ist, sich bei Katastrophen- und Kriseninformationen stärker einzubringen oder nicht. Wer bereit ist, entsprechenden Aufwand zu investieren, könnte eventuell bei freien Kapazitäten und Frequenzen den Vorzug bekommen, da er eine wichtige Funktion im Zivilschutzkonzept übernimmt.



