Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Krypto-Kidnappings: Wer mit Reichtum prahlt, wird zum Ziel

Entführer haben Kryptowährungen als ideales Lösegeld entdeckt. Erst traf es Unternehmer, jetzt vermehrt Influencer.
/ Elke Wittich
35 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Ziel der Krypto-Kidnapper sind Menschen, die es mit Kryptowährung zu Wohlstand gebracht haben. (Bild: Pixabay)
Ziel der Krypto-Kidnapper sind Menschen, die es mit Kryptowährung zu Wohlstand gebracht haben. Bild: Pixabay / Pixabay License
Inhalt
  1. Krypto-Kidnappings: Wer mit Reichtum prahlt, wird zum Ziel
  2. Jahreswechsel 24/25: Aus Einzelfällen wird eine Serie
  3. Januar 2025: Der nächste Fall – und die Gewalt eskaliert
  4. Politik verspricht Schutz – aber nicht für alle
  5. Ein Influencer ohne Kryptoreichtum wird entführt
  6. ''Wir sind Ziele'' – Konsequenzen eines schon 2022 überfallenen Influencers
  7. Wie geht es nun weiter?

Bei Krypto-Kidnappings werden nicht Wallets mit allerlei Blockchaintokens gefangen genommen und erst nach Herausgabe von Lösegeld wieder freigegeben. Die Täter halten vielmehr Kryptowährungen für die Lösung des größten Problems bei Entführungen – nämlich die Geldübergabe.

Weil es aber schwierig ist, dem Millionär von nebenan zu erklären, wie er für die eine oder andere Million Monero erwirbt, wählen sich die Kidnapper jene als Ziele aus, die schon Kryptowährung haben. Die Entwicklung der Fälle Krypto-Bro vs. Krypto-Bro zeigt ein interessantes Bild: Zunächst waren Angehörige von Kryptounternehmern die Opfer; heute sind die Ziele oft Influenzer, die mit ihren Wallets auf Social Media prahlen.

Vor drei Jahren: Die Serie beginnt – unbemerkt

Der 24. August 2023 begann für den Rentner Bruno D. wie die meisten anderen Tage. Nachdem seine Frau zur Arbeit gefahren war, ging er gegen 8 Uhr mit dem Hund Gassi, stellte dann die Mülltonnen an die Straße und spielte anschließend ein Onlinespiel.

Der geruhsame Morgen im ländlichen westfranzösischen Sarthe endete um halb zehn, als es an der Haustür klingelte. Draußen stand ein Mann, der sich als Amazon-Bote ausgab. Er war jedoch nicht allein, und kaum hatte Bruno D. geöffnet, wurde er von zwei Männern überwältigt. 20 Minuten lang blieben sie mit ihrem Opfer im Haus, in dieser Zeit stahlen sie 600 Euro sowie zwei Rolex-Uhren.

Eigentlich waren sie aber hinter etwas ganz anderem her, nämlich den Kryptobeständen des Streamers TeufeurS, dem Sohn von Bruno D. Der ehemalige Lkw-Fahrer hatte 2016 begonnen, beliebte Spiele wie GTA und Fortnite live zu streamen, und war rasch zu einem Star der Szene geworden.

Und er wurde reich: Aus Steuergründen zog er nach Malta, wo er allerdings kein zurückgezogenes Leben führte, sondern stolz seinen Wohlstand zur Schau stellte. Am Tag vor der Entführung seines Vaters postete er auf Tiktok eines seiner Wallets im Wert von 2,3 Millionen US-Dollar.

1,7 Millionen Euro transferiert

Bruno D. wurde nach Le Mans in eine Wohnung gebracht, sein im Urlaub auf Kreta weilender Sohn erhielt umgehend eine Nachricht, in der der Vater zu sehen war, dem jemand eine Waffe an den Kopf hielt. Eine Männerstimme forderte ihn auf, sein gesamtes Ethereum-Guthaben an ein Wallet zu überweisen, der QR-Code wurde danach übermittelt.

Insgesamt überwies TeufeurS bis nachmittags Ethereum im Gegenwert von 133.000 Euro. Den Kidnappern war das viel zu wenig, in einem neuen Video zeigten sie Bruno D, der darum flehte, den Forderungen nach mehr Geld nachzukommen. Es wirkte: Wenige Minuten später transferierte der Influencer 1,7 Millionen Euro.

Bruno D. wurde wie versprochen freigelassen, anderthalb Stunden nach dem Zahlungseingang wurde der Rentner körperlich unversehrt auf einer Straße in Le Mans ausgesetzt(öffnet im neuen Fenster).

Diese erste Entführung wies bereits alle Merkmale späterer Krypto-Kidnappings in Frankreich auf, wie sich später herausstellte. Das eigentliche Ziel waren nicht die Opfer, sondern reiche Menschen, die es entweder mit Bitcoin und Co. zu Wohlstand gebracht hatten, oder begüterte Youtuber und Influencer.

Deren Angehörige oder Freunde waren für die Täter ein leichtes Ziel, da selbst sicherheitsbewusste Targets wohl kaum auf die Idee gekommen wären, dass auch beispielsweise ihre Eltern bedroht sein könnten.

Die Opfer wurden getäuscht und körperlich überrumpelt. Die verschickten Videos machten unmissverständlich klar, dass die Täter vor Gewalt nicht zurückschrecken würden, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt würden.


Relevante Themen