Cloud-Abhängigkeit statt dezentrales Internet

Die Abhängigkeit von wenigen großen Dienstleistern geht einher mit der immer größer werdenden Skalierung des Internets und den Versprechungen der Cloud einerseits sowie den damit verbundenen wirtschaftlichen Erwägungen andererseits. So war es zwar auch schon vor Jahrzehnten möglich, eigene Internetdienste wie E-Mail- oder Web-Server selbst zu hosten - doch das ließ sich ebenso gut an einen Dienstleister auslagern.

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Bei Angeboten wie den eingangs erwähnten englischsprachigen Nachrichtenseiten oder auch Onlineshops, die sich potenziell an Milliarden Nutzer weltweit richten, ist der Betrieb eigener Infrastruktur schon deutlich mehr Aufwand. Genau hier setzen die weltweit agierenden Cloud-Anbieter wie Amazon, Google und Microsoft mit ihren Angeboten an.

Hinzu kommen hoch spezialisierte Unternehmen wie Fastly für CDNs. Zu der Konkurrenz in dem Markt gehören Cloudflare, Amazons Cloudfront und Akamai. Sie alle bieten ein weltweit verteiltes Netz an Rechenzentren, Servern und Anbindungen, die es theoretisch problemlos ermöglichen, auch Milliarden Zugriffe auf einer Seite zu verarbeiten, indem die Seite schlicht nah am Nutzer zwischengespeichert wird.

Die dafür nötigen Vorab-Investitionen in Hardware und Infrastruktur sind aber derart riesig, dass es wohl allein deshalb schon zu einer Art natürlicher Konsolidierung kommt. Es ist kaum zu erwarten, dass hier plötzlich Hunderte Betreiber ein ähnliches Angebot bereitstellen könnten.

Regulierung statt Konsolidierung

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Ebenso ist es unwahrscheinlich zu erwarten, dass sich die Seitenbetreiber selbst um Redundanz in den von ihnen gebuchten Dienstleistern bemühen. Eine parallele Infrastruktur für Ausfälle zu betreiben, die im Zweifel nur wenige Stunden im Jahr umfassen, ist wirtschaftlich oft nicht zweckmäßig. Eine einfache Lösung, den damit verbundenen teils riesigen Ausfällen vorzubeugen, gibt es also zunächst nicht. Dabei können sie verheerend sein.

Allein die genannten CDN-Betreiber sind inzwischen für rund 20 Prozent aller Webseiten weltweit zuständig. Und dabei handelt es sich wiederum um Dienste mit sehr großer Reichweite. Die Annahme ist nicht übertrieben, dass etwa die Hälfte aller Nutzer im Internet täglich auf die Dienste dieser Anbieter vertrauen muss.

Man könnte vor dieser Übermacht nun einfach resignieren. Wissenschaftler wie Niels ten Oever, der zurzeit an der Universität Amsterdam forscht und sich seit Jahren in Organisationen wie der IETF oder Icann engangiert, wollen aber gerade das nicht. Dem Magazin Wired sagte ten Oever mit Bezug auf den Ausfall bei Fastly: "Wir befinden uns in einem fantastischen Moment, um dies anzugehen."

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Mit Blick auf die Infrastruktur erklärte er außerdem: "Es zeigt sich, dass Ingenieure nur an Technologie gedacht haben, aber nicht an die Wirtschaft." Die beschriebene Konsolidierung und damit einhergehende Kontrolle einiger weniger Firmen über die Ausfallsicherheit vieler Dienste werde aber zunehmend auch als politisches Problem erkannt: "Die Zivilgesellschaft und Regierungen zeigen zunehmend Unbehagen damit", sagt ten Oever.

Ob dies dazu führen wird, dass weitreichende Regulierungen umgesetzt werden, ist derzeit noch mehr als fraglich. Zumindest mittelfristig ist aber zu hoffen, dass wenigstens staatliche Webseiten und -dienste so aufgestellt werden, dass sie auch mit Ausfällen einzelner Dienstleister dank redundanter Infrastruktur umgehen können. Immerhin sollten die Regierungen selbst ein starkes Interesse daran haben.

Für die Privatwirtschaft bleibt es ohne entsprechende Regulierung immer eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung, bei der im Zweifel Ausfälle mit einberechnet werden. Abseits der häufig geforderten Aufspaltung großer Cloud-Dienste gibt es kaum Ideen. Und auch diese Forderung ist eher wenig zweckmäßig, wird doch damit der vermeintliche Vorteil der Größe und Fähigkeit zur Skalierung unterlaufen. Einen offensichtlichen Weg aus dieser Zwickmühle gibt es zurzeit nicht.

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 Infrastruktur: Wie das Internet am Kapitalismus scheitert
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Kr1Sk 14. Jul 2021 / Themenstart

kommt nun der Bolschewismus der natürlich alles besser macht. (aber nur für die Reichen...

spaetz 29. Jun 2021 / Themenstart

Im Sinne der Ausfallsicherheit habe ich meine Antwort geografisch separiert auf sspaeth...

kriD reD 26. Jun 2021 / Themenstart

Wie es bei den beiden ist, weiß ich nicht. Aber für mich stimmt es. Das CE-Symbol kann...

brutos 25. Jun 2021 / Themenstart

Das Internet wurde nicht für die Wirtschaft gemacht, sondern zur Kommunikation. Und der...

1e3ste4 25. Jun 2021 / Themenstart

Nö. Das Internet wurde erst mal durch die Universitäten weltweit aufgebaut und damit von...

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